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Full text of "Die Geistlichen Übungen des hl. Ignatius von Loyola [microform]. Nach dem spanischen Urtext übertragen eingeleitet und mit Anmerkunegn versehen"

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OTTO HARRASSOWITZ 

BUCHHAFjDlUNG 
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IGNATIÜS VON LOYOI.A 

GEISTLIGli ÜBlSÖEN 



Nach .dem spanischen,, U^i^xt übertra.geii, 
eiftgeleit2t ; und mit' AnTj.ierkwngen verneinen 



von 



Alfred Feder S. J. 



Zweite, verbesserte und erweiterte Auflage 
(3.~5. Tausend) 



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Regensburg 1922 



yerlagsanstalt vorm. G. J. Manz, Buch- und 
Kunstdruckerei A.-G., München-Regensbiurg 







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1922. 
Scheglmann 








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Vic. Gen. 



Imprimi potest. 

Coloniae, die 19. Julii 1922. 



Bern. Bley S. J. 
Praep. Prov. Germ. Inf. 



684303 



1922/23 

Zur vierten Jahrhundertfeier 

der 

ÄMassmig des Exerzitienbuclies (1522/23). 



V o r w ort. 

In kaum sechs Monaten ward eine Neuauflage 
der Übersetzung des Exerzitienbüchleins 
nötig. Diese Tatsache zeugt von der großen 
Wertschätzung, die man auch heute noch den 
Geistlichen Übungen des hl Ignatius entgegen- 
bringt, aber auch von dem Geiste der reli- 
giösen praktischen Betätigung, der in unserem 
deutschen Volke wohnt. Für die zweite Auf- 
lage wurde der Text der Übertragung noch 
einmal einer genauen Durchsicht unterworfen, 
die Einleitung und die Anmerkungen in man- 
chem verbessert und erweitert. Da letztere in 
kleinerem Drucke erscheinen, ist der Seitenum- 
fang nur um weniges größer geworden. Die 
Geistlichen Übungen sind eigentlich keine 
Lesung in der gewöhnlichen Bedeutung des 
Wortes; die Exerzitien wollen weniger gelesen, 
als innerlich durchdacht und durchlebt werden. 
Erst durch die persönliche Teilnahme an ei- 
nem Exerzitienkurs, wo der Mensch und die 
Gnade mit ihrem stillen Walten einträchtig zu- 
sammenwirken, geht der Seele der volle Sinn 
der Geistlichen Übungen auf. So möge denn 
die Neuaufläge gerade dieses praktische Stu- 
dium der Geistlichen Übungen bei vielen an- 
regen, fördern oder erneuern. 

Valkenburg, den 31. Juli 1922. 

Am Feste des hl Ignatius. A. F. 



VI Vorwort 

Vor'wort zur ersten Auflage. 

Die doppelte Ignatianische Jubelfeier des 
Jahres 1922 lenkt von selbst unsere Blicke 
auf das Exerzitienbüchlein, das im Äußeren 
so klein und unscheinbar, aber doch so reich 
an innerem Gehalt, seit den Tagen seines Be- 
stehens unermeßlichen Segen gestiftet und ent- 
scheidend auf die religiöse Entwicklung der 
letzten Jahrhunderte eingewirkt hat. Wenn wir 
hiermit eine neue Übersetzung desselben vor- 
legen, so geschieht es hauptsächlich in der 
Absicht, weiteren Kreisen eine Textausgabe 
der Geistlichen Übungen darzubieten, die in 
gefälligem deutschen Gewand, aber doch zu- 
gleich im engsten Anschluß an den spani- 
schen Urtext, ein möglichst getreues Bild des 
Ignatianischen Büchleins gibt und die zugleich 
der praktischen Benützung wie dem theore- 
tischen Studium dienen soll. Um dem Leser 
das Verständnis des Buches zu erleichtern, wur- 
de der Übertragung eine kurze Einleitung vor- 
ausgeschickt und ein Anhang von erklären- 
den Anmerkungen angeschlossen. Doch wurde 
beides, Einleitung und Anmerkungen, auf ein 
Mindestmaß beschränkt, um der Verbreitung 
des Büchleins und seiner praktischen Verwend- 
barkeit nicht hinderlich zu sein. 

Unsere Übertragung, die vor allem keine 
Paraphrase oder Umschreibung sein will, lehnt 



Vorwort V-IA 

sich enge an den spanischen Originaltext an, 
so wie ihn die große kritische Ausgabe von 
1919 in den Monumenta historica Societatis 
Jesu bietet. Wo der Geist der deutschen Spra- 
che eine Ergänzung notwendig verlangte, haben 
wir sie gebracht, aber zugleich als solche durch 
Kursivdruck kenntlich gemacht. Von letzterem 
wurde jedoch abgesehen bei einigen kleinen Er- 
gänzungen, die sich aus stehenden deutschen 
Ausdrücken von selbst ergeben, wie z. B. bei 
V,U. L. Frau" für Nuestra Senora, ,, heilige 
Messe" für misa, ,,cier böse Feind" für el ene- 
migo. Der Übersichtlichkeit halber wurden den 
Texten dort, wo im Urtext Titelüberschriften 
fehlen, solche vorausgeschickt, und zwar wie- 
der in Kursivdruck. 

Bei der Übersetzung schwierigerer Stellen 
wurden auch die beiden alten lateinischen Über- 
tragungen aus der Zeit des hl Ignatius be- 
rücksichtigt und desgleichen wurde stets Ein- 
sicht genommen in die lateinische Übertragung 
des P. Roothaan (s. S. 14) und in die zwei 
ersten deutschen Übersetzungen \ 

\ Die erste deutsche Übersetzung erschien ano- 
nym in Regensburg in der Verlagsanstalt vorm. G. J. 
Manz unter dem Titel „Die Geistlichen Übungen des 
hl. Ignatius von L." (1855, ^ 1892). im Anschluß 
daran fertigte R. Handmann S. J. eine neue Über- 
tragung an nach der inzwischen erschienenen spani- 
schen Ausgabe von 1887 (Ausgabe mit Anmerkun- 
gen Regensburg 1904, kleine Textaüsgabe Graz 1905). 



VIII Vorwort 

Die beiden Ausgaben der Monumenta und 
des P. Roothaan leisteten auch für die An- 
merkungen gute Dienste. Meinen lieben Mit- 
brüdern den hochw. Patres Julius Beßmer und 
Martin Hagen, die die Freundlichkeit hatten,, 
die Übertragung durchzulesen, und mir man- 
chen wertvollen Wink für dieselbe gaberi^ 
spreche ich auch an dieser Stelle meinen 
herzlichen Dank aus. 

So möge denn das Exerzitienbüchlein auch 
in der neuen Gestalt bei seinem Auszug von 
Gottes Segen begleitet sein und recht vielen 
den Geist kundtun, der in ihm weht, den Geist 
des Friedens und der Gottesliebe. 

Valkenburg, den 3. Dez. 1921. 



Eine weitere Übertragung^ der ,,<3ie von P. Roothaa» 
... hergestellte lateinische Ausgabe zugrunde ge- 
legt wurde", ließ F. Weinhandl 1921 zu München er- 
scheinen; diese Übersetzung weist eine sehr starke 
Abhängigkeit von den zwei vorhin genannten Aus- 
gaben (Manz und Handmann) auf. Noch weit. mehr 
gilt dies bezüglich der kleinen Manz'schen Ausgabe 
von dem Auszug aus den Exerzitien, der 1920 in 
München im Hyperion -Verlag veröffentlicht wurde. 
Die Übersetzungen der Protestanten B. Köhler (Berli» 
o. J.) und E.Wendt (Leipzig 1907) stehen katholischem 
Denken zu fern, als daß sie als getreue Wiedergabe 
der Exerzitien gelten können ^ 



Inhaltsübersidit. 

— Seite 

Vorwort . • • • . . . . . • . • o . • v 
Einleitung . . •• »1 

Die Geistlichen Übungen. 

Anima Christi ..,.......••• 18 

Vorbemerkungen . . . . . . • . . • • 19 

Erste Woche. 

Grundwahrheit und Grundlage . . , . . .31 
Die besondere und tägliche Gewissenserforschung 32 
Die allgemeine Gewissenserforschung . . . .35 
Die Generalbeichte und die heilige Kommunion 41 
Erste Übung: Betrachtung über die dreifache 

Sünde . . ... . . . 42 

Zweite Übung: Betrachtung über die eigenen 

Sünden . . . . . . . . . .... .47 

Dritte und vierte Übung: Wiederholungen • . 49 
Fünfte Übung: Betrachtung über die Hölle . • 50 
Zusätze '•••.. « • • • 52 

Zweite Woche. 

Einleitung: Betrachtung vom Reiche Christi . 59 
Erster Tag. Erste Beschauung: Die Mensch- 
werdung . . ... . . . . , • . • 62 

Zweite Beschauung: Die Geburt . des Herrn 65 

Dritte u. vierte Beschauung : Wiederholungen 67 

Fünfte Beschauung: Anwendung der Sinne 68 



X Inhaltsübersicht 

Bemerkungen . . . . . . . . • ..•.69^ 

Zweiter Tag. Darstellung des Herrn im Tempel 71 
Dritter Tag. Leben Jesu in Nazareth .... 72 

Einführung zur iErwägung über die verschiedenen 

Stände . . ' . . . . . . . . . . . . 72 

Vierter Tag. Betrachtung über zwei Fahnen . 73 

Betrachtung über drei Menschenpaare . . 77 
Fünfter Tag. Reise Christi an den Jordan und 

Taufe . . . . . . . . . . . . . , 79 

Sechster Tag. Aufenthalt in der Wüste ♦ . . 80 
Siebenter Tag. Berufung der Apostel .... gO 

Achter Tag. Bergpredigt ........ go 

Neunter Tag. Wandeln Christi über deni Meere gO 
Zehnter Tag. Predigt im Tempel ..... gl 

Elfter Tag. Auferstehung des Lazarus . . • " 81 
Zwölfter Tag. Palmsonntag . . . . . . . gl 

Bemerkungen (drei Arten der Demut) ... .gl 

Die Wahl . . . . • . . gg 

Dritte Woche. 

Erster Tag. Erste Beschauung: Letztes Abend- 
mahl 92 

Zweite Beschauung: Im Garten Gethsemani 94 

Zweiter bis siebenter Tag. Betrachtungen über 

weitere Geheimnisse des Leidens . ... .. 97 

Regeln für das Verhalten beim Essen . . • .100 

Vierte Woche. 

Erste Beschauung : Auferstehung und Erschei- 
nung Christi . . . . . . . . . . . 103 

Bemerkungen . . « . . . . . . • ... 104 

Beschauung zur Erlangung der Liebe . . . . 106 
Drei Gebetsweisen • • • • • • • • • • .109 



Inhaltsübersicht XI 

Die Geheimnisse des Lebens Christi unseres 

Herrn . . . . . . . . . . . . . . 116 

Regeln für die Unterscheidung der Geister . . 142 
Regeln für die Almosen Verteilung . . . . . 152 

Bemerlcungen über die Skrupeln 155 

Regeln über die kirchliche Gesinnung . . . . 158 

Anmerkungen . • • • • • • • . • . • 164 

Anhang ......... 186 

Sachverzeichnis . 188 



» 



Einleitung ^ 

■ ■ • 

1 . Entstehung des Exerzitienbüchleins. — "2. Sein 
Aufbau. — 3. Seine Überlieferung. — 4. Sein Einfluß. 

1. Bei der heldenmütigeu Verteidigung der 
Grenzfeste Pamplona gegen die Franzosen war 
Don Inigo von Loyola, Offizier der spanischen 
Truppen, am 21. Mai 1521 schwer verwundet 
worden. Eine Kugel hatte ihm das rechte Bein 
zerschmettert. Man verbrachte den Verwlindeten . 
in einer Sänfte in sein Heimatschloß Loyola. 
Längere Zeit schwebte der früher so lebensfrohe 
Ritter, erst 29-jährig, zwischen Leben und Tod. 
Als er wieder auf dem Wege der Besserung war, 
verlangte er, um die Langeweile des Kranken- 
lagers zu vertreiben, nach Eitterromanen, deren 
abenteuerliche Gestalten seinen Sinn so oft be- 
strickt hatten. Da man aber keine solche zur 
Hand hatte, gab man ihm dafür zwei andere 
Bücher: eine Heiligenlegende und das Leben 
Christi. Inigo nahm sie, wenn auch anfangs 
mit Widerstreben, und las darin. Nun tat sich 
plötzlich- eine ganz neue Welt vor ihm auf. Die 
Heiligen mit ihren heroischen Taten und Tugen- 
den standen vor seinem Auge und luden ihn zur 
Nachahmung ein. Daneben erschienen aber, zeit- 
weise wieder die alten Gestalten der Ritter- 
romane, Bilder von Reichtum, Glanz und Ruhm, 

Tgnatins V. Loyola. Geistl. Übungen. 2. Aufl. 1 



2 Einleitung 

von Minuedienst und Waffendienst. Während 
aber die Lektüre der Heiligenlegende in seinem 
Herzen Friede und Euhe hinterließ, folgten auf 
die AVeltbilder Ekel und Widerwillen und es. ging 
ihm jetzt in voller Klarheit , der Unterschied zwi- 
schen Weltdienst und Gottesdienst auf. Er ent- 
scheidet sich endgültig für den Gottesdienst/ 
Hier will er Großes leisten, es selbst den Hei- 
ligen zuvortun. 

So verläßt er denn im Frühjahr 1522 Eltern- 
schloß und Heimat, um höheren Waffendienst in 
der Gefolgschaft Christi aufzusuchen. Im Heilig- 
tum auf dem Montserrat in Katalonien schließt 
er durch eine Generalbeichte mit seinem Welt- 
leben ab. Dann zieht er weiter gegen Barcelona 
hin, um von dorten eine Wallfahrt in das Heilige 
Land anzutreten. Die Pest versperrt ihm vor- 
läufig den Weg und er sieht sich gezwungen, 
fast ein volles Jahr in der kleinen Stadt Manresa 
zuzubringen. In dieser Zeit ward der neue Streiter 
Christi zum starken Ritter geschult. Gott selbst 
führte ihn — der Ausdruck ist von Ignatius — 
wie ein Lehrer seinen Schüler von Stufe zu Stufe. 
Äußerlich und innerlich war das Leben zu Man- 
resa ein Leben unablässigen Gebetes und Ringens: 
Gebet bei Tag und Nacht, harte Wachen und 
Fasten und andere schwere Bußübungen, in der 
Seele steter Wechsel von Trost und Trostlosig- 
keit, Freude und Trauer, Friede und Unruhe. 
Als einst die Gewissensängste auf das höchste 
gestiegen waren und ihn zur Verzweiflung treiben 



Einleitung 3 

wollten, da kam ihm das Andenken an die Er- 
fahrungen, die er auf dem Krankenlager zu Loyola 
gemacht: alles, was die fromme Seele beunruhigt 
und quält, kommt vom Bösen her. Wie aus einem 
langen tiefen Schlafe erwachend, war Inigo plötz- 
lich von seinen qualvollen Skrupeln und Ängsten 
befreit und die Euhe kehrte wieder in sein 
Inneres ein. 

Was Ignatius in den Tagen der Krankheit zu 
Loyola, in den Übungen und Seelenkämpfen auf 
dem Montserrat und in Manresa innerlich erlebte, 
das schrieb er — sich und anderen gottliebenden 
Seelen zum Nutzen — in Manresa nieder. Das 
Aufgezeichnete bildet den Grundstock und den 
Hauptbestandteil der Geistlichen Übungen. Einige 
Zusätze fügte Ignatius dann noch im Laufe der 
nächsten Jahre hinzu, wie die Eegeln über die 
Almosenverteilung sowie über die Pflege der 
wahren kirchlichen Gesinnung und die ausführ- 
lichere Zusammenstellung der Geheimnisse aus 
dem Leben Christi ^. 

2. Nach der Idee des heiligen Ignatius bildet 
das Büchlein der Exerzitien nicht nur einen 
Leitfaden für die Zeit der Geistlichen Übungen 
selbst, sondern auch ein umfassendes praktisches 
Lehrbuch des ganzen geistlichen Lebens für alle, 
die entschlossen sind, ihr Leben vernunftgemäß 
zu ordnen. Entsprechend sind seine Hauptziele: 
Befreiung von der Sünde, Läuterung und Er- 
neuerung, Vereinigung mit Gott. Kurz können 
wir die Übungen charakterisieren als eine Zu- 

. 1 * , 



4 Einleitung 

sammentat der wiehtigsten christlichen Grrun(^- 
Wahrheiten mit dem Zweck, den Mensehen von 
aller Stlnden schuld zu befreien, ihn in Zukunft 
davor zu bewahren und ihn durch steste Selbst- 
läuterung und durch das Gebet mit seinem letzten 
Ziele zu vereinen. 

Treffend und geistreich hat Franz Hettinger'^ 
das Wesen der Geistlichen Übungen also geschil- 
dert: „Es sind die Exerzitien ein wunderbares, bis 
dahin noch nicht gekanntes^ auf unwiderstehlicher 
Konsequenz gegründetes, in sich getragenes und 
abgeschlossenes System, ein aus den ewigen Wahr- 
heiten des Glaubens bestehendes, innig verbun- 
denes und innerlich gegliedertes Ganze, das alles 
enthält, w^as immer die Seele läutern, reinigen, 
bilden und retten kann, ganz besonders aber, um 
sie jener Stufe der Vollkommenheit entgegenzu^ 
führen, die sie nach den von Gott in sie gelegten 
Anlagen und dem Plane der göttlichen Prädesti- 
nation einzunehmen berufen ist.* 

Fern vom Lärme des Tages, in Abgeschieden- 
heit und Stillschweigen werden der Sßele des 
Exerzitanden von erfahrenein Seelenführer die 
großen Grundwahrheiten und Heilstatsachen der 
christlichen Religion vorgeführt. Bei der persön- 
lichen Betätigung des einzelnen obliegt dann die 
Hauptarbeit dem Verstände und dem Willen. Die 
Wahrheiten sollen vom Verstände in Ruhe durch- 
dacht und erwogen und stetig auf das eigene 
Leben angewandt werden. Hierauf soll der Wille 
entsprechende Entschlüsse fassen, wieder in voller 
Ruhe, aber zugleich in hochherziger Gesinnung 
gegen den Geber alles Guten. Inniges reich- 



Einleitung O 

liebes Geb^t sowie der Geist der Demut und 
Buße zieben auf die Seele die für den inneren 
Wandel nötigen Gnaden in überfließender Weise 
berab. 

Die Exerzitien besteben aus drei Hauptteilen: 
der Einführung, den eigentlicben Übungen, ver- 
schiedenen Anbängen. Die. Einführung ihrerseits 
umfaßt 20 Bemerkungen, die sich teils an den 
Exerzitienleiter, teils an den Exerzitanden wen- 
den und nach einer Begriffsbestimmung Eatscbläge 
und Winke für ein gutes Gelingen vorlegen. 
Dann beginnen die eigentlichen Übungen. Ein- 
geteilt sind diese äußerlich in vier sogenannte 
Wochen, die je eine entsprechende, aber nicht gleich 
länge Reihe von Tagen umfassen. 

Den Ausgangspunkt der ersten Woche bildet 
die große Frage, die alle Menschen sich stellen 
müssen, die Frage nach dem Sinn eines jeden 
Menschenlebens. Wuchtig und bestimmt lautet 
die Antwort: Zweck jedes Lebens ist der, daß 
der Mensch Gott dem Herrn Ehre erweist und 
dient und auf diese Weise seiner eigenen Seele 
Heil erwirke. Diese einfache und doch so tief 
einschneidende Wahrheit, die uns die ursprüng- 
liche Idee Gottes vom Mensehen widerspiegelt, 
bildet die Grundlage, auf der der Bau der. Exer- 
zitien sich erhebt. Sie weist allem menschlichen 
Denken und Tun Richtung und Weg, sie ist das 
Grundgesetz aller sittlichen Ordnung und das 
Unterscheidungsmerkmal für den Wert oder Un- 
wert jedes Menschenlebens. 



6 Einleitung 

Der Mensch lebt nicht allein auf dieser Erde. 
Er ist hineingestellt in eine reiche Natur weit: 
eine große Mannigfaltigkeit von Geschöpfen und 
Gütern umgibt ihn, er trägt in sich einen großen 
Reichtum von Anlagen und Fähigkeiten, sein 
Leben spielt sich ab unter stetem Wechsel ver- 
schiedenartiger Stimmungen. Wiederum erhebt 
sich für den denkenden Menschen die Frage nach 
Sinn und Zweck all dieser Geschöpfe und Kräfte. 
Und klar lautet die Antwort auch hier: alles 
soll dem einzelnen behilflich sein, das eigene 
große Ziel, die Mehrung der Ehre Gottes und 
das Wirken seines Seelenheiles zu erreichen. Des- 
halb soll er die Geschöpfe insoweit gebrauchen, 
als sie ihn zu diesem Ziele hinführen, und er 
muß sich ihrer insoweit entäußern, als sie ihn 
davon abhalten, in heiligem Gleichmut nur dar- 
auf bedacht, das zu wählen, was eher zu jenem 
Endziele hinführt. Wiederum eine Grundwahr- 
heit, die mit wuchtiger Kraft vor die Seele tritt 
und schier ein endloses Feld für ernste Erwägung 
und Betätigung eröffnet. 

So ist denn der Vollsinn des Lebens geklärt 
und zugleich der Weg zum wahren Glück ge- 
wiesen: ungeteilte, zum Opfer bereite Hingabe 
des freien Willens an Gott, von dem wir aus- 
gegangen sind, und endlose Beseligung in Gott, 
wenn wir einst wieder zu ihm zurückkehren 
werden. 

Die Seele ist vielleicht von der Zielrichtung 
des Lebens abgeirrt durch die Sünde, die zum 



Einleitung 7 

ewigen Verderben führt. Aus ihr muß der Mensch 
befreit oder doch vor ihr nachdrücklich gewarnt 
werden. Es geschieht dies durch die Betrachtun- 
gen über die Sünde. Sie gewähren einen klaren, 
tiefen Einblick in deren Wesen und Wirkungen. 
Sie stellen uns die Sündenfolgen zunächst bei 
anderen Wesen vor, die von Grott abirrten, näm- 
lich bei den gefallenen Engeln, bei den Stamm- 
eltern, bei irgend einem Verdammten, sie halten 
uns dann die eigene Sündhaftigkeit vor Augen 
und lassen uns schließlich einen Blick tun in 
den ewigen Strafort der Hölle. Die Sündenbe- 
trachtungen sollen tiefste Beschämung, Reue- 
schmerz und den festen Entschluß, die Sünde zu 
meiden, erzeugen, nicht aber Verzweiflung. Des- 
halb führen sie zurück zum Weltheiland, der uns 
die Sündenvergebung erworben hat: zu Christus 
am Kreuz, der mit seinen offenen Armen, seinen 
offenen Wunden, seinem offenen Herzen alle Eeu- 
mütigen aufnimmt. Und am Fuße des Kreuzes 
gewinnt der erste Entschluß, Oott allein zu dienen 
und seiner größeren Ehre zu leben, neue Weihe 
und Kraft. Die Seele ist jetzt fähig geworden, das 
schönste Vorbild der neuen Gottesverehrung zu 
schauen, die wesenhafte Verkörperung aller wah- 
ren Verherrlichung Gottes: Jesus Christus. 

Christus ist unser Führer und unser König. 
In der möglichst engen Angleichung an sein 
Beispiel nach dem Maße der uns zugeteilten 
göttlichen Gnade liegt für jeden die gerade ihm 
erreichbare Stufe irdischer Vervollkommnung und 



o Einleitung 

Heiligung, Eingeleitet werden die Betrachtungen 
über das Leben Christi, die die zweite Woche 
bilden, durch die Betrachtung des Königtumes 
Christi. Der frühere Ritter Ignatius läßt hier 
Christus als Heerführer und König erscheinen, 
dessen Eeich die geistige Herrschaft über die 
ganze Welt ist. Er zieht aus, es zu erobern, 
und jeder, der guten Willens ist, kann in seine 
Gefolgschaft eintreten. Der Sieg und Enderfolg 
ist sicher Und der Kampfpreis wird an den ein- 
zelnen ausgeteilt nach dem Maße der selbstlosen 
Treue, die er im Kampfe unter solchem Führer 
bewies. 

Die Idee vom Königstum Christi weist den 
Exerzitanden zugleich auf noch etwas anderes 
als auf die Sicherstellung des eigenen Heiles und 
der eigenen Heiligung. Der Kämpfer, der der 
Fahne des Heilandes folgt, darf sich nämlich 
nicht nur mit den persönlichen Erfolgen zufrie- 
dengeben, sondern es soll ihm stets das hohe Ziel 
vor Augen schweben, gemäß seinen Kräften und 
seinem Berufe auch eifrig mitzuwirken am- gei- 
stigen Wohle und Heile seiner Mitmenschen. 

Das Bild vom König und Heerführer Christus 
ist nicht neu, es entstammt den Heiligen Büchern, 
die auch des Menschen Leben als einen Kriegs- 
dienst hinstellen. Dem Soldatengeist des heiligen 
Ignatius sagte dies Bild besonders zu: in seinen 
Augen ist die Erde ein großer Kampfplatz und 
die Weltgeschichte der Austrag des Streites; Chri- 
stus, an der Spitze seiner Getreuen, trägt den 



Einleitung 9 

glänzenden Sieg davon. Zu Beginn der Betrach- 
tung stellt die Parabel vom irdisclien König, dem 
großen christliclien Heerführer , der im Namen 
Gottes auszieht zur Eroberung der ungläubigen 
Länder. Die Parabel ist geboren aus altererbtem 
spanischem Rittergeist und somit geschichtlich 
zu erklären; für die Betrachtung selbst ist sie 
nicht wesentlich. 

Hat die Seele ihre Begeisterung am Bilde des 
Heerkönigs Christi entzündet, so zeigt sich ihr 
in den folgenden Betrachtungen Christus mehr 
als liebenswürdiger Menschensohn, als Lehrer und 
Meister, der uns in seinen Worten und Taten 
seih innerstes Denken und Wollen enthüllt. Das 
volle Verständnis der Person, des Charakters und 
der Absichten Jesu sowie der Entschluß engster 
Nachahmung des Herrn, also innige Heilands- 
erkenntnis und tätige Heilandsliebe, das sollen 
die unmittelbare Frucht der Erwägungen der 
zweiten Woche sein. 

Zunächst wird das Werk der Menschwerdung 
als der aus ewiger und unendlicher Gottesliebe 
entstammte Heilsplan hingestellt. Und damit wir 
den Grundcharakter des frei gewählten Lebens, 
das der Gottessohn auf Erden führte, gleich er- 
kennen, nämlich seine Demut und Armut, seinen 
Gehorsam und seine Opferliebe, darum ziehen 
Geburt und Krippe, Beschneidung und Opferung 
im Tempel, die Flucht nach Ägypten und das 
verborgene Leben zu Nazareth an uns vorüber. 
Diese Betrachtungen führen die Seele mit sanfter 



10 Einleitung 



/ 



Gewalt einem bedeutsamen Wendepunkt entgegen, 
wo gleichsani ein zweites Leben für sie beginnen 
soll, zur großen entscheidenden Wahl. Das Vor- 
bild des gemeinsamen christlichen Lebens hatte 
ihr der Grehorsam Jesu zu Nazareth vor Augen 
gestellt; das Auftreten des göttlichen Knaben im 
Tempel, der, um Gott zu dienen, Vater und Mut- 
ter verließ, hatte sie auf den Stand der christ- 
lichen Vollkommenheit hingewiesen. Da taucht 
vor den Augen der Seele noch einmal ein glän- 
zendes Soldatenbild von Heerbann und Heerfahrt 
auf: es ist das Bild von zwei Fahnen oder von 
den zwei Heerlagern vor Babylon und Jerusalem. 
Die Betrachtung soll der Seele, die schon ent- 
schlossen ist, Christus zu folgen, in großen Zügen 
das Programm enthüllen, das die beiden Heer- 
führer, Satan und Christus, auf ihre Fahne ge- 
schrieben haben, auf daß die Seele die verderb- 
lichen Grundsätze und Trügereien Satans erkenne 
und Christus allein anhange. Bei Satan heißt das 
Programm: durch Reichtum, Ehre, Hochmut zu 
allen Lastern, bei Christus lautet es : durch Ar- 
mut , Verachtung , Demut zu allen Tugenden. 
Besiegt von der Werbekraft des .Weltheilandes 
bietet die Seele sich in innigem Gebete Gott 
dar zur innigsten Nachfolge Jesu in Armut, gei- 
stiger oder wirklicher, in Schmach und Demut, 
aber in Unterordnung unter Gottes heiligen Willen. 
Die Nachfolge Christi verlangt ungeteilte Weihe, 
einem etwaigen Schwanken der Seele soll die Be- 
trachtung von den drei Menschenpaaren ein Ende 



Einleitung 11 

bereiten. Sie klingt aus in den Entschluß tat- 
sächlicher Hingabe an Jesus in einem der beiden 
großen Stände. Die Seele wird nun weiter ein- 
geführt in den Charakter Jesu: sie soll Jesus 
noch besser erkennen, ihn noch inniger lieben, 
ihm noch williger nachfolgen. Es reiht sich 
darum Betrachtung an Betrachtung aus dem Leben 
des Heilandes. Viele Tage schaut die Seele ihn 
lehrend, tröstend, Sünden vergebend, heilend, 
Wunder wirkend, so wie die Evangelien ihn dar- 
stellen. 

Ehe der Mensch die letzte Entscheidung über 
sein Leben trifft, muß er noch un verhüllter er- 
kennen, worin denn im Grunde die ganze unge- 
teilte Hingabe besteht. Dieses innerste Wesen 
der Nachfolge Jesu wird ihm durch die öfter an- 
zustellende Erwägung über die drei Arten der 
Demut 'aufgedeckt: nämlich die freie Wahl alles 
dessen, was die Seele dem Heiland ähnlich ge- 
staltet, und zwar eine Wahl aus dem Beweg- 
grund reiner selbstloser Liebe. Die Lebenswahl 
kann vom Exerzitanden jetzt mit Ruhe und Sicher- 
heit beendet werden. Ihr dienen noch die ver- 
schiedenen Wahlregeln, die die zweite Woche 
beschließen. 

Zweck der dritten und vierten Woche, der 
Leidens- und Auferstehungswoche, kann jetzt nur 
mehr der sein, die Abkehr von Sünde und Welt 
zu festigen, die Erkenntnis des Herrn zu vertiefen, 
die begeisterte Liebe zu ihm zu stärken und den 
Entschluß der Nachfolge zu kräftigen. 



12 Einleitung 

Die Exerzitien gingen aus vom Schöße Gottes. 
Dahin kehren sie schließlich wieder zurück. Die 
letzte Betrachtung über die Liebe Gottes führt 
die Seele auf den Stufen der von Gott gespendeten 
Wohltaten und der Geschöpfe hinauf zum Schöpfer 
und Geber alles Guten, zur unendlichen Schön- 
heit, Eeinheit und Vollkommenheit selbst. Hier 
ruht die Seele aus und in der Erkenntnis, daß 
es Gottes Eigenart ist,^ seinen Freunden in immer- 
währender und allgegenwärtiger Liebe stets neue 
Güter und Wohltaten zu spenden und zwar einzig 
der Liebe wegen, schwingt sie sich auf zum 
Lobgesang des Suscipe, dem herrlichen Gebet 
rückhaltloser Liebe und Hingabe an Gott den 
Herrn. 

Zw^ischen den einzelnen größeren Betrachtungen 
und Erwägungen finden wir noch eine Reihe von 
praktischen Regeln und Winken eingeschoben oder 
ihnen zugefügt. Sie stehen teils mit den Geist- 
lichen Übungen in unmittelbarer Beziehung, wie 
die verschiedenen Zusätze, die Bemerkungen über 
Gewissenserforschung, General beichte und Kom- 
munion, teils betreffen sie wichtige Grundstücke 
des praktischen geistlichen Lebens überhaupt, so 
die Regeln über die Mäßigkeit, die zur Unter- 
scheidung der Geister, die Ausführungen über die 
drei Gebetsarten, die Ratschläge über die rechte 
Almösenverteilung, die Grundsätze über die wahre 
kirchliche Gesinnung. 

3. Der Text, den Ignatius zu Manresa nieder- 
geschrieben, blieb wesentlich derselbe. So oft 
er im Jahre 1555 in seinen Lebenseririnerungen 



Einleitung Ip 

die Exerzitien erwähnt, bezeichnet er dieselben 
immer mit .ein und demselben Ausdruck „die 
Exerzitien", so für die Zeit von Alcala 1526, 
von Salamanca 1527, von Paris 1528— 1535, 
von Venedig 1536, von Rom 1538. Nur hat 
ignatius in deii ersten Jahren den Text stellen- 
weise verbessert und einige Zusätze beigefügt 
(s. oben S. 3). Abgeschlossen waren die Ver- 
besserungen von seiner Hand sicher vor dem 
Jahre. 1548*. 

Leider ist uns keines der von Ignatius' Hand ge- 
schriebenen Exemplare erhalten geblieben. Doch 
hat ein gütiges Greschick uns eine spanische Ab- 
schrift überliefert, die Ignatius selbst von Anfang 
bis zu Ende durchkorrigiert hat. Sie bietet uns 
somit die Gewähr größter Treue und Zuverlässig- 
keit, die obendrein auch noch durch die Überein- 
stimmung mit anderen alten Texteszeugen be- 
stätigt wird. Die Abschrift, das sogenannte Auto- 
graph, ist vor das Jahr 1547 anzusetzen^. 

Aus der Zeit des heiligen Ignatius besitzen wir 
außerdem noch zwei lateinische Übersetzungen, die 
er selbst veranlaßt hat und die unter seinen Augen 
angefertigt wurden. Es ist die sogenannte Erste 
Übersetzung (Versio prima), die Ignatius während 
seines Pariser Aufenthaltes ungefähr im Jahre 1534 
wahrscheinlich durch einen seiner spanischen Ge- 
fährten herstellen ließ und die uns noch in einer 
Handschrift vom Jahre 1541 erhalten ist ^, und 
dann die sogenannte Gewöhnliche Übersetzung 
(Versio vulgata), welche P. Andreas de Freux im 



14 Einleitung 

Auftrage des Ordensgenerals in gewandtem Latein 
zu Eom 1546/47 abfaßte. Während erster e sich 
durchweg strenge an den spanischen Text an- 
schließt, ist letztere nach Art damaliger stilisti- 
scher Übertragungen freier gehalten. Beide Über- 
setzungen wurden Papst Paul III zur Bestätigung 
vorgelegt. Diese erfolgte unter großen Lobes- 
erhebungen am 31. Juli 1548. Bereits im selben 
Jahre wurden die Exerzitien in der Form der 
Yersio vulgata der Öffentlichkeit tibergeben. Seit- 
her erschien dieser Text noch in mehr denn 
100 Neudrucken. 

Der spanische Text ward erstmals zu Born im 
Jahre 1615 dem Druck übergeben und nachher 
noch etwa 25 mal neu aufgelegt, zuletzt 1919 in 
der textkritischen Ausgabe der Monumenta histo- 
rica Societatis Jesu. 

Der Wunsch, seinen Söhnen einen möglichst 
genauen Wortlaut der Exerzitien zugänglich zu 
machen, bestimmte den Ordensgeneral Johannes 
Roothaan (geb. 1785 zu Amsterdam), selbst eine 
wortpjetreue lateinische Übersetzung, die er schon 
seit Jahren vorbereitet hatte, zu veröjffentlichen. 
Die Übertragung erschien 1835 zu Rom samt der 
beigedruckten Versio vulgata und mit vielen wert- 
vollen Anmerkungen versehen. Die vierte Auf- 
lage von 1852 brachte noch manche Verbesser- 
ungen von Roothaans Hand. Sein Text wurde 
nachher noch etwa fünfzehnmal nachgedruckt, 
zuletzt im Jahre 1911 bei Pustet zu Regensburg 
in der Sammlung von F. X. Brehm: Bibliothecä 
ascetiea. 



Einleitung 15 

4. Unaussprechlich groß ist der Segen gewesen, 
der sich von Anfang an aus dem kleinen Btich- 
lein der Exerzitien über die Seelen ergossen hat, 
so daß man gestehen muß: Hier hat Gott selber 
die Hand des Verfassers geleitet. Die Exerzitien 
haben recht eigentlich die Gesellschaft Jesu ins 
Leben gerufen, sie mit ihrem Geiste durchtränkt 
und mit ihrer Lebenskraft erhalten. Aas der 
Schule der Exerzitien gingen Selige und Heilige 
hervor, wie Peter Faber, Franz Xavier, Franz 
Börja, Peter Canisius, Philipp Neri, Franz von 
Sales, Karl Borromäus, Vinzenz von Paul, Kle- 
mens Hofbauer, eine Theresia von Jesus und eine 
Magdalena von Pazzis. Unzählige haben sie aus 
der Sünde befreit und ihnen von neuem den Him- 
melsfrieden gegeben; zahllosen anderen wiesen 
sie den Weg der christlichen "Vollkommenheit. 
In vielen Herzen weckten sie selbstlosen Apostel- 
geist und begeisterten sie zu großen Taten im 
Gottesreich. In zahlreichen Ordensgemeinden 
haben sie von neuem den ersten Eifer entfacht 
und in Familien und Gemeinwesen Friede und 
Ordnung hergestellt oder gefördert, allüberaU 
neues Leben aufblühen lassend. 

Woher kam den Geistlichen Übungen diese 
überwältigende Kraft und diese unwiderstehliche 
Gewalt über die Menschenherzen, da ihre Sprache 
doch so einfach, schlicht, zuweilen selbst unbe- 
holfen erscheint? Nächst Ggttes Gnade aus der 
strengen Folgerichtigkeit ihres Aufbaues und aus 
ihrer meisterhaften psychologischen Anlage. Die 



16 Einleitung 

jernsten Grundwahrheiten der christlichen Religion 
werden dem Verstand in solcher Klarheit; Kon- 
sequenz und Anpassung an die menschlichen. 
Seelenträfte vorgelegt, daß der Geist sich vor 
ihrer Logik beugt und der Wille sich gefangen 
gibt, nicht gezwungen unter dem Drucke dunkler 
Mächte oder dem Einflüsse fremden Menschen- 
willens, sondern sanft, ruhig und mild in voller 
Freiheit unter dem klaren Lichte der Vernunft 
und dem mächtigen Beistände der göttlichen 
Gnade. 



Die Geistlichen Übungen 

des 

heiligen Ignaiius von Loyola, 



Ignatius v. Loyola, Geistl. Übungen. 2. Aufl. 2 



Änima Christi^. 



Anima Christi, sanctificä 

Corpus Christi, salva me. 
Sanguis Christi, inebria 

me. 

Aqua lateris Christi, lava 

me. 

Passio Christi, conforta 

me. 

O bone Jesu, exaudi me. 

Intrataa vulnera äbscon- 

de me. 
Ne permittas me sepa- 
rari a te. 

Ab hoste malig no de f en- 
de me. 
In hora mortis meae voca 

me. 

Et jube me venire ad te, 

Ut cum sanctis tuis lau- 

dem te 
In saecula saeculorum. 

Amen. 



Seele Christi, heilige mich, 

Leib Christi, erlöse midi. 
Blut Christi, tränke mich, 

Wasser der Seite Christi, 

wasche midi. 
Leiden Christi, stärke 

midi. 
O gütiger Jesus, erhöre 

mich. 
In deine Wunden ver- 
berge mich. 
Von dir laß nimmer 

scheiden mich. 

Vor dem bösen Feind 

beschütze midi. 

In meiner Todesstunde 

rufe mich. 

Und laß zu dir dann 
kommen mich. 
Damit rriit deinen Heili- 
gen dich 
Ich loben möge ewiglich. 

Amen, 



Die geistlichen Übungen'^. 

IHS 

Vorbemerkungen'^, 

Beraerkungen, die einiges Verständnis der hier 

folgenden geistlichen Übungen bieten und sowohl 

dem behilflich sein sollen, der sie zu geben, als 

dem, der sie zu empfangen hat^ 

Bemerkung 1. Unter diesem Namen der 
geistlichen Übungen versteht man jede Art, das 
Gewissen zu erforschen, zu betrachten, zu be- 
schauen, mündlich und geistig zu beten, und 
anderer geistlicher Tätigkeiten^, wie später noch 
gesagt wird. Denn gleichwie Umherwandeln, 
auf ein Ziel Zugehen und. Laufen ^ körperliche 
Übungen sind, so nennt man geistliche Übungen 
jede Art, die Seele, vorzubereiten und in Stand 
zu setzen, damit sie alle ungeordneten Neigungen 
von sich entferne und nach ihrer Entfernung den 
göttlichen Willen suche und finde in der Rege- 
lung des eigenen Lebens zum Heile der Seele. 

* In Kursivlettern sind solche Wörter und 
Satzteile gedruckt, die vom Übersetzer zum Ver- 
ständnis des deutschen Textes als notwendige 
Ergänzungen zugefügt wurden. 

.2* 



20 Vorbernerkungen 

2. Derjenige, der einem anderen Art und An- 
ordnung für das Betrachten oder Beschauen vor- 
legt, soll getreu die der Beschauung oder Be- 
trachtung zugrunde liegende geschichtliche Tat- 
sache erzählen, während er nur die Punkte kurz und 
der Hauptsache nach durchgeht; denn nimmt der 
Beschauende die wahre Grundlage der Geschichte^ 
hin, tiberdenkt und zieht er seine Schlüsse selber 
und findet er dabei etwas, was den Sinn der 
Geschichte auch nur ein wenig mehr aufhellt 
oder kosten läßt, sei dies nun infolge der eige- 
nen Vernunfttätigkeit oder deshalb, weil der Ver- 
stand durch göttliche Kraft erleuchtet wird, so 
gewährt das mehr Genuß und geistliche Frucht, 
als wenn der Exerzitienmeister den Sinn der Ge- 
schichte viel erklärt und weit ausgeführt hätte; 
denn nicht das Vielwissen sättigt die Seele und 
leistet ihr Genüge, sondern das innere Fühlen 
und Verkosten der Dinge. 

3. Da wir in allen nachfolgenden geistlichen 
Übungen den Verstand beim Nachdenken und 
den Willen bei den Gemütsbewegungen betätigen, 
so müssen wir beachten, daß bei den Betätigungen 
des Willens, w^enn wir mündlich oder geistig mit 
Gott unserem Herrn oder mit seinen Heiligen 
sprechen, größere Ehrfurcht von unserer Seite 
erfordert wird, als wenn wir unseren Verstand 
zum Einsehen gebrauchen. 

4. Es werden zwar für die folgenden Übun- 
gen vier Wochen angesetzt, die den vier Teilen 
entsprechen sollen, in die die Übungen sich 



Vorbemerkungen 21 

scheiden, nämlicli dem ersten Teil, der in der 
Erwägung und Betrachtung über die Sünden be- 
steht, dem zweiten, d. h. dem Leben Christi 
unseres Herrn bis zum Palmsonntag einschlielä- 
lich, dem dritten oder dem Leiden Christi unseres 
Herrn, dem vierten oc^er der Auferstehung und 
Himmelfahrt mit Anschluß dreier. Gebets weisen. 
Dennoch ist damit nicht gemeint^ jede Woche 
müsse notwendig sieben oder acht Tage um- 
fassen. Denn da es vorkommt, daß in der ersten 
Woche einige langsamer das erlangen, was sie 
suchen, nämlich Zerknirschung, Eeueschmerz, 
Tränen ^ über ihre Sünden, da ferner einige eifriger 
sind als andere und auch mehr von den verschie- 
denen Geistern bewegt oder geprüft werden, so 
ist es notwendig, daß die Woche bisweilen ab- 
gekürzt, bisweilen aber verlängert werde. Das- 
selbe gilt auch für alle übrigen folgenden Wochen, 
indem man alles einzurichten sucht nach den 
Forder.ungeu der vorliegeinden Verhältnisse^. Je- 
doch soll man die Übungen in beiläufig dreißig 
Tagen beenden. 

5. Für den Exerzitanden ist es von großem 
Nutzen, in die Übungen mit Großmut und 
Freigebigkeit gegen seinen Schöpfer und Herrn 
einzutreten und all sein Wollen und seine Frei- 
heit ihm darzubringen, damit die göttliche Ma,jestät 
sowohl über seine Person als über alles, was er 
besitzt, nach ihrem heiligsten Willen verfüge. 

6. Wenn der Exerzitienleiter gewahrt, daß in 
der Seele des Exerzitanden keinerlei geistige 



22 Vorbemerkungen 

Bewegungen, wie z.B. Tröstungen öder Trost- 
losigkeiten, entstehen und daß er auch nicht 
durch verschiedene Geister erregt wird, so muß 
er ihn betreffs der Übungen eindringlich fragen, 
ob er sie zu den angesetzten Zeiten und wie er 
sie austeile; desgleichen bezüglich der Zusätze, ob 
er sie sorgfältig beobachte; über all diese Dinge 
soll er im einzelnen Auskunft verlangen. 

Von dem Tröste und der Trostlosigkeit wird 
S. 143 gehandelt, von den Zusätzen S. 52. 

7. Wenn der Exerzitienleiter sieht, daß der 
Exerzitand sich in Trostlosigkeit befindet oder 
versucht wird, so benehpae er sich gegen ihn 
nicht hart und rauh, sondern mild und sanft, 
indem er ihm Mut und Kraft für die Zukunft 
einflößt, ihm die Trug werke des Feindes der 
menschlichen Natur aufdeckt und ihm zuredet, 
daß er sich für die künftige Tröstung vorbereite 
und empfänglich mache. 

8. Der Exerzitienleiter kann je nach dem Be- 
dürfnis, das er beim Exerzitanden wahrnimmt — 
handle es sich nun um Trostlosigkeit und die 
Trugwerke des bösen Feindes oder auch um die 
Tröstungen — , demselben die Regeln der ersten 
und zweiten Woche vorlegen ,. die zur Unter- 
scheidung der verschiedenen Geister dienen (s. 
S. 142). . 

9. Es ist folgendes zu beachten: Befindet sich 
der Exerzitand in den Übungen der ersten Woche 
und ist er eine Person, die in geistlichen Dingen 
nicht bewandert ist, und wird er in handgreif- 



Vorbemerkungen 23 

lieber und offener Weise versuciit, z. B. wenn 
der hose Feind ihm Dinge A'orhält, die iiin hin- 
dern sollen, im Dienste Gottes unseres Herrn, 
voranzuscha'eiten, als da sind Mühseligkeiten, Be- 
schämung und Furcht für die weltliche Ehre und 
so fort, so soll der Exerzitienleiter ihm nicht die 
Regeln der zweiten Woche über die verschiede- 
nen Geister vorlegen. Denn so sehr ihm die 
Regeln der ersten Woche nützen können, ebenso 
sehr werden ihm die der zweiten Woche schaden, 
weil ihr Gegenstand zu fein und zu hoch ist, als 
daß er es verstehen könnte. 

10. Wenn der Exerzitienleiter gewahr wird, 
daß der Exerzitand unter dem Scheine des^Guten 
angefochten und versucht wird , dann ist es 
tunlich, ihm über die Regeln der bereits er- 
wähnten zweiten Woche zu reden. Denn ge- 
meiniglich versucht der Feind der menschlichen 
Natur mehr unter dem Scheine des Guten, wenn 
der Mensch sich auf dem Wege der Erleuchtung 
befindet, der den Übungen der zweiten Woche 
■entspricht, aber nicht so sehr auf dem Reini- 
gungswege^, der den Übiingen der ersten Woche 
entspricht. 

11. Für den Exerzitanden ist es in der ersten 
Woche ersprießlich», daß er nichts von dem er- 
fährt, was er in der zweiten Woche zu tun hat, 
sondern daß er sich in der ersten um die Erlan- 
gung dessen, was er sucht, derart bemühe, als ob 
er in der zweiten Woche nichts Gutes mehr zu 
finden hoffte ^o. 



24 Vorbetnerkühgeh ■ 

12. Der Exerzitienmeister soll den Exerzitaii- 
den ernstlich mahnen, er möge, da er in jeder 
der fünf täglichen Übungen oder Beschauungen 
eine Stunde lang ausharren soll, auch immer da- 
für sorgen, daß seine Seele zufrieden bleiben 
könne im Bewußtsein, eine ganze Stunde lang 
bei jener Übung verharrt zu haben und eher 
noch etwas länger als weniger. Denn der böse 
Feind pflegt nicht wenig dahin zu wirken, daß 
die Stunde einer solchen Beschauung, Betrach- 
tung oder eines solchen Gebetes abgekürzt werde. 

13. Desgleichen ist folgendes zu beachten. 
Wie es zur Zeit der Tröstung leicht ist und 
wenig Mühe kostet, eine ganze Stunde in der 
Beschauung auszuharren, so ist es zur Zeit der 
Trostlosigkeit sehr schwierig , sie auszufüllen. 
Deshalb soll der Exerzitand, um gegen die Trost- 
losigkeit anzugehen und die Versuchungen zu über- 
winden, immer ein wenig über die volle Stunde 
aushalten, damit er sich nicht nur daran ge- 
wöhne, dem Feind, zu widerstehen^ sondern auch 
ihn niederzuwerfen. 

14. Wenn der Exerzitienmeister sieht, daß 
der Exerzitand sich im Zustand des Trostes be- 
findet und mit viel Eifer vorangeht, so muß er 
ihn im voraus warnen, daß er kein Versprechen 
und auch nicht unüberlegt und übereilt irgend 
ein Grelübde ablege. Und je mehr er erkennt, 
daß derselbe unbeständigen Charakters sei, desto 
mehr muß er ihn im voraus warnen und mahnen. 
Denn obschon man einen anderen mit Recht zum 



Vorbemerkungen 25 

Eintritt in einen Orden bewegen kann, in dem 
man, wie sich versteht, das Gelübde des Gehor- 
sams, der Armut und der Keuschheit ablegt, und 
obschon ein gutes Werk, das kraft eines Gelübdes 
verrichtet wird, verdienstlicher ist als ein solches, 
das man ohne Gelübde vollbringt, so muß man 
doch sehr auf die eigentümlichen Lebensverhält- 
nisse und die Veranlagung ^^ des Betreffenden 
Rücksicht nehmen und auch darauf, wie viel 
Hilfe oder Hemmung er bei der Erfüllung dessen, 
was er versprechen möchte, finden kann. 

15, Der Exerzitienleiter darf den Exerzitanden 
nicht mehr zur Armut oder zu einem Versprechen 
zu bewegen suchen als zu deren Gegenteil noch 
auch mehr zu einem Stande oder einer Lebens- 
weise als zu einer anderen. Denn obgleich wir 
außerhalb der Übungen erlaubter- und verdienst- 
licherweise alle, die dazu wahrscheinlich befähigt 
sind, bewegen können, die Enthaltsamkeit, die 
Jungfräulichkeit, den Ordensstand und jede Art 
von evangelischer Vollkommenheit zu erwählen, 
so ist es doch während solcher geistlicher Übun- 
gen angemessener und viel besser, daß man 
den göttlichen Willen suche und daß der Schöp- 
fer und Herr selbst sich der ihm ergebenen Seele 
mitteile, sie zu seiner Liebe und zu seinem Lob- 
preise an sich ziehe ^^ und sie auf jenem Wege leite, 
auf dem sie ihm fürderhin besser dienen kann ^ 3. 
Deshalb soll der Exerzitienmeister sich weder 
zur einen noch zur anderen Seite wenden oder 
hinneigenj sondern, einer Wage gleich^*, sich in 



^6 Vorbemerkungen . 

der Mitte halten und den Schöpfer mit dem Ge- 
schöpf und das Geschöpf mit seinem Schöpfer 
und Herrn unmittelbar verkehren lassen. 

16. Dazu, d. h. damit der Schöpfer und Herr 
um so sicherer in seinem Geschöpfe wirke, ist 
es, falls etwa eine solche Seele in ungeordneter 
Weise an einer Sache hängt oder zu ihr hin- 
neigt, sehr angemessen, daß sie mit Aufbietung 
aller Kräfte sich bestrebe, zum Gegenteil dessen, 
wozu sie eine ungeordnete Neigung hat, zu ge- 
langen. Wenn sie z. B. das Verlangen hat, sich um 
ein Amt oder eine kirchliche Pfründe zu bewerben 
oder dieselbe zu behalten — nicht wegen der 
Ehre und Verherrlichung Gottes unseres Herrn 
noch wegen des geistlichen Wohles der Seelen, son- 
dern i^c^^^^icÄ der eigenen Vorteile und zeitlicher 
Interessen willen —, so muß sie das Verlangen 
nach dem Gegenteil in sich zu wecken suchen, 
eifrig dem Gebete und anderen geistlichen Übun- 
gen obliegen und Gott unseren Herrn um das 
Gegenteil bitten, daß sie nämlich nicht ein 
solches Amt oder eine solche Pfründe oder irgend 
ein anderes Gut verlange, es sei denn, seine 
göttliche Majestät regele ihre Begierden und 
wandle ihre erste Neigung derart um, daß der 
Grund, das eine oder andere zu verlangen oder 
zu behalten, einzig der Dienst, die Ehre und die 
Verherrlichung seiner göttlichen Majestät ist. 

17. Zwar soll der Exerzitienleiter nicht be- 
absichtigen, die eigenen Gedanken oder Sün- 
den des Exerzitanden auszuforschen und kennen 



Vorbemerkungen 27 

ZU lernen; wohl aber ist es ersprießlich, daß 
er eine getreue Kenntnis von den mannigfachen 
Regungen und Gedanken erlange, welche die ver- 
schiedenen G-eister jenem eingeben ^^ Denn so 
kann er demselben je nach dessen größerem oder 
geringerem Fortschritt gewisse geistliche Übun- 
gen vorlegen, die dem Bedürfnis einer solchen 
derartig bewegten Seele entsprechen und ange- 
messen sind. 

18. Die. Vorliegenden geistlichen Übungen müs- 
sen sich in ihrer Anwendung nach der Beschaffen- 
heit derer richten, welche sich denselben unter- 
ziehen wollen, d. h. nach ihrem Alter, ihrer Bil- 
dung oder ihren geistigen Anlagen, damit nicht 
einem, der ungebildet ist oder schwache Körper- 
kräfte hat, Dinge vorgelegt werden, die er nicht 
leicht tragen und aus denen er keinen Nutzen ge- 
winnen kann. Desgleichen soll einem jeden je 
nach der Stufe, die er. erreichen will, das vor- 
gelegt werden,' woraus er mehr Nutzen und Fort- 
schritt erlangen kann. 

"Wer deshalb nu?' verlangt, daß man ihm be- 
hilflich sei, sich hinreichend zu unterrichten und 
bis zu einem gewissen Grade der Beruhigung 
seiner Seele zu gelangen, den kann man unter- 
weisen über die besondere (s. S. 32) und dann 
über die allgemeine Gewissenserforschung (s. S. 35), 
und zugleich über die Art und Weise, des Mor- 
gens eine halbe Stunde lang betrachtendes Gebet 
über die zehn Gebote Gottes, die Todsünden usw 
anzustellen (s. S. 109). Man empfehle ihm dabei 



28 Vorbemerkungen 

auch, alle acht Tage seine Sünden zu beichten, 
und, wenn er kann, alle vierzehn Tage oder noch 
besser, falls er sich angeregt fühlt, alle acht 
Tage das hochheilige Sakrament zu empfangen. 
Diese Art eignet sich mehr gegenüber minder 
Gebildeten oder Ungelehrten, wobei man ihnen 
jedes einzelne Gebot erklären soll. Dasselbe ^»7^ 
betreff der Todsünden, der Kirchengebote, des 
Gehrauches der fünf Sinne und der Werke der 
Barmherzigkeit. 

Desgleichen ist es für den Fall, da der Exerzitieu- 
leiter bemerkt, daß der Exerzitand schwächlich 
oder nur geringe natürliche Auffassungsgabe be- 
sitzt und daß deshalb von ihm nicht viele Frucht 
zu erwarten ist, angemessener, ihm nur einige von 
jenen leichteren Übungen vorzulegen, bis er die 
Beichte über seine Sünden ablegt, und ihm dann 
einige Arten der Gewissenserforschung mitzuteilen 
sowie ihn anzuleiten, öfters als er bisher pflegte, 
zur Beichte zu gehen, damit er in dem erreichten 
Guten sich auch erhalte. Man gehe aber nicht 
weiter und trete nicht in das Gebiet der „Wahl" 
ein oder in irgend welche andere Übungen, die 
außerhalb der ersten Woche liegen, und dies 
namentlich, wenn bei anderen ein größerer Fort- 
schritt erzielt werden kann und die Zeit für alles 
nicht ausreicht. 

19. Sollte jemand durch ein öffentliches Amt 
oder durch Berufsgeschäfte in Anspruch genom- 
men sein, so verwende er — möge er wissen- 
schaftliche Bildung haben oder gute Geistesan- 



^ A^orbenierkungen 29 

lagen besitzen — , auf die geistlichen Übungen 
täglich eine und eine halbe Stunde. Ihm soll 
vorerst erklärt werden, wozu der Mensch er- 
schaffen ist, hierauf kann ihm ebenfalls während 
einer halben Stunde die besondere und nachher 
die allgemeine G-ewissenserforschung sowie die 
Art und Weise, eine Beichte abzulegen und das 
hochheilige Sakrament zu empfangen, vorgelegt 
werden. Er soll dann an drei Tagen jeden 
Morgen eine Stunde lang die Betrachtung über 
die „erste, zweite und dritte Sünde" anstellen 
(s. S. 42), dann an drei weiteren Tagen um die- 
selbe Stunde die Betrachtung über die „Reihe 
der eigenen Sünden"/^ (s. S. 47), hierauf an drei 
folgenden Tagen wieder um die gleiche Stunde 
die Betrachtung über die Sündenstrafen (s. S. 50). 
Bei allen drei Betrachtungen teile man ihm die 
zehn Zusätze mit. (s. S. 52.) Hinsichtlich der 
Geheimnisse unseres Herrn Jesus Christus ist die 
nämliche Ordnung zu befolgen, die unten und 
zwar ausführlich bei den betreffenden Übungen 
selbst festgelegt ist. 

20. Wer unbehinderter ist und das Verlangen 
hegt, in allem den größtmöglichen Fortschritt 
zu machen, dem gebe man alle geistlichen Übun- 
gen in derselben Ordnung, in der sie hier folgen. 
Dabei wird er nach dem gewöhnlichen Grang um 
so größere Fortschritte machen, je mehr er sich 
von allen Freunden und Bekannten und von jeder 
irdischen Sorge abgesondert hat, indem er z. B. 
sein bisheriges Wohnhaus verläßt und sich ein 



30 Vorbemerkungen 

anderes Haus oder Zimmer wählt, um daselbst 
so zurückgezogen als möglich zu leben, so daß 
es ihm freisteht, jeden Tag zur Messe und zur 
Vesper zu gehen, ohne befürchten zu müssen^ 
daß seine Bekannten ihm ein Hindernis bereiten. 
Aus dieser Absonderung folgen außer vielen 
anderen drei Hauptvorteile: 

Erstens. Sondert sich jemand ab von vielen 
Freunden und Bekannten und ebenso von vielen 
nicht recht geordneten Geschäften, um Gott un- 
serem Herrn zu dienen und ihn zu loben, so er- 
wirbt er sich ein nicht geringes Verdienst vor 
dessen göttlicher Majestät. 

Zweitens. Indem er infolge solcher Abson- 
derung sein Denken nicht auf viele Dinge verteilt, 
sondern alle Sorge einem einzigen Gegenstand 
zuwendet, nämlich dem Dienste seines Schöpfers 
und dem Fortschritt der eigenen Seele,. benützt er 
seine natürlichen Kräfte in größerer Freiheit, um 
mit Fleiß das zu suchen, was er so sehr verlangt. 

Drittens. Je mehr unsere Seele sich in Ein- 
samkeit und Abgeschlossenheit befindet, desto ge- 
eigneter macht sie sich, um ihrem Schöpfer und 
Herrn zu nahen und ihn zu erreichen, und je mehr 
sie ihn auf diese Weise erreicht, c^es^o besser 
bereitet sie sich vor, um von seiner göttlichen und 
höchsten Güte Gnaden und Gaben zu empfangen. 



Geistliche Übungen 

mit dem Zweck, daß man sich selbst überwinde 
und sein Leben ordne, ohne sich dabei durch irgend 
eine Neigung, die ungeordnet wäre, bestimmen zu 

lassen. 

Vorbemerkung^. 

Damit sowohl der Exerzitienmeister als der 
Exerzitand sich gegenseitig besser helfen und 
fördern, muß vorausgesetzt werden, daß jeder 
gute Christ bereitwilliger sein soll, die Behaup- 
tung des Nebenmenschen im richtigen Sinne zu 
deuten, als sie zu verurteilen. Vermag man sie 
aber nicht zu retten, so frage man, wie er sie 
verstehe, und versteht er sie in üblem Sinne, so 
weise man ihn mit Liebe zurecht. Und reicht dies, 
nicht aus, so wende man alle angemessenen Mittel 
an, auf daß er sie richtig verstehe und gerecht- 
fertigt werde 2. 

Erste Wodi£. 

Grund\vahrheit und Grundlage^. 

D.er Mensch ist geschaffen^ um AÖ-ol^t. unseren 
Herrn zu loben, ihm Ehrfurcht: zu erweisen und 
ihm zu dienen und so sein Seelenheil zu wirken*: 
Die übrigen Dinge auf Erden aber sinid des Men^^ 



32 Erste Woche ' 

sehen wegen erschaffen und damit sie ihm bei 
der Verfolgung des JZieles, für das er geschaffen 
ist, hehilflich seien. Hieraus folgt, daß der Mensch 
dieselben insoweit zu gebrauchen hat, als sie ihm 
zur Erreichung seines Zieles dienen, und daß er 
sich von ihnen insoweit freimachen muß, als sie 
ihn daran hindern. 

Deshalb ist es notwendig, uns gegen alle ge- 
schaffenen Dinge gleichmütig zu stimmen, inso- 
weit es dem eigenen Ermessen unseres freien 
Willens anheimgestellt und nicht verboten ist, 
so daß wir unserseits die Gesundheit nicht mehr 
als die Krankheit wollen, den Reichtum nicht 
mehr siis die Armut, die Ehre nicht mehr Sils 
die Schmach, ein langes Leben nicht mehr als 
ein kurzes und so weiter in allen übrigen Dingen, 
indem wir einzig das verlangen und wählen, 
was uns mehr fördert zum Ziele, für das wir 
geschaffen sind. 

Die besondere und tägliche Gewissens- 
erforschung. 

Sie umfaßt drei Zeitpunkte und eine zweimalige 

Selbstprüfuug, 

Der erste Zeitpunkt. Morgens gleich beim 
Aufstehen soll man den Vorsatz fassen, sich sorg- 
fältig vor der besonderen Sünde oder dem be- 
sonderen Fehler zu hüten, wovon man sich frei- 
machen und bessern will. 



Die besondere Gewissenserforschung 33 

Der zweite Zeitpunkt. Nach dem Mittag- 
tisch^ soll man von Gott unserem Herrn das 
-erbitten, was man erstrebt, nämlich die Gnade, 
sich zu erinnern, wie oft man in die besondere 
Sünde oder den besonderen Fehler gefallen ist, 
und sich in Zukunft zu bessern. Danach stelle 
man die erste Gewissenserforschung an und for- 
dere von seiner Seele Rechenschaft inbezug auf 
die ins Auge gefaßte besondere Untugend, die 
man ablegen und bessern will. Dabei durchgehe 
man die einzelneu Stunden oder Tageszeiten, an- 
gefangen von der Stunde des Aufstehens bis zur 
Stunde und zum Augenblick der gegenwärtigen 
Gewissenserforschung und merke sodann auf der 
-ersten Linie der mit g bezeichneten Zweilinien- 
ügur^ ebenso viele Punkte an, als die Zahl dei* 
Rückfälle in jene besondere Sünde oder jenen 
l)esonderen Fehler beträgt. Hierauf fasse mau 
von neuem den Vorsatz, sich bis zur zweiten 
'Gewissenserforschung, die man anstellen wird, zu 
l)essern. 

Der dritte Zeitpunkt. Nach dem Abendessen 
soll man die zweite Gewissenserforschung an- 
stellen, und zwar auf dieselbe Weise nach den 
einzelnen Stunden, angefangen von der ersten 
'Gewissenserforschung bis zur gegenwärtigen 
zweiten. Dann merke man auf der zweiten 
liinie derselben mit g bezeichneten Zweilinienfigur 
ebenso viele Punkte, als die Zahl der Rückfälle in 
jene besondere Sünde oder jenen besonderen Feh- 
ler beträgt. 

Ignatius v. Loyola. Geistl. Übungen. 2. Aufl. 3 



34 Erste Woche 

V ier Zusätze. 

Es folgen vier Zusätze mit dem Zweck, schnel- 
ler jene besondere Sünde oder jenen besonderen 
Fehler zu beseitigen. 

Zusatz 1. So oft man in jene besondere 
Sünde oder jenen besonderen Fehler fällt, lege 
man die Hand an die Brust und bereue den Fall,, 
was auch in Gegenwart vieler geschehen kann, 
ohne daß sie merken, was man tut. 

2. Da die erste Linie der mit g bezeichneten 
Zweilinienfigur die erste und die zweite Linie 
die zweite G-e Wissenserforschung bezeichnet, sa 
sehe man am Abend, ob von der ersten Linie 
bis zur zweiten, das ist von der ersten Ge- 
wissenserforschung bis zur zweiten, eine Besse- 
rung vorliegt. 

3. Man vergleiche den zweiten Tag mit dem^ 
ersten, das ist die beiden Gewissenserforschungen 
des gegenwärtigen Tages mit den beiden anderen 
Gewissenserforschungen des vergangenen Tages, 
und sehe, ob man sich von einem Tage zum 
anderen gebessert hat. 

4. Man vergleiche eine Woche mit der anderen 
und sehe, ob man sich in der gegenwärtigen 
Woche im Vergleich zur ersten vergangenen 
gebessert hat. 

Es ist zu bemerken, daß das erste große unten 
stehende G der Zweilinienfiguren ^ den Sonntag 
bedeutet, das zweite kleine den Montag, das 
dritte den Dienstag und so fort'''. 



Die allgemeine Gewissenserforschung 35 

G 

g 
g 



Die allgemeine Ge-w^issenserforschung 

mit dem Zweck, sich zu läutern und besser zu 

beichten. 

Ich setze voraus, daß es drei Arten von 
Gedanken in mir gibt, nämlich eine, die ganz 
mein eigen ist und allein aus meinem freien Er- 
messen und Wollen entspringt, und zwei andere, 
die von außen her kommen : die eine , die 
vom guten Geist herrührt, und die andere, die 
vom bösen. 



Will ■ii-ira— !■— «— Jfc— IM— Mag»aB^ai^— «M^— MMMW— o— »Mfta— ^Mw— 



3m 



36 Erste Woche 

Von dem Gedanken. 

Auf zweierlei Art kann man bei einem bösen 
Gedanken, der von außen her kommt, sich Ver- 
dienste erwerben. 

Erste Art. Es kommt z. B. der Gedanke, eine 
Todsünde zu begehen; diesem Gedanken wider- 
stehe ich augenblicklich und er bleibt überwunden. 

Die zweite Art des Verdienstes bietet sich, 
wenn der gleiche böse Gedanke mir kommt und 
ich ihm widerstehe, er aber nochmals und abermals 
zu mir zurückkehrt und ich stetig widerstehe, bis 
endlich jener Gedanke besiegt davon weicht. 
Diese zweite Art ist verdienstlicher als die erste. 

Läßlich sündigt man, wenn derselbe Gedanke, 
eine Todsünde zu begehen, herantritt und der 
Mensch ihm Gehör schenkt, indem er ein klein 
wenig dabei verweilt oder einiges sinnliches 
Wohlgefallen hinnimmt^ oder wonn einige Näch- 
lässigkeit beim Ausschlagen eines derartigen Ge- 
dankens vorhanden ist. 

Schwer sündigt man auf zweierlei Art: Die 
erste tritt ein, wenn man dem bösen Gedanken 
seine Zustimmung erteilt, um dann gemäß dieser 
Zustimmung auch zu handeln oder um ihn aus- 
zuführen, falls man könnte. 

Die zweite Art, schwer zu sündigen, tritt ein, 
wenn jene Sünde im Werke vollbracht wird; 
in diesem Falle ist sie größer aus drei Gründen: 
erstens wegen der längeren Dauer , zweitens 
wegen der stärkeren Willensbetätigung, drittens 
wegen des größeren Schadens beider Personen^. 



I>ie allgemeine Gewissenserforschung BT 

Von dem Worte. 

Man soll nicht schwören weder beim Schöpfer 
noch bei einem Geschöpfe, es sei denn mit Wahr- 
heit, aus Notwendigkeit und mit Ehrfurcht. Eine 
Notwendigkeit ersehe ich, nicht wenn irgend 
welche beliebige Wahrheit unter einem Eide be- 
kräftigt wird, sondern wenn sie von irgend einer 
Bedeutung ist für das Wohlergehen der Seele 
oder des Leibes oder hinsichtlich der zeitlichen 
Güter. Als Ehrfurcht bezeichne ich es, wenn 
man bei Nennung seines Schöpfers und Herrn 
die demselben gebührende Ehre und Achtung er-, 
wägt und diese ihm auch erweist ' ^. 

Dabei ist zu beachten: Obgleich wir bei einem 
vermessenen Eide schwerer sündigen, wenn wir 
beim Schöpfer als wenn wir bei einem Geschöpfe 
schwören, so ist es doch schwieriger, auf ge- 
bührende Weise mit Wahrheit, aus Notwendig- 
keit und mit Ehrfurcht beim Geschöpfe als beim 
Schöpfer zu schwören, und dies aus folgenden 
Gründen: 

Erstens. Wenn wir bei irgend einem Ge- 
schöpfe schwören wollen, so macht uns das Vor- 
haben, das Geschöpf zu nennen, nicht so auf- 
merksam und behutsam, um die Wahrheit zu 
sagen oder um sie im Falle der Notwendigkeit 
zu bekräftigen, als wenn wir beabsichtigen, den 
Herrn und Schöpfer aller Dinge zu nennen. 

Zweitens. Wenn man bei einem Geschöpfe 
schwört, so ist es nicht so leicht, dem Schöpfer 
Ehrfurcht und Ehrerbietung zu erweisen, als wenn 



38 Erste Woche 

man beim Schöpfer und Herrn selbst schwört und 
ihn nennt. Denn schon das Vorhaben , Gott 
unseren Herrn zu nennen, bringt eine größere 
Ehrerbietung und Ehrfurcht mit sich, als das 
Vorhaben, das Geschaffene zu nennen. Deshalb ist 
es den Vollkommenen eher erlaubt, bei einem 
Geschöpfe zu schwören als den Unvollkommenen. 
Denn die Vollkommenen pflegen vermöge der 
beständigen Betrachtung und Erleuchtung des 
Geistes mehr zu erwägen, zu überdenken und zu 
betrachten, daß Gott unser Herr seinem eigenen 
Wesen, seiner Gegenwart und seiner Macht nach 
in jedem Geschöpfe ist. Und daher sind sie, 
wenn sie beim Geschöpfe schwören, eher als die 
Unvollkommenen geeignet und vorbereitet, ihrem 
Schöpfer und Herrn Ehrerbietung und Ehrfurcht 
zu erweisen. 

Drittens. Im Falle eines ständigen Schwörens 
beim Geschöpfe ist Abgötterei bei den Unvoll- 
kommenen eher zu befürchten als bei den Voll- 
kommenen. 

Man soll kein müßiges Wort reden''. Darunter 
verstehe ich ein Wort, das weder mir noch einem 
anderen nützt und auch nicht einer solchen Ab- 
sicht untergeordnet ist. Wenn daher jemand über 
Dinge redet, die Nutzen bringen, oder wenn die 
Absicht herrscht, der eigenen oder einer fremden 
Seele oder auch dem Leibe oder den zeitlichen 
Gütern zu nützen, so ist das Wort niemals müßig. 



a vgl Matth l?, 36. 



Die allgemeine Gewissenserforschung 39 

auch dann nicht, wenn jemand von Dingen redet, 
die nicht zu seinem Stande gehören, z. B. wenn 
<ein Ordensmann von Krieg oder von Handelsge- 
schäften spricht. Vielmehr liegt in jeder Eede, 
die geführt wird, ein Verdienst, wenn sie auf 
einen guten Zweck hingeordnet ist, hingegen eine 
Sünde, wenn sie einen schlechten Zweck verfolgt 
oder eitel geführt wird. 

Man darf nichts sagen, was den guten Ruf 
eines anderen schädigt oder was ihn ins Gerede 
bringt. Denn wenn ich eine Todsünde aufdecke, 
<iie nicht öffentlich ist, so begehe ich eine schwere 
Sünde; wenn a5er eine läßliche Sünde, so eine 
läßliche Sünde, und wenn ich einen Fehler offen- 
bare, so bekunde ich dadurch den eigenen Fehler. 
•Ist hingegen die Absicht gut, so kann man auf 
zweierlei Weise von der Sünde oder dem Fehler 
des Nächsten reden: 

Erstens, wenn, die Sünde öffentlich ist, wie 
z. B. bei einer öffentlichen Buhlerin, und über 
ein Urteil, das vom Gerichte ausgesprochen wird, 
oder von einem allgemein bekannten Irrtum, der 
auf die Seelen, mit denen man verkehrt, an- 
steckend wirkt. 

Zweitens, wenn man die verborgene Sünde 
-einem offenbart, damit er dem, der sich in der 
Sünde befindet, behilflich sei, um ihn wieder auf- 
zurichten, vorausgesetzt jedoch, daß man einiger- 
maßen vermuten oder mit guten Gründen an- 
nehmen kann, jener werde auch imstande sein, 
ihm zu helfen. 



40 Erste Woche 

Von dem Werke. 

Man stelle sich vor Augen die zehn Grebote 
GoUes, die Vorschriften der Kirche und die An- 
ordnungen der Obern. Was immer man gegen 
eine von diesen drei Klassen ins Werk setzte 
ist eine Sünde, größer oder geringer, je nach 
der größeren oder geringeren Wichtigkeit. Unter 
Anordnungen der Obern verstehe ich z. B. die 
Kreuzzugsbullen ^^ und andere päpstliche Gna- 
denerlasse, wie die zur Erlangung des Friedens ^^ 
nach Empfang des heiligen Büß- und Altars- 
sakramentes gewährten. Denn nicht wenig sün- 
digt man, wenn man Ursache wird, daß etwas 
gegen die so frommen Anordnungen und Auf- 
forderungen unserer Obern geschieht^ oder wenn 
man selbst dagegen handelt. 

Art und W^eise, die allgemeine Gewissens- 
erforschung anzustellen. 

Sie umfaßt fünf Punkte. 

Punkt 1. Man sage Gott unserem Herrn Dank 
für die erhaltenen Wohltaten. 

2. Man bitte um die Gnade, die Sünden zu 
erkennen und sich von ihnen freizumachen. 

3. Man fordere Rechenschaft von seiner Seele, 
indem man von der Stunde des Aufstehens an 
bis zur gegenwärtigen Gewissenserforschung die 
einzelnen Stunden oder Tageszeiten durchgeht 
und zwar erst in bezug auf die Gedanken, 
dann in betreff der Worte und hierauf in bezug 



Die Generalbeichte 41 

auf die Werke in der gleichen Ordnung, wie es 
bei der besonderen Gewissenserforschung dar- 
gelegt wurde. 

4. Man bitte Gott unseren Herrn um Ver- 
zeihung wegen der Fehltritte. 

5. Man fasse den Vorsatz, sich mit seiner Gnade 
zu bessern. Vaterunser. 

Die Generalbeichte und die heilige 
Kommunion. 

Aus der Generalbeichte ergeben sich für den^ 
der sie freiwillig ablegen will, unter vielen ande- 
ren besonders drei Vorteile zu dieser Zeit der 
geistlichen Übungen. 

Erstens. Obschon derjenige, der jedes Jahr 
beichtet, nicht zur Ablegung einer Generalbeichte 
verpflichtet ist, so hat er doch, falls er sie ab- 
legt, mehr Gewinn und Verdienst wegen des 
größeren Reueschmerzes, den er dabei über alle 
Sünden und Verkehrtheiten seines ganzen Lebens 
bekundet. 

Zweitens. Da bei solchen geistlichen Übun- 
gen die Sünden und deren Bosheit mehr ihrer 
innersten Natur nach erkannt werden, als zu der 
Zeit, wo man sich nicht so sehr mit den Ange- 
legenheiten seines Innern beschäftigte, und da 
man jetzt mehr Kenntnis von ihnen und mehr 
Reueschmerz über sie erlangt, so wird einem 
auch mehr Nutzen und Verdienst zuteil, als man 
sonst gehabt hätte. 



42 Erste Woche 

Drittens. Infolge der besseren Beicht und 
Seelenverfassung ist maii auch würdiger und 
besser vorbereitet zum Empfang des heiligsten 
Sakramentes, dessen Grenuß nicht nur Stärke ver- 
leiht, um nicht wieder in die Sünde zu fallen, 
sondern auch, um sich im Zuwachs der Gnade zu 
erhalten. 

Diese Generalbeichte wird am besten unmittelbar 
nach den Übungen der ersten Woche abgelegt. 



Erste Übung'^^. 

Sie besteht in eineic Betrachtung über die erste, 
zweite und dritte Sünde unter Anwendung der 
drei Seelenkräfte**; sie enthält nach einem Vor- 
bereitungsgebet und zwei Vorübungen drei Haupt- 
punkte und ein Zwiegespräch. 

Vorbereitungsgebet : Ich erbitte von Gott unse- 
rem Herrn die Gnade, daß alle meine Absichten, 
Handlungen und Betätigungen^^ rein auf den Dienst 
und das Lob seiner göttlichen Majestät hin geord- 
net seien. 

Vorübung 1. Sie besteht in einer anschau- 
lichen Vorstellung des Ortes. Hier ist zu be- 
merken^ daß bei einer Beschauung oder Betrach- 
tung über einen, sichtbaren Gegenstandj wie 
z. B. bei einer Betrachtung über Christus unseren 
Herrn, der anschaubar ist, diese Vorstellung darin 
besteht, daß ich mit den Augen der Einbildungs- 
kraft den körperlichen Ort sehe, wo der zu be- 
trachtende Gegenstand sich befindet. Ich nenne 



Betrachtung üter die dreifache Sünde 43 

körperlichen Ort z. B. den Tempel oder den Berg, 
wo Jesus Christus oder U. L. Frau sich befindet, 
je nach dem Stoff, den ich betrachten will. 

Bei der Betrachtung über einen unsichtbaren 
Stoff, wie z. B. hier über die Sünden, besteht die 
Vorstellung des Ortes darin, daß ich mit den 
Augen der Einbildungskraft schaue und betrachte, 
wie meine Seele in diesem verweslichen Körper 
^eingekerkert* ist und der ganze Mensch in diesem 
Erdentale wie ein Verbannter unter unvernünfti- 
gen Tieren ^ lebt ; ich meine den ganzen Men- 
schen^ wie er zusammengesetzt ist aus Leib und 
Seele. 

2. Ich erbitte von Gott unserem Herrn, was 
ich wünsche und begehre. ^ ^ Die Bitte soll dem 
vorliegenden Gegenstand entsprechen. Handelt 
also die Betrachtung von der Auferstehung, 
so muß ich um Freude mit dem sich freuenden 
Christus bitten; handelt sie vom Leiden, so muß 
ich um Schmerz, Tränen und Pein mit dem 
von Feinen erfüllten Christus bitten. Hier in 
dieser Betrachtung muß ich bitten um tiefste 
Beschämung ^^ meiner selbst, da ich sehe, wie 
viele wegen einer einzigen Todsünde verdammt 
sind und wie oft ich verdient habe, wegen meiner 
so vielen Sünden für immer verdammt zu werden.. 

Allen Beschauungen oder Betrachtungen muß 
stets das Vorbereitungsgebet vorangehen, das nie 



^ vgl Ps 141, 8; Rom 7, 24. — ^ vgl Ps 31, 9; 
48, 13. 



44 Erste Woche 

geändert wird, und die beiden bereits erwäbuten 
Vorübungen, die zuweilen je nach dem vorlie- 
genden Gegenstand geändert werden. 

Punkt 1. Ich soll das Gedächtnis auf die- 
erste Sünde, die Sünde der Engel'', hinwenden 
und dann den Verstand, indem ich darüber nach- 
denke, und hierauf den Willen, indem ich mir 
das Ganze in die Erinnerung zu rufen und zu 
verstehen suche, damit ich durch den Vergleich 
dieser einen Sünde der Engel mit meinen so zahl- 
reichen Sünden um so mehr mit tiefster Beschä- 
mung erfüllt werde: wenn nämlich jene wegen 
einer einzigen Sünde in die Hölle kamen, wie 
häufig habe dann ich wegen so vieler dasselbe 
verdient ! Ich sage, man soll sich die Sünde der 
Engel vor das Gedächtnis führen: wie diese, da 
sie in der Gnade erschaffen waren, sich ihrer 
Freiheit nicht zu ihrem Heile bedienen wollten, 
um nämlich ihrem Schöpfer und Herrn, Ehrfurcht 
und Gehorsam zu erweisen, sondern wie sie in 
Hochmut gerieten, aus der Gnade in Bosheit ver- 
kehrt und vom Himmel in die Hölle hinabge- 
schleudert wurden*'. Und auf gleiche Weise soll 
man hierauf dasselbe mehr im einzelnen mit dem 
Verstände überdenken und danach mit dem Willen 
mehr im einzelnen die Anmutungen erwecken. 

2. Man tue das gleiche in bezug auf die Sünde 
Adams und Evas, d. h. man wende die drei 

a vgl Joh 8,44; 2 Petr 2, 4: 1 Joh 3, 8. — ^ vgl 
Matth 25, 41; Jud 6; vgl auch Luk 10,18; Offb 
12, 7—9. 



Betrachtung über die dreifache Sünde 4-^ 

Seelenkräfte darauf an, indem man sieh ins Ge- 
dächtnis ruft, wie sie wegen dieser Sünde solange 
2]eit Buße getan haben und welch großes Verderben 
dadurch über das Menschengeschlecht gekommen 
ist, indem so viele Menschen zur Hölle wandern. 

Ich sage, man solle die zweite Sünde, die 
unserer Stammeltern, sich vors Gedächtnis führen : 
wie nämlich -— nachdem Adam auf dem Gefilde 
von Damaskus ^^ erschaffen'*' und in das irdische 
Paradies gesetzt^ und Eva aus seiner Rippe ge- 
l}ildet war'' — beide gegen das Verbot, von 
dem Baume der Erkenntnis zu essen "^j dennoch 
davon aßen^ und auf diese Weise sündigten', 
wie sfe dann mit Gewändern aus Tierfellen be- 
kleidet und aus dem Paradiese verstoßen^ ihr 
ganzes Leben ohne die ursprüngliche Gerechtig- 
keit ^^, die sie verloren hatten, unter vielen Müh- 
salen und in vieler Buße^ zubrachten. Hierauf 
durchgehe man dasselbe TQ.it dem Verstände mehr 
im einzelnen und wende dabei seine Willens- 
kräfte 2^ an, wie vorhin dargelegt wurde. 

3. Man tue das gleiche auf die nämliche Weise 
in bezug auf die dritte besondere Sünde irgend 
^ines Menschen, der wegen einer einzigen Tod- 
sünde in die Hölle kam, während y\^\q andere 
ohne Zahl wegen weniger Sünden, als ich begangen 

* vgl Gen 1, 26-27; 2, 7; Tob 8, 8; Sir 17, 1; 
33, 10. — b vgl Gen 2, 8. 15. — c vgl Gen 2, 20—23; 
1 Kor 11, 8. — <! vgl Gen 2, 17; 3, 2—3. — e vgl 
Gen 2, 6. — f vgl Gen 2, 16—17. — s vgl Gen 8, 
21—24. — ^ vgl Gen .% 16—19. 



46 Erste Woche 

habe, verdammt wurden. Ich sage, man solle 
dasselbe tmi iii bezug auf die dritte, die beson- 
dere Sünde, indem man die Schwere und Bosheit 
der Sünde gegen seinen Schöpfer und Herrn sich 
ins Gedächtnis ruft, dann mit dem Verstände 
erwägt, wie ein solcher^ da er gegen die un- 
endliche Güte sündigte und handelte'^^, gerechter 
Weise auf immer verdammt wurde. Dann schließe 
man mit Willensakten, wie oben bemerkt wurde. 

Zwiegespräch: Ich stelle mir Christus unseren 
Herrn gegenwärtig und am Kreuze hängend vor 
und beginne dann ein Zwiegespräch: wie er als 
Schöpfer dazu kam, sich zum Menschen zu machen 
und vom ewigen Leben zum zeitlichen Tode her- 
nieder zusteigen midi so für meine Sünden zu 
sterben. Ebenso soll ich dann den Blick auf 
mich selbst richten und mich fragen^ was ich 
für Christus getan habe, was ich für Christus 
tue, w^as ich für Christus tun soll. Und indem 
ich ihn so zugerichtet und so an das Kreuz 
geheftet sehe, will ich in jenen Gedanken und 
Anmutung en^ die sich dari3ieten, mich ergehen. 

Beim Zwiegespräch redet man so recht eigent- 
lich, wie ein Freund zum anderen spricht oder 
wie ein Diener zu seinem Herrn, indem man bald 
um irgend eine Gnade bittet, bald sich wegen 
einer begangenen Schuld anklagt, bald seine An- 
liegen mitteilt und in denselben Rat erfleht. Und 
man bete ein Vaterunser. 



Betrachtung über die eigenen Sünden 47 

Zweite Übung. 

Betrachtung über die eigenen Sünden. 

Sie enthält nach dem Vorbereitungsgebet und zwei 

Vorübungen fünf Punkte und ein Zwiegespräch. 

Das Vorbereitungsgebet sei dasselbe wie immer, 

Vorübung 1. Sie besteht^ ans derselben Vor- 
stellung wie in der ersten Übung ^ 

2. Ich bitte um das, was ich begehre; hier soll 
ich Gott um einen gewaltigen und heftigen Schmerz 
und um Reuetränen über meine Sünden bitten. 

Punkt 1. Die Reihe meiner Sünden ^2. ich 
rufe mir nämlich alle Sünden W2e^^es Lebens ins 
Gedächtnis und überschaue dabei Jähr für Jahr 
und Zeitabschnitt für Zeitabschnitt. Hierzu ist 
dreierlei behilflich: erstens, daiä ich den Ort 
und das Haus betrachte, wo ich gewohnt, zwei- 
tens den Verkehr, den ich mit anderen gepflogen ^ 
drittens die Stellung, in der ich gelebt habe. 

2. Ich wäge die Schwere meiner Sünden ab^ 
indem ich die Häßlichkeit und Bosheit betrachte^ 
die jede begangene Todsünde in sich schließt^ 
auch wenn sie nicht verboten wäre. 

3. Ich betrachte, wer ich bin, indem ich mich 
mit Hilfe von Beispielen immer kleiner zu machen 
suche: erstens erwäge ich , wie gering ich bin im 
Vergleich mit allen Menschen, zweitens, was die 
Menschen sind im Vergleich mit allen Engeln 
und Heiligen des Paradieses; drittens betrachte 
ich, was alles Geschaffene ist im Vergleich mit 
Gott; was kann ich dann allein noch sein? vier- 
tens betrachte ich alle Verderbnis und Haß- 



48 Erste Woche 

lichkeit meines Leibes; fünftens sehe ich mich 
an als eine eiternde Wunde und ein Geschwür, 
woraus so viele Sünden und so viele Schlechtig- 
keiten und ein so überaus häßliches Gift hervör- 
;gebrochen sind. 

4. Ich betrachte, wer Gott ist, gegen den ich 
^gesündigt habe, nach seinen Eigenschaften, indem 
ich diese mit ihren Gegensätzen in mir vergleiche: 
seine Weisheit mit meiner Unwissenheit, seine 
Allmacht mit meiner Schwachheit, seine Gerech- 
tigkeit mit meiner Ungerechtigkeit, seine Güte 
mit meiner Bosheit. 

Punkt 5 ist ein staunender Ausruf, verbunden 
mit steigender Gemütserregung, indem ich alle 
Oeschöpfe durchgehe, wie sie mir das Leben 
ließen und mich darin erhalten haben: die Engel, 
wie sie das Schwert der göttlichen Gerechtig- 
keit* sind und wie sie mich doch ertrugen und 
1}ehüteten und für mich beteten; die Heiligen, 
wie sie bedacht waren, für mich Fürsprache ein- 
zulegen und für mich zu bitten; die Himmel, 
Sonne, Mond, Sterne und die Elemente, Früchte, 
Vögel, Fische und die übrigen Tiere wie sie 
mir dienten, und die Erde'' wie sie sich nicht 
geöffnet hat, um mich zu verschlingen und nicht 
neue Höllen schuf, um mich für immer darin 
zu peinigen. 

Man schließe mit einem Zwiegespräch der 

a vgl Gen 3, 24; 2 Makk 3, 25-27; Luk 1, 20 i 
Offb 14, 18-19 16, 1—21 usw. — b vgl Weish 5 
18—24. 



Wiederholung der 1.. und 2. Sündenbetrachtung 49 

Barmlierzigkeit, wobei icli mich aussprechet^ uud 
Gott unserem Herrn Dank sage, daß er mir bis 
zur heutigen Stünde das Leben geschenkt hat, 
und wohei ich für die Zukunft mit seiner Crnade 
mir Besserung vornehme. Vaterunser. 

* * 

Dritte Übung. 

Sie besteht in einer Wiederholung der ersten und 
zweiten Übung, wobei drei Zwiegespräche ge- 
halten Werden. 

Nach dem Vorbereitungsgebet und ^ den zwei 
Vorübungen ist die erste und zweite Übung zu 
wiederholen, indem ich besonders bei den Punkten 
acht habe und verweile, bei denen ich größeren 
5rost oder größere Trostlosigkeit oder auch mehr 
geistliche Anregung empfunden habe. 

Hierauf werde ich drei Zwiegespräche^^ in fol- 
gender Weise anstellen: . - 

das erste Zwiegespräch mit ,U..L. Frau, auf 
daß sie mir von ihrem Sohne und Herrn Gnade 
zu drei Pingen erlange: erstens, daß ich eine tief 
innerliche Erkenntnis meiner Sünden und einen 
Abscheu davor in mir währnehme, zweitens, daß 
ich der Unordnung meiner Händlungen innewerde, 
damit ich dieselbe verabscheuend mich bessere und 
mein Leben neu ordne, drittens soll ich um Erkennt- 
nis der Welt bitten, auf daß ich mit ALbschea 
das Weltliche und Eitle von mir eiitferne*'^^.- Hier- 
a^uf ein Ave Maria. ^ 

Das zweite Zwiegespräch halte ich auf gleiche 
Weise mit A^m. göttlichen Söhne, damit er mir 

Ignatius v. Loyola. Geistl. Übungen. 2. Aufl. 4 



50 Erste Woche 

dasselbe vom Vater erwirke. Danacli das Anima 
Christi. 

Das dritte Zwiegespräch stelle ich auf gleiche 
Weise mit dem Vater an, auf daß er selbst, 
der ewige Herr, mir dies gewähre. Darauf ein 
Vaterunser. 

Vierte Übung. 

Sie besteht in einer Zusammenfassung der vorigen 

dritten Übung '^^. 

Ich sagte „in einer Zusammenfassung", damit 
der Verstand dabei ohne Abschweifung sich stän- 
dig an das erinnert und^ das überdenkt, was er 
in den Vorausgehenden .Übungen betrachtet hat. 
Dann soll man dieselben drei Zwiegespräche an- 
stellen wie vorhin. 

Fünfte Übung. 
Betrachtung über die Hölle *^. 

Sie enthält nach dem Vorbereitungsgebet und zwei 
Vorübungen fünf Punkte und ein Zwiegespräch. 

Das Vorbereitungsgebet sei das gewöhnliche. 

Vorübung 1. Sie besteht in einer Vorstel- 
lung des Ortes; hier soll ich mit den Augen der 
Einbildungskraft die Länge, Breite und Tiefe der 
Hölle schauen. 

2. Ich bitte um das, was ich begehre ; hier soll 
ich um ein tiefgehendes Gefühl der Strafe bitten, 
welche die Verdammten erleiden, auf daß, wenn 
ich /e wegen meiner Fehler ^^ der Liebe meines 



Betrachtung über die Hölle 51 

ewigen Herrn vergessen sollte, doch wenigstens 
die Furcht vor den Strafen mir dazu verhelfe , 
nicht in eine Sünde zu fallen. 

Punkt 1. Ich schaue mit den Augen der 
Einbildungskraft jene gewaltigen Feuergluten^ 
und die Seelen wie in breiinenden Leibern ein- 
geschlossen^^ 

2. Ich höre mit den Ohren Weinen, Geheul, 
Geschrei*', Lästerungen gegen Christus unseren 
Herrn und gegen alle Heiligen^. 

3. Ich rieche mit dem Geruchsinn Rauch*", 
Schwefel V Unrat und faulende Dinge. 

4. Ich koste mit dem Geschmacksinn bittere 
Dinge, wie Tränen, Traurigkeit^ und den Wurm 
des Gewissens*". 

5. Ich fühle mit dem Tastsinn, wie nämlich 
die Feuergluten die Seelen erfassen und brennen^^. 

Indem ich ein Zwiegespräch mit Christus un- 
serem Herrn anstelle, soll ich mir die Seelen vors 
Gedächtnis führen, die in der Hölle sind: die 
einen, weil sie nicht an seine Ankunft glaubten, 
die anderen, weil sie, obschon gläubig, nicht nach 
seinen Geboten handelten, wobei ich drei Klassen 
unterscheide : die erste vor der Ankunft des 



a vgl Judith 16, 21; Ts 66, 24; Matth 25, 41 usw. 
— t) vgl 2 Petr 2, 4; Jud 6. — c vgl Matth 8, 32; 
13, 42; 22, 13; 25, 30. — d vgl Offb 13, 6. — »vgl 
OfifblijH; £s34, 10. — f vgl Offb 19, 20; Is 34,9; 
Ps 10, 7. — 8r vgl Lufc 6, 25; 16, 23— 24; Job 10, 
21—22; Jak 4, 9 usw. — ii vgl Mark 9, 43-- 45 ; 
Is 66, 24 usw. 

4* 



52 Erste «Woche 

Herrn/ Mq zweite während seines irdischen 
Lebens, diö dritte nach seinem Leben in dieser 
Welt. Zugleich soll ich ihm Dank sagen, daß 
er meinem Leben nicht ein Ende setzte nnd mich 
nicht in eine dieser Klassen fallen ließ ; ebenso 
dafür, daß er mir bis auf diese Stunde stets eine 
so große Milde und Barmherzigkeit widerfahren 
ließ; dann schließe ich mit einem Vaterunser ^^. 

' Bemerkung, Die erste Übung soll um Mitter- 
nacht stattfinden; die zweite morgens gleich nach 
dem Aufstehen, die dritte vor oder nach der hei- 
ligen Messe, jedenfalls vor dem Mittagessen, die 
vierte um die Zeit der Vesper, die fünfte eine 
Stunde vor dem Abendtisch. Diese Stundenein- 
teilung soll nach meiner Meinung stets mehr oder 
weniger für alle vier Wochen bleiben, je nachdem 
das Alter, der Gesundheitszustand, die Körper- 
beschaffenheit dem Exefzitanden es ratsam er- 
scheinen lassen, fünf oder auch weniger Übungen 
zu verrichten. 

Zusätze, 

um die Übungen besser zu verrichten und um 
besser das zu finden, w^as man begehrt^ '. 

'. Zusatz 1.. Nach dem Schlafengehen soll ich. 
wenn ich bereits einschlummern will, während 
de^" Dauer . eines Ave Maria darüber rnachdenken^ 
zii vi^elcher Stunde und , wozu ich -aufstehen muß, 
wobei ich die Übung, die ich zu verrichten habcy 
kurz durchgehe. •; 



Zusätze 5? 

2. Wenn ich erwache, soll ich weder diesen 
noch jenen Gedanken Zutritt gestatten, sondern 
gleich meine Aufmerksamkeit auf das lenken, 
was ich in der ersten Übung um Mitternacht 
betrachten werde, indem ich mich zur Beschä- 
mung über meine so zahlreichen Sünden anrege 
und mir dieserhalb verschiedene Bilder vorhalte, 
z. B. wie wenn ein Eitter vor seinem König und 
dessen ganzem Hofstaat dastehen müßte, von 
Scham und Bestürzung ergriffen, weil er den, von 
dem er früher so viele (juaden und so viele Gunst- 
bezeugungen empfangen, schwer beleidigt hat. 
Ebenso soZ? ich bei der zweiten Übung verfahren, 
indem ich mich als großen Sünder und einen mit 
Ketten Beladenen ansehe, d. h. mir vorstelle, Bis 
gehe ich mit Fesseln beladen einher, um vor dem 
höchsten ewigen Richter zu erscheinen ; dabei 
führe ich mir als Beispiel vor, wie die einge- 
kerkerten und mit Ketten gefesselten, bereits 
todeswürdigen Yerhrecher vor ihrem irdischen 
Richter erscheinen. Unter solchen und anderen 
ähnlichen, dem jeweiligen Gegenstand entspre- 
chenden Gedanken will ich mich ankleiden. 

3. Ein öder zwei Schritte vor dem Platze, wo 
ich die Beschauung oder die Betrachtung ver- 
richten werde, will ich während der Dauer eines 
Vaterunsers stehen bleiben und, denGeist nach oben 
gerichtet, mir vorstellen, wie Gott unser Herr auf 
mich herabschaut usw, und dann will ich einen Akt 
der Ehrfurcht oder der Verdemütigung erwecken. 

4. Hierauf 'h^gum^i ich die Betrachtung, sei 



54 Erste Woche 

es knieend oder zur Erde hingeworfen oder, das 
G-esicht nach oben, auf dem Eücken liegend oder 
sitzend oder stehend, immer mit der Absicht, das 
zu suchen, was. ich wUnsohe. Dabei sollen wir 
auf zweierlei achten: erstens, wenn ich knieend 
das finde, was ich begehre, soll ich nicht eine 
andere Lage aufsuchen, desgleichen nicht, wenn 
ich, auf dem Boden ausgestreckt, da8 Gewünschte 
finde, und so fort. Zweitens, bei dem Punkte, bei 
dem ich das finden sollte, was ich wünsche, 
werde ich ruhig verweilen — ohne ängstlich zu 
besorgen, ich müsse weiter gehen — , bis ich 
mir Genüge getan habe. 

5. Ist die Übung beendet, so soll ich eine 
Viertelstunde lang sitzend öder auf- und: abgehend 
darüber nachdenken, wie es mir in der Beschau- 
ung oder der Betrachtung gegangen hat. Und 
wenn schlecht, so werde ich nach der Ursache for- 
schen, woher das kommt, und habe ich sie er- 
kannt, so will ich Reue erwecken, auf daß ich 
mich in Zukunft bessere. Wenn aber gut, so 
werde ich Gott unserem Herrn Dank sagen und 
es das andere Mal ebenso machen. 

6. Ich will nicht an Dinge denken, die Wohl- 
gefallen und Freude erregen, wie an die Herr- 
lichkeit des Simmelsy die Auferstehung und der- 
gleichen ; denn für inneres Leid, Schmerz und 
Reueträneu über unsere Sünden ist jedweder Ge- 
danke der Freude und der Fröhlichkeit hinderlich. 
Ich muß vielmehr im Auge behalten, daß ich 
Reueschmerz und Leid empfinden will, und daher 



Zusätze 55 

werde ich eher den Tod, das Gericht mir ins 
Gedächtnis rufen. 

7. Ich soll mich zum selben Zwecke, jeder 
Lichthelle berauben, indem ich für die Zeit, wo 
ich mich im Zimmer aufhalte, die Fenster und 
Türen schließe, ausgenommen, um Brevier zu 
beten, zu lesen und zu speisen. 

8. Ich soll nicht lachen und auch nichts sagen, 
was zum Lachen reizt. 

9. Ich soll meine Augen im Zaume halten, um 
niemand anzublicken, nuÜQT wenn ich eine Per- 
son empfange oder verabschiede, mit der ich zu 
sprechen habe.. 

Zusatz 10 betrifft die Buße, die in eine innere 
und eine äußere eingeteilt wird. Die innere ber 
steht darin, daß man über seine Sünden Schmerz 
empfindet mit dem festen Vorsatz, dieselben nicht 
wieder und auch keine anderen mehr zu begehen. 
Die äußere aber, eine Frucht der ersteren, be- 
steht in einer Züchtigung wegen der begangenen 
Sünden und wird vorzugsweise auf dreierlei Art 
vorgenommen: 

Die erste betrifft die Nahrung. Wenn wir 
hierbei uns das Überflüssige entziehen, so ist 
dies keine Buße, sondern Mäßigkeit. Buße ist 
es, wenn wir etwas vom Zukömmlichen weg- 
nehmen und je mehr und mehr, desto größer 
und besser ist sie, sofern nur dadurch die Na- 
tur keinen Schaden leidet und keine erhebliche" 
Schwäche folgt. 



56 Erste Woche 

; Die zweite betrifft die Weise des Schlafens; 
Auch hier ist es noch keine Buße, wenn man 
sich das überflüssige an Verzärtelndem oder 
Weichlichem entzieht. Buße ist es vielmehr, wenn 
man bezüglich der Art und Weise des Schlafens 
sich etwas vom Zukömmlichen entzieht und ie 
mehr und mehr, desto besser, wofern nur die 
Natur keinen Schaden leidet und keine erheb- 
liche Schwäche folgt. Auch soll man sich nichts 
vom gebührenden Maße des Schlafes entziehen, 
wenn man nicht gerade die fehlerhafte Gewohn- 
heit hat, zu viel zu schlafen, damit man so zum 
richtigen Mittelmaß kommt. 

Die dritte besteht in der Kasteiung des Flei- 
sches, indem man ihm nämlich einen empfindlichen 
Schmerz bereitet; diesen bringt man ihm bei, in- 
dem man Bußhemde oder Stricke oder eiserne Gür- 
tel am Leibe trägt und wenn man sich geißelt oder 
verwundet und andere Arten von Strengheiten übt. 

Die zuträglichste und sicherste dieser Art 
von Buße scheint aber darin zu bestehen, daß 
der Schmerz im Fleische gefühlt werde und nicht 
in das Gebein eindringe, so daß er wehe tut, 
aber keine Schwäche verursacht. Darum dünkt 
es angemessener, sich mit dünnen Stricken zu 
geißeln, die außen Schmerz bereiten, als auf an- 
dere Weise;, die iniierlich eine erhebliche Schwäche 
veranlaßt. 

Bemerkung 1. Die äußeren Bußübungen wer- 
den hauptsächlich zu einem dreifachen Zwecke 
verrichtet: erstens zur Genugtuung für die 



Zusätze 57 

früliereii Sünden, zweitens, um sich selbst zu 
überwinden, damit nämlich die Sinnlichkeit der 
Vernunft: gehorche und alle niederen Teile den 
höheren . mehr unterworfen seien, drittens, um 
irgend eine Gnade oder eine Gabe, die man er- 
wünscht und ersehnt, zu suchen und zu erhalten^ 
wie z, B. wenn man wünscht, eine innerliche 
Reue über ßeine Sünden ?:u empfinden oder die 
Gnade reichlicher Tränen über sie oder über die 
Peinen und Schmerzen, die Christus unser Herr 
während seines Leidens erduldete, oder um die 
Lösung irgend eines Zweifels, in dem man sich 
befindet, zu erlangen. 

2. Es ist zu bemerken, daß der erste und 
zweite Zusatz für die Übungen um Mitternacht 
und am frühen Morgen anzuwenden sind, nicht 
aber für jene, welche zu anderen Zeiten statt- 
haben. Der vierte Zusatz soll nie in der Kirche 
in Gegenwart von anderen Anwendung finden, 
sondern nur im Verborgenen wie zu Hause usw. 

3. Wenn der Exerzitand noch nicht das findet, 
was er begehrt, wie z. B. Tränen, Tröstungen 
und so weiter, so ist es häufig von Nutzen, be- 
züglich des Essens, des Schlafens und der an- 
deren Gelegenheiten zu Bußübungen eine Verände- 
rung vorzunehmen, derart, daß wir abwech- 
selnd zwei pder drei Tage Büß werke verrichten 
und dann zwei oder drei andere Tage lang nicht; 
denn für einige ist es gut, mehr Bußwerke zu ver- 
richten, und für andere weniger; auch unterlassen 
wir vielmals die Bußübungen infolge einer sinn- 



58 Erste Woche 

liciien Eigenliebe und infolge der irrigen Ansieht, 
die menschliclie Natur könne sie ohne eine erheb- 
liche Schwächung nicht aushalten, und dann wieder 
verrichten wir im Gegenteil zu viel Buße, in der 
Meinung, der Körper könne solches aushalten. Da 
Gott unser Herr unsere Natur unendlich besser 
kennt, so gibt er häufig bei der gleichem Wechsel 
jedem einzelnen zu erkennen, was ihm frommt. 
4. Die besondere Gewissenserforschung stelle 
man darüber an, daß man die Fehler und Nach- 
lässigkeiten inbezug auf die Übungen und Zusätze 
wegräumt; ebenso in der zweiten, dritten und vier- 
ten Woche. 



Zweite Woche. 

Einleitung^, 

Betrachtung vom Reiche Christi. 

Der Aufruf eines irdischen Königs, der dazu dient, 
um das Leben des ewigen Königs zu betrachten. 

Das Vorbereitungsgebet sei das gewöhnliche. 

Vorübung 1. Sie besteht in einer anschau- 
lichen Vorstellung des Ortes; hier soll ich mit 
den Augen der Einbildungskraft schauen die Syna- 
gogen, die Städte und Flecken, die Christus unser 
Herr predigend, durchzog*. 

2. Ich bitte um die Gnade, die ich begehre. 
Hier soll ich unseren Herrn um die Gnade an- 
flehen, daß ich nicht taub sei für seinen Ruf, 
sondern bereit und beflissen, seinen heiligsten 
Willen zu erfüllen. 

Erster Teil 

Punkt 1. Ich stelle mir einen irdischen König 
vor Augen, von Gott unserem Herrn selbst aus- 
erwählt, dem alle Fürsten und alle Christen Ehr- 
furcht und Gehorsam erweisen. 

2. Ich habe acht, wie dieser König alle die 
Seinigen anredet und also spricht: „Mein Wille 
ist es, das ganze Land der Ungläubigen zu unter - 



a vgl :Matth 9, 35; 10, 11; 21, 2; Joh 7, 42; 11, 
1 usw. 



60 Zweite Woche 

werfen. Wer deshalb mit mir ziehen will, muß 
mit derselben Speise zufrieden sein, wie ich, und 
ebenso mit demselben Trank und mit derselben 
Kleidung usw. Ebenso muß er gleich mir bei 
Tag sich anstrengen und bei Nacht wachen 
und so fort, damit er so später mit mir am 
Siege Ajiteil habe 2, wie er an den Muhen Anteil 
hatte." 

3. Ich erwäge, was die. guten Untertanen einem 
so edelmütigen und so leutseligen König ant- 
worten müssen; und folglich auch, wie sehr je- 
mand, der die Aufforderung eines solchen Königs 
nicht annehmen sollte, verdienen würde, von der 
ganzen Welt getadelt und als schlechter Soldat ^ 
angesehen zu werden. 

Zweiter Teil. 

Der zweite Teil dieser Übung besteht in der 
Anwendung des vorhin erwähnten Gleichnisses 
vom irdischen König auf Christus unseren Herrn 
gemäß den drei angeführten Punkten. 

Punkt 1. Wenn wir schon eine derartige 
Aufforderung des irdischen Königs an seine Unter- 
tanen für beachtenswert ansehen, um wie viel 
mehr ist es dann der Betrachtung würdig, Christus 
unseren Herrn, den ewigen König'', zu sehen und 
vor ihm die gesamte Welt, wie er diese ins- 



: a vgl 2 Kön 7, 12—13, 16; Ps 2, 6-12; 88, 28— 
38; Mark 16, 19; Joh 18, 36—37 usw. 



Betrachtung vom Reiche Christi 61 

gesamt und jeden einzelnen im besonderen be- 
ruft und spricht: „Mein Wille ist es, die ganze 
Welt/" und alle Feinde'' zu unterwerfen und so 
in die Herrlichkeit meines Vaters^ einzugehen. 
Wer deshalb mit mir kommen will, muß mit 
mir sich abmühen ^ , damit er , wie er mir 
in der Mühsal folgte, so auch in der Herrlichkeit 
folge''/' 

2. Ich erwäge, wie alle, die Urteil und Ver: 
nunft haben, sich gänzlich zu jenen Mühen an- 
bieten werden. 

; 3. Jene, die von Verlangen beseelt sind, eine 
noch größere Hingabe zu bekunden und sich in 
jeglichem Dienste ihres ewigen Königs und aller- 
höchsten Herrn auszuzeichnen, werden nicht nur 
sich ganz zu jenen Mühen anbieten, sondern auch 
gegen ihre eigene Sinnlichkeit und gegen ihre 
Liebe zum Fleisch und zur Welt* angehen und 
so Anerbieten von höherem Werte und größerem 
Gewicht ^ darbringen, indem sie sprechen : 

„Ewiger Herr aller Dinge, ich bringe mich 
selbst zum Opfer dar mit deiner Gunst und Hilfe, 



avgl Ps 21, 28—29; Dan 7, 13—14; Matth 28, 
18—20; Mark 16, 15— 16. - b vgl Ps 109, 1—2. 5—6. 
— c vglLuk 24, 26 — d vgl Matth 10, 24^25. 38: 
16, 24; Mark 8, 31; Luk 6, 40; 9, 23; 14, 27; Joh \^, 
15; 15, 20 usw. — e vgl Matth 16, 27; Luk 22, 28 
bis 30; Rom 2, 6; 8, 17 usw. — f vgl Luk 18, 28—30; 
Apg 4, 34—37; 1 Kor 7, 32— 38; Phil 3, 7— SVusw. 



62 Zweite Woche 

vor deiner unendlichen Güte und in Gegenwart 
deiner glorreiclien Mutter und aller Heiligen des 
hiramlisclien Hofes und beteure, daß ich wünsche 
und danach verlange und daß es mein wohl- 
überlegter Entschluß ist, wofern es nur zu deinem 
größeren Dienste und Loh gereicht, dich nach- 
zuahmen in Ertragung jeglicher Unbilden, jeg- 
licher Schmach und jeglicher Armut, der wirk- 
lichen sowohl wie der geistlichen, wenn deine 
heiligste Majestät mich zu solchem Leben und 
Stande erwählen und aufnehmen will." 

Diese Übung finde zweimal am Tage statt, 
nämlich morgens nach dem Aufstehen und eine 
Stunde vor dem Mittag- oder vor dem Abend- 
essen. 

Für die zweite Woche und die folgenden ist 
es sehr förderlich, zuweilen aus den Büchern der 
Nachfolge Christi oder der Evangelien und der 
Leben der Heiligen zu lesen. 

Erster Tag. 
Erste Beschauung^ 

Die Menschwerdung. 

Dieselbe enthält das Vorbereitungsgebet, drei Vor- 
übungen und drei Punkte sowie ein Zwiegespräch. 

Das Vorbereitungsgebet wie gewöhnlich. 

Vorübung 1. Ich führe mir die Geschichte 
dfts Vnro-ano'es vor. den ich betrachten soll, d. h. 



Die Menschwerdung 63 

hier: wie die drei göttliehen Personen die ganze 
Fläche oder den ganzen Umkreis der gesamten 
Welt voll von Menschen sehen nnd wie sie 
in ihrer Ewigkeit beim Anblick, daß alle zu 
Hölle hinabsteigen ^, den Beschluß fassen, daß 
die zweite Person Mensch werde, um das Men- 
schengeschlecht zu erlösen, und wie sie, als die 
Fülle der Zeiten kam^, den heiligen Engel Gab- 
riel zu U. L. Frau .senden** (siehe unten S. 116). 

2. Anschauliche Vorstellung des Ortes; hier 
soll ich schauen den weiten Raum und Umkreis 
der Welt, wo so viele und so verschiedene Völ- 
ker wohnen, desgleichen weiter im besonderen 
das Haus und die Gemächer U. L. Frau in der 
Stadt Nazareth in der Landschaft Galiläa. 

3. Ich bitte um das, was ich begehre; hier 
soll ich flehen um eine tiefinnerliche Erkenntnis 
des Herrn, der für mich Mensch geworden ist, 
auf daß ich immer mehr ihn liebe und ihm nach- 
folge. 

Es verdient hier bemerkt zu werden, daß das 
gleiche Vorbereitungsgebet ohne Änderung, wie 
es schon zu Anfang bemerkt wurde, und auch die- 
selben drei Vorübungen in dieser Woche und 
den übrigen nachfolgenden zu verrichten sind; 
jedoch mit Veränderung ihrer Form nach dem vor- 
liegenden Stoff. 

Punkt 1. Ich schaiie auf die Personen^, die 
einen und die anderen, und zwar zuerst jene, 

a Gal 4, 4. — f vgl Luk 1, 26 -38. 



64: Zweite Woche ' 

die auf dem Angesicht der Erde leben in so 
großer Verschiedenheit hinsichtlich dier Trachten 
und hinsichtlich des Benehmens: die einen weiß 
und die anderen schwarz, die einen im Frieden und 
die anderen im Kriege, die einen weinend und die 
anderen lachend, die einen gesund, die anderen 
krank, die einen, wie sie geboren werden, und die 
anderen, wie sie sterben, und sofort. 

Zweitens. Ich sehe und -betrachte die drei 
göttlichen Personen gleichsam auf ihrem Königs- 
stuhl oder dem Throne der göttlichen Majestät, 
wie sie die ganze Oberfläche und den ganzen 
Umkreis der Erde überschauen und alle Völker 
in so großer Blindheit leben und dahinsterben 
und zur Hölle hinabfahren sehen. 

Drittens. Ich schaue. U. L. Frau und den 
Engel, der sie grüßt, und denke darüber nach, 
um aus diesem Anblick Nutzen zu ziehen- 

2. Ich höre, was die Personen auf der Erd- 
oberfläche sprechen, wie sie nämlich miteinander 
reden, wie sie schwören und lästern und so 
weiter; ebenso, was die göttlichen Personen 
sagen: „Laßt uns die Erlösung des menschlichen 
Oeschlechtes ins Werk setzen", und ; s.o. weiter; 
ferner, was der Engel und U. L. Frau sprechen, 
X)arüber soll ich dann nachsinnen, um aus den 
Worten all dieser Personen Frucht zu gewinnen. 

3. Hierauf betrachte ich, was die Personen 
-auf der Oberfläche der Erde tun, wie , sie sich 
nämlich schlagen, töten, zur Hölle fahren und 
so weiter ; ebenso, . was die drei göttlichen Per- 



Die Geburt des Herrn 65 

soneü tun, uämlicli die heiligste Menschwerdung 
ausführen und so weiter; und desgleichen, was 
der Engel und U. L. Frau tun, indem nämlich 
der Engel sein Amt als Gesandter ausübt und 
U.L.Frau sich verdemütigt und der göttlichen 
Majestät Dank sagt. Und dann sinne ich darüber 
nach, um aus allem dem irgend einen Gewinn 
zu ziehen. 

Zum Schluß ist ein Zwiegespräch anzustellen, 
wobei ich überlege, was ich zu den drei gött- 
lichen Personen oder zum fleischgewordenen ewir 
gen Wort oder zur Mutter und U. L. Frau 
sagen soll. Und dann bitte man, je nachdem 
man sich gedrungen fühlt, um Gnade zur besse- 
ren Nachfolge und Nachahmung unseres Herrn, 
der soeben Mensch geworden. Dann bete man 
«in Vaterunser. 

Zweite Beschauung. 
Die Geburt des Herrn. 

Das Vorbereitungsgebet wie gewöhnlich. 

Vorübung 1. Sie bietet den geschichtlichen 
Vorgang% und zwar hier: wie U. L. Frau im 
neunten Monate ihrer Schwangerschaft, auf einer 
Eselin sitzend, wie man sich frommer Weise vor- 
stellen kann, und Joseph und eine Magd, ein 
Rind mit sich führend ^, von Nazareth auszogen, 
um nach Bethlehem zu reisen zur Entrichtung 



a vgl Luk 2, 1—14; Matth,!, M--25. 

Tgnatius v, Loyola. Geistl. Übungen. 2. Aufl. 5 



66 Zweite Woche 

der Abgabe, die der Kaiser allen jenen Ländern 
auferlegt hatte (s. unten S. 117). 

2. Anschauliche Vorstellung des Ortes; hier 
soll ich mit den Augen der Einbildungskraft den 
Weg von Nazareth nach Bethlehem sehen, und 
dabei die Länge und Breite betrachten, und ob 
dieser Weg eben ist oder ob er über Täler oder 
Höhen geht. Desgleichen soll ich den Ort oder 
die Höhle der Geburt^ schauen, wie groß, wie 
klein, wie niedrig, wie hoch und wie sie einge- 
richtet war. • 

Vorübung 3 ist die nämliche und von gleicher 
Art, wie in der vorhergehenden Beschauung. 

Punkt 1. Ich schaue die Personen, ich er- 
blicke also U.L.Frau und Joseph und die Magd 
sowie das Jesuskind, nachdem es geboren ist,, 
und dabei sehe ich mich als kleinen armen Men- 
schen und unwürdigen Diener an, indem ich auf 
sie schaue, sie betrachte und ihnen bei ihrer 
Hilfsbedürftigkeit Dienste leiste, gleich als wäre 
ich zugegen, mit aller möglichen Ehrerbietung 
und Ehrfurcht; und dann richte ich die Gedanken 
auf mich selbst, um irgend einen Nutzen daraus 
zu ziehen. 

2. Ich schaue, beachte und betrachte, was (i«> 
Personen reden, und indem ich das Augenmerk 
auf mich selbst lenke, suche ich irgend eine 
Frucht daraus zu gewinnen. 

3. Ich schaue und betrachte, was sie tun,. 
Z..B. wie sie die Eeise machen und Mühen auf 
sich nehmen^ damit, der Herr in größter Armut 



Wiederholungen 67 

geboren werde und nach so vielen Mühsalen, 
nach Hunger und Durst, nach Hitze und Kälte, 
nach Unbilden und Schmähungen am Kreuze 
sterbe und alles das um meinetwillen. Dänii soll 
ich darüber nachdenken und irgend einen geist- 
lichen Nutzen daraus ziehen. 

Man schließe mit einem Zwiegespräch, wie in 
der vorhergehenden Beschauung, und mit einem 
Vaterunser. 

Dritte Beschauung. 
Sie soll eine Wiederholung der ersten und zweiten 

Übung sein. 

Nach dem Vorbereitungsgebet und den drei 
Vorübungen soll eine Wiederholung der ersten 
und zweiten Übung stattfinden, wobei man 
immer einige vorzüglichere Teile, bei denen man 
irgend eine besondere Erleuchtung, Tröstung oder 
Trostlosigkeit gefunden hat, vor allem beachtet. 
Ebenso soll man am Schluß ein Zwiegespräch 
halten und ein Vaterunser beten. 

Bei dieser Wiederholung und bei allen folgen- 
den wird dieselbe Ordnung des Verfahrens ein- 
gehalten, die bei den Wiederholungen der ersten 
Woche beobachtet wurde, so daß zwar der G^egen- 
stand geändert, die Form aber beibehalten wird. 

Vierte Beschauung. 

Sie soll in einer Wiederholung der ersten und 
zweiten Beschauung bestehen und zwar in der- 
selben Weise, wie -es bei der oben genannten 
nV^iederholung geschah. 

5* 



Zweite Woehe/ 

Fünfte Beschauuiig. 

Sie soll in der Anwendung der fünf Sinne *** auf 
die erste und zweite Beschauung bestehen. 

Nach dem Vorbereitungsgehet und den drei 
Vorübungen ist es von Nutzen, die fünf Sinne 
der Einbildungskraft auf die erste und zweite 
Beschauung in folgender Weise anzuwenden. 

Punkt 1. Man schaue die Personen mit den 
Augen der Einbildungskraft, wobei man alle Um- 
stände derselben im besonderen betrachtet und 
überdenkt, und man suche aus dem Anblick irgend 
einen Giewinn zu ziehen. 

2. Man vernehme mit dem Gehör, was die 
Personen reden oder reden können, lenke dann 
die Gedanken auf sich selbst und suche irgend 
einen Nutzen daraus zu gewinnen. 

3. Man rieche und koste mit dem Geruchsinn 
und dem Geschmacksinn die unendliche Süßig^ 
keit und Lieblichkeit der Gottheit, der Seele und 
ihrer Tugenden und der übrigen Dinge je nach 
der Beschaffenheit der Person, die man betrach- 
tet; dann kehre man in sich, selbst ein und suche 
irgend einen Gewinn «?arö^t*s zu ziehen. 

4. Man berühre mit dem Taistsinn, z. B. man 
umfange und küsse die Plätze, yvo solche Per- 
sonen ihren Fuß hinsetzen und wo sie ruhen, 
und dabei bemühe man sich immer eihen Nutzen 
daraus zu ziehen. 

Man schließe mit einem Zwiegespräch, wie in 



Bemerkungen f^9 

der ersten und zweiten Beschauung, und mit 
einem Vaterunser. 

Bemerkungen, 

Bemerkung 1. • Für diese ganze Woche und 
die übrigen folgenden ist zu beachten, daß ich 
nur das Geheimnis der Betrachtung lesen solL 
die ich unmittelbar anstellen werde, so daß ich 
dann kein Geheimnis lese, das ich an jenem Tage 
öder zu jener Stunde nicht zu betrachten habe^ 
damit nicht die Erwägung eines Geheimnisses- 
äuf die Erwägung des anderen störend einwirke. 

2. Die erste Übung über die Menschwerdung 
Soll um Mitternacht vorgenommen werden, die 
zweite früh am Morgen, die dritte um die Zeit 
der heiligen Messe, die vierte zur Stunde der 
Vesper, die fünfte vor der Zeit des Abendtisches, 
und zwar so, daß man in jeder von diesen fünf 
©bungen während der Dauer einer Stunde ver- 
weilt. Diie nämliche Ordnung soll bei allen fol- 
genden beobachtet werden. 

'" 3. Für den Fall, daß der Exerzitand schon 
bejahrt oder schwach ist oder, wiewohl an sich 
stark, doch von der ersten Woche her etwas 
geschwächt blieb, ist zu beachten, daß es besser 
ist, Wenn er in dieser zweiten Woche, wenigstens 
einige Male, nicht um Mitternacht aufsteht, son- 
dern eine Beschauung in der Frühe anstellt^ die 
zweite zur Zeit der heiligen Messe, eine andere 
^öx dem Mittagstisch und dann über dieselben 
zur Stunde der Vesper eine Wiederholung und 



70 Zweite Woche 

später vor dem Abendtisch die Anwendung der 
Sinne vornimmt. 

4. In dieser zweiten Woche müssen von den 
sämtlichen zehn Zusätzen, die in der ersten 
A¥oche angeführt wurden, der zweite, der sechste, 
der siebente und zum Teil der zehnte geändert 
werden. 

Beim zweiten ändere man so : Sobald ich 
erwache, soll ich mir gleich die Beschauung vor 
Augen führen, die ich anzustellen habe, und da- 
bei das Verlangen hegen, das menschgewordene 
ewige Wort mehr zu erkennen, damit ich ihm 
besser diene und nachfolge. 

Der sechste wird lauten: Ich soll mir häufig 
das Leben und die Geheimnisse Christi unseres 
Herrn ins Gedächtnis rufen, von seiner Mensch- 
werdung an bis zu dem Abschnitt oder dem Ge- 
heimnis, bei. dessen Betrachtung ich verweile. 

Der siebente soll sein: Der Exerzitand muß 
insoweit Sorge tragen, Dunkelheit oder Helle zu- 
zulassen und die angenehmen oder widrigen 
Witterüngsverhältnisse zu benützen, als er merken 
sollte, daß solches ihm nützen und behilflich sein 
kann, um das zu finden, was er anstrebt. 

Was den zehnten Zusatz betrifft, so soll der 
Exerzitand sein Verhalten einrichten je nach den 
Geheimnissen, die er betrachtet; denn einige 
heischen Bußübungen, andere hingegen nicht. 

So sollen alle zehn Zusätze mit viel Umsicht 
beoba,chtet werden. . 

Bemerkung 5. Bei allen Übungen, ausgie- 



Zweiter Tag — - Bemerkungen 71 

nommen die um Mitternacht und die am frülien 
Morgen, soll man den zweiten Zusatz durch einen 
gleichwertigen rauf folgende Weise ersetzen. So- 
bald ich mich erinnere, daß die Stunde für die 
Übung, die ich anzustellen habe, gekommen ist, 
will ich mir, ehe ich zu derselben hinzutrete, 
vor Augen stellen, wohin ich mich begebe, und 
vor wem ich erscheine , und dabei will ich die 
Übung, die ich vorzunehmen habe, kurz zusam- 
menfassen. Dann werde ich den dritten Zusatz 
beobachten und in die Übung eintreten. 

Zweiter Tag. 

Für die erste und zweite Beschauung nehme 
man die Darstellung im Tempel^ (s. unten S. 119) 
und die Flucht nach Ägypten^' wie in ein Land 
der Verbannung (s. unten S. 119). Über diese 
beiden Beschauungen sollen dann zwei Wieder- 
holungen und ebenso eine Anwendung der fünf 
Sinne auf sie in der gleichen Weise stattfinden, 
wie es am vorhergehenden Tage geschah. 

Zuweilen ist es zweckdienlich, selbst dann, wenn 
der Exerzitand kräftig und bereitwillig ist, von 
diesem zweiten Tage an bis zum vierten ein- 
schließlich einiges zu ändern, um besser das zu 
ünden, was man anstrebt, indem man nämlich 
nur eine Betrachtung am frühen Morgen anstellt, 
dann die zweite zur Zeit der heiligen Messe, 
hierauf eine Wiederholung über dieselben um die 



a vgl Luk 2, 22— 38. — ^ vgl Matth 2, 13—23. 



72 Zweite Woche 

Stunde der Vesper und vor dem Abendessen eine 
Anwendung der Sinne. 

Dritter Tag. 

Man betrachte, wie der Jesusknabe seinen 
Eltern in Nazareth Untertan war ^ (s. unten S. 120) 
und wie sie ihn dann im Tempel fanden (s. unten 
S. 121) ^^. Und hieraufstelle man entsprechend die 
beiden Wiederholungen an und nehme die An- 
weMung der fünf Sinne vor. 

Einfahrung zur Erwägung über die verschie- 

denen St&iiäe, 

Wir haben bereits das Beispiel betrachtet, das 
Christus unser Herr uns für . den ersten Stand 
gab, der in Beobachtung der Gebote besteht, in- 
dem er seinen Eltern gehorsam war, und ebenso 
das für den zweiten Stand yäev in der evange- 
lischen Vollkommenheit besteht, als er im Tem- 
pel zuruckblieb und seinen Näbrväter und seine 
leibliche Mutter verließ, um rein nur dem: Dienste 
seines ewigen Vaters obzuliegen. Nunmehr wol- 
len wir im Anschluß an die Betrachtung seines 
Lebens damit beginnen, nachzuforschen und um 
Erleuchtung hitten, in welchem Lebensberuf oder 
Stande seine göttliche Ma,jestät sich unser be- 
dienen will. 

Und deshalb werden wir zu einiger Einfübrungr 
hierzu in der folgenden ersten Übung ; die Ab- 



a;vgl Luk 2, 39—40. 51^52. 



Betrachtung über zwei Fahnen 73^ 

sieht Christi unseres Herrn betrachten und auf 
der entgegengesetzten Seite die Absicht diQS Fein- 
des der menschlichen Natur und dabei zusehen^ 
wie wir uns vorbereiten müssen, um in jedem 
Stande oder Lebensberuf, den Gott unser Herr 
uns wählen läßt, zur Vollkommenheit zu, ge- 



Vierter Tag. 
Betraclituiig über zwei IFahnen: 

die eine Christi des obersten Heerführers und 
unseres Herrn, die andere Luzifers, des Tod- 
feindes unserer menschlichen Natur.. 

Das Vorbereitun^sgebet wie gewöhnlich. 

Vorübung 1 . Sie bietet den geschichtlichen 
Vorgang, hier: wie Christus alle unter seine Fahne 
ruft und sammeln will und Luzifer dagegen unter 
die seinige. 

2. Anschauliche Vorstellung des Ortes; hier 
schaue man eine Ebene der gesamten Gegend 
von Jerusalem, wo als höchster, einziger Ober- 
feldherr der Guten Christus unser Herr steht; 
eine andere Ebene aber in der Gegend von Ba- 
bylon, wo als Haupt der Feinde Luzifer auftritt. 

3. Ich bitte um das, was ich begehre, und 
zwar werde ich hier bitten um Erkenntnis der 
Trugwerke des bösen Anführers und um . Hilfe ,^^ 
damit ich mich davor bewahre,: sowie um Er- 
kenntnis des wahren Lebens*, das der höchste 



a vgl Joh 14, 6. 



74 Zweite Woche 

und wahre Heerführer^ zeigt, und um die Gi;iäde, 
ihn nachzuahmen. 

Erster Teil. 
Die Fahne Luzifers, 

Punkt 1. Ich stelle mir vor, ich. sähe den 
Anführer aller Feinde in jener großen Ebene 
von Babylon gleichsam auf einem hohen Stuhle 
von Feuer und Kauch sitzen^ in schrecken- 
erregender und furchtbarer Gestalt. 

2. Man betrachte, wie er unzählige böse Gei- 
ster zusammenruft und wie er sie aussprengt, 
die einen in diese Stadt und 4ie anderen in eine 
andere und so über die ganze Welt hin, ohne 
irgend ein Land, einen Stand oder irgend einen 
Menschen im einzelnen zu übergehen. 

3. Man betrachte die Ansprache, die er an sie 
hält, und wie er sie auffordert, Netze und Ket- 
ten*^ auszuwerfen, und zwar sollen sie die Men- 
schen zuerst versuchen durch die Begierde nach 
Reichtümern, wie er es seihst }}Qi den meisten 
^u tun pflegt, auf dalä sie desto leichter zur 
eitlen Ehre der Welt und dann zu einem unbän- 
digen Hochmut gelangen. 

Demnach ergeben sich als erste Stufe die 
Eeichtümer, als zweite die Ehre, als dritte der 
Hochmut und von diesen drei Stufen aus verführt 
Luzifer zu allen übrigen Lastern. 



a vgl Matth 2, 6; Mark 8, 34; Luk 9, 23; 1 Petr 
2, 21. — b vgl Is 14, 13. — c vgl 1 Tim 3, 7; 6, M. 



Betrachtung über zwei Fahnen ' 75. 

Zweiter Teil. 
Die Fahne Christi. 

In ähnlicher Weise soll man sich auf der ent- 
gegengesetzten Seite den höchsten und wahren 
Heerführer vorstellen, der da ist Christus unser 
Herr. 

Punkt 1. Man betrachte, wie Christus unser 
Herr auf einer großen Ebene jener Umgegend 
von Jerusalem an einem einfachem Platze Stel- 
lung nimmt, schön und liebenswürdig'". 

2. Man betrachte, wie der Herr der ganzen 
Welt so viele Personen auserwählt, Apostel, Jün- 
ger und so weiter, und sie über die. ganze Welt 
hin entsendet'', auf daß sie den ySamen seiner 
heiligen Lehre unter den Menschen aller Stände 
und in allen Lebenslagen ausstreuen.'^ 

3. Man betrachte die Ansprache, die Christus 
unser Herr an alle seine Diener und Freunde 
hält, die er zu solchem Unternehmen aussendet: 
wie er ihnen empfiehlt, sie möchten allen zu 
helfen suchen, indem sie dieselben zuerst zur 
größten geistlichen Armut "^ bewegen, und, wenn 
seine göttliche Majestät sich darin gefiele, und 
sie dazu auserwählen wollte, nicht minder auch 
zur wirklichen Armut""; zweitens zum Verlangen 



a vgl Ps 44, 3. — b vgl Mark Ib, 3 5; Matth 28, 
19; Apg 1, 8. — c vgl Matth 13, 4 ff; Mark 4, 3 
ff usw. — d vgl Matth 5, 3; Luk 6, 2ö. — «vgl 
Matth 19, 21— i^9; Mark 10, 21-30; Luk 18, 22—30. 



76 Zweite Woche 

nach Schmähungen und Verachtung^, weil aus 
diesen beiden Dingen, der Armut und Verach- 
tung ^ die Demut hervorgeht. 

Es gibt demnach drei Stufen , erstens die Armut 
gegen den Reichtum, zweitens Schmach und Ver- 
achtung gegen die weltliche Ehre, drittens die 
Demut gegen den Hochmut; und von diesen drei 
Stufen aus sollen die Gesandten Christi die Men- 
schen zu allen übrigen Tugenden anleiten. 

Dann stelle ich ein Zwiegespräch an mit U. 
L. Frau, damit sie mir von ihrem Sohne und 
Herrn die Gnade erlange, unter sein Banner auf- 
genommen zu werden, und zwar zuerst in der 
größten geistlichen Armut und, wenn seine göttliche 
Majestät sich darin gefiele und mich dazu auser- 
wählen und aufnehmen wollte, nicht minder auch 
in wirklicher Armut, zweitens im Ertragen von 
Schmähungen und Unbilden, um ihn hierin mehr 
nachzuahmen, wofern ich nur das erdulden kann 
ohne irgend eines Menschen Sünde und ohne 
Mißfallen seiner göttlichen Majestät; hierauf ein 
Ave Maria. 

Dasselbe erbitte ich vom Sohne, damit er eS; 
mir vom Vater erlange ; darauf bete ich ein 
Anima Christi. 

Und dasselbe erbitte ich auch vom Vater, daß< 
er selbst es mir gewähre; dann bete ich ein 
Vaterunser. 



»vgl Matth 5, 10-a2;.10, 24-25; 11,29; I.uk 6^; 
22^29. 40; 9, 23; Gal 6, 14 usw. 



Betrachtung über drei Menschenpaare 77 

Diese Übung soll um Mitternacht und dann 
ein zweites Mal;^ am frühen Morgen vorgenom- 
men werden. Über denselben Stoff sollen auch 
zwei Wiederhol angen stattfinden, zur Zeit der 
heiligen Messe und um die Stunde der Vesper; 
den Schlui^ bilden immer die drei Zwiegespräche 
mit U. L. Frau, mit dem Sohne und mit dem 
Vater. Die folgende Übung über die Menschen- 
paare halte TUBii eine Stunde vor dem Abend- 
essen. 

Betrachtung über drei Menschenpaare^^, 

Am selben vierten Tag findet die Betrach- 
tung über drei Menschenpaare statt, damit man 
das Beste erwähle. 

Das Vorbereitungsgebet wie gewöhnlich. 

Vorübung 1. Sie bietet den geschichtlichen 
Gegenstand : es sind drei Menschenpaare, von 
denen jedes zehntausend Dukaten erworben hat, 
doch nicht rein und, wie es sollte, aus Liebe zu 
Oott; und sie alle wollen sich retten und in 
Frieden Gott unseren Herrn finden und daher 
die Last und das Hindernis von sich schütteln., 
die sie im Streben nach diesem Ziel in der An- 
hänglichkeit an das erworbene Gut wahrnehmen. 

2. Anschauliche Vorstellung des Ortes; hier 
«oll ich mich selbst sehen, wie ich vor dem An- 
gesichte Gottes unseres Herrn und aller seiner 
Heiligen stehe, um zu begehren und zu erkennen, 
was seiner göttlichen Güte wohlgefälliger ist. : 
,. 3. Ich bitte lim das, was ich begehre; hier 



78 • Zweite Woche . : 

soll ich um die Gnade flehen, daß ich davS er- 
wähle, was mehr zur Ehre seiner göttlichen Ma- 
jestät und zum Heile meiner Seele gereicht. 

Das erste Paar möchte sich der Neigung, die 
es zu dem erworbenen Gute hat, entledigen, um 
in Frieden Gott unseren Herrn zu finden und sein 
Seelenheil sichern zu können. Aber es wendet 
kein Mittel an bis zur Stunde des Todes. 

Das zweite Paar will die Neigung aufgeben* 
aber es will sie nur so aufgeben, daß es im Be- 
sitze des erworbenen Gutes bleibe, so daß Gott 
dorthin kommen soll, wohin es selbst will; und 
es entschließt sich nicht, das Gut drsnizugeben,. 
um zu Gott zu gehen, obschon dies der beste 
Stand für es wäre. 

Das dritte Paar will die Neigung beseitigen; 
aber es .will sie so beseitigen, daß auch keine 
Vorliebe es bestimmt, das erworbene Gut zu be-^ 
halten oder nicht zu behalten, sondern es ist 
entschlossen, nur dasselbe zu begehren oder nicht 
zu begehren, je nachdem Gott unser Herr es ihm 
in den Willen legt und es ihm selbst besser dünkt 
zum Dienste und Lobe seiner göttlichen Majestät* 
Und inzwischen will es sich so verhalten, als gebe 
es im Herzen alles drati^^, indem es nämlich seins 
Kraft aufbietet, um weder jenes noch irgend eia 
anderes Gut zu begehren, außer wenn es einzig, 
der Dienst Gottes unseres Herrn dazu bewegt; 
so daß nur der Wunsch, Gott unserem Herrn, 
besser dienen zu können, es zur Annahme des 
Gutes öder ziim: Verzicht darauf bestitoiiit. 



Fünfter Tag 79 

Man stelle dann die nämliclien drei Zwiege- 
spräche an, die in der vorhergehenden Betrach- 
tung „Über zwei Fahnen'' gehalten wurden.. 

Bemerkung. Wenn wir eine Abneigung oder 
ein Widerstreben gegen die wirkliche Armut in uns 
wahrnehmen, wenn wir nicht gleichmütig gegen 
die Armut oder deu Reichtum sind, so ist es zur 
Ausrottung einer solchen ungeordneten Neigung 
von großem Nutzen, in den Zwiegesprächen — 
auch wenn es gegen das Fleisch sein sollte — 
darum zu bitten, der Herr möge einen zur wirk- 
lichen Armut auserwählen, und zu beteuern j man 
begehre, erbitte und erflehe dies, wenn es nur 
zum Dienste und Lobe seiner göttlichen Criite 
gereiche. 

Fünfter Tag. 

Beschauung über" die Reise Christi unseres 

Herrn von Nazareth an den Jordanfluß, und wie 

er getauft wurde. 

s. unten S. 121. 

Diese Beschauung soll man einmal um Mitter- 
nacht und das zweite Mal am frühen Morgen 
anstellen und dann zwei Wiederholungen über 
sie zur Zeit der heiligen Messe und der Vesper, 
und vor dem Abendtisch soll man die Anwendung 
der fünf Sinne vornehmen. Bei jeder von diesen 
fünf Übungen schicke man das gewöhnliche Vor- 
bereitungsgebet und die drei Vorübungen vor- 
auf, wie dies alles bei der Beschauung , über die 
Menschwerdung und die Geburt erklärt worden 



so Zweite Woche 

ist. Man schließe mit den drei Zwiegesprächen 
n\\8 der Betrachtung über \,die drei Menschen- 
paare" oder geniäß der Bemerkung, die auf „die 
Menschenpaare" folgt. 

Die besondere Gewissenserforschung nach dem 
Mittagessen und nach dem Abendtisch soll über 
•die Fehler und Nachlässigkeiten angestellt wer- 
den, die man an diesem Tage inbezug auf die 
Übungen und Zusätze begangen hat; und des- 
gleichen an den folgenden Tagen. 

Sechster Tag. 

Beschauung, wie Christus unser Herr vom Jor- 
^anfluß in die Wüste ging, diese mit eingeschlos- 
sen. Dabei beobachte man in allem dieselbe Weise 
wie am fünften Tage* 

Siebenter Tag. 

Wie der heilige Andreas und andere Christus 
unserem Herrn folgten. 

s. unten S. 122. 

Achter Tag. 

Über die Bergpredigt, die von den acht Selig- 
keiten handelt. 

s. unten S. 124. 

Neunter Tag. 

Wie Christus unser Herr seinen Jüngern auf 
<len Wogen des Meeres erschien. 

is. unten S. 125. 



Bemerkungen 81 

Zehnter Tag. 

Wie der Herr im Tempel predigte^*. 

s. unten S. 129. 

Elfter Tag. 

Von der Auferstehung des Lazarus. 

s. unten S. 128o 

Zwölfter Tag. 

Von dem Palmtage. 

s. unten S. 129. 

Bemerkung en. 

Bemerkung 1. Die Beschauungen dieser 
zweiten Woche kann man, je nachdem ein jeder 
Zeit darauf verwenden will oder je nachdem er 
Fortschritte macht, ausdehnen oder verkürzen. 

Will man ausdehnen, so nehme man noch die 
Geheimnisse von der Heimsuchung U. L. Frau 
hei der heiligen Elisaheth, die Hirten, die Be- 
schneidung des Jesuskindes und die drei Könige 
und so noch andere. Will ma.n aber abkürzen, so 
lasse man auch von den angeführten Geheimnissen 
weg; denn in ihnen soll nur eine Einführung 
und Anleitung geboten werden, um später besser 
und vollständiger betrachten zu können. 

2. Die Wahlangelegenheit beginnt gleich mit 
der Betrachtung über die Heise Christi von 
Nazareth an den Jordan, diesen mit eingeschlos- 
sen, das ist am fünften Tage, wie im folgenden 
dargelegt wird. 

Ignatius v. Loyola. Geistl. Übungen, 2. Aufl. 6 



82 Zweite Woche 

3. Bevor man in die Wahl eintritt, wird es, 
um sich, .mit Liebe für die wahre Lehre Christi 
unseres Herrn z\i erfüllen, sehr nützlich sein, 
daß mau folgende drei Arten von Demut '-^ 
erwägt und ins Auge faßt, indem man zu ver- 
schiedenen Zeiten während des ganzen Tages sie 
überdenkt und auch die Zwiegespräche anstellt, 
wie unten gezeigt werden soll. 

Die erste Art von Demut ist notwendig zum 
ewigen Heil. Ich muß nämlich, soweit es von 
meiner Seite möglich ist, mich so erniedrigen 
und so demütigen, daß ich in allem dem Gesetze 
Gottes unseres Herrn gehorche, derart, daß ich 
— auch wenn man mich zum Herrn aller ge- 
schaffenen Dinge auf dieser Welt machte oder 
um mein eigenes zeitliches Leben zu retten — 
nicht einmal in Überlegung trete, ob ich irgend- 
ein Gebot, sei es ein göttliches oder ein mensch- 
liches, das mich unter einer Todsünde verpflichtet^ 
übertreten wolle. 

Die zweite A^^t von Demut ist vollkommener 
als die erste. Sie ist nämlich vorhanden, wenn 
ich mich in einer solchen Geistesverfassung be- 
finde, daß ich nicht mehr danach verlange oder 
dazu hinneige, in Reichtum als in Armut zu 
leben, nach Ehre zu verlangen als nach Schmach^ 
ein langes Leben zu begehren als ein kurzes, 
wenn nui dabei der Dienst Gottes unseres Herrn 
und das Heil meiner Seele gleich gefördert wird, 
und daß ich ferner weder um aller geschaffenen 
Dinge willen noch deshalb, weil man mir das Leben 



Die Wahl 83 

nehmen wollte, es auch nur in Überlegung ziehen 
würde, irgend eine läßliclie Sünde zu begehen. 

Die dritte Art von Demut ist die vollkom- 
menste, wenn ich nämlich — die erste und 
zweite vorausgesetzt und sofern das Lob und die 
Ehre der göttlichen Majestät die gleiche sein 
würde — , um Christus unseren Herrn mehr 
nachzuahmen und um ihm in der Tat ähnlicher 
zu werden, eher mit dem armen Christus Armut 
will und wähle, als Eeichtum, mit dem schmach- 
erftiUten Christus Schmach als Ehren, und eher 
danach verlange, für einfältig und töricht ge- 
halten zu werden um Christi willen, der zuerst 
als solcher betrachtet wurde, als für weise und 
klug in dieser Welt. 

Wer deshalb diese dritte Art von Demut er- 
langen will, dem ist es überaus nützlich, die drei 
Zwiegespräche aus der schon erwähnten ^e^racÄ- 
tung über die Menschenpaare vorzunehmen und 
zu bitten, unser Herr möge ihn zu dieser dritten 
höheren und besseren Art von Demut auser- 
wählen, auf daß er um so mehr ihn nachahme 
und ihm diene, wofern nur dabei der Dienst und 
das Lob seiner göttlichen Majestät gleich oder 
größer ist. 

Die Wahl^\ ^ 

Einführung zur Vornahme der Wahl. 

Bei jeder guten Wahl muß, soweit es von uns 
abhängt, das Auge unserer Absicht einfältig'' 

» vgl Matth 6, 22; Luk 11, 34. 



84 Zweite Woche 

sein, indem es einzig auf das Ziel schaut, zu dem 
ich erschaffen bin, nämlich zum Lohe Gottes unse- 
res Herrn und zum Heile meiner. Seele. Des- 
halb muß alles, was ich auch wähle, darauf 
gerichtet sein, daß es mir zum Ziele diene, zu 
dem ich erschaffen bin, so daß ich nicht das Ziel 
dem Mittel unterordne und anpasse, sondern das 
Mittel dem Ziele. So geschieht es zum Beispiel, 
daß viele zuerst sich entschließen, in die Ehe zu 
treten, was an sich ein Mittel ist, und dann an 
zweiter Stelle, im Ehestand Gott unserem Herrn 
zu dienen, während doch dieser Dienst Gottes 
das Ziel ist. Ebenso gibt es andere, die zuerst 
kirchliche Pfründen erlangen und dann erst Gott 
in denselben dienen wollen. Und so streben 
diese nicht geraden Wegs zu Gott, sondern sie 
wollen, daß Gott geraden Wegs ihren ungeord- 
neten Neigungen entgegenkomme; und folglich 
machen sie aus dem Zweck ein Mittel und aus 
dem Mittel den Zweck, so daß sie das, was sie 
an die erste Stelle setzen sollten, an die letzte 
setzen; denn zuerst müssen wir uns vor Augen 
stellen, daß wir Gott dienen wollen, was das 
Ziel ist, und an zweiter Stelle, daß wir eine 
kirchliche Pfründe annehmen oder in die Ehe 
treten wollen — falls dies für mich besser ist — , 
was das Mittel zum Zweck ist. So darf also 
nichts mich bewegen, dergleichen Mittel zu wäh- 
len oder sie je wieder aufzugeben, es sei denn 
allein der Dienst und der Lobpreis Gottes unseres 
Herrn und das ewige Heil meiner Seele. 



Die Wahl 85 

Von den Gegenständen der Wahl, 

Erwägung zum Zwedi, Kenntnis zu erhalten, über 

welche Gegenstände die Wahl stattfinden so IL 

Sie enthält vier Punkte und eine Bemerkung. 

Punkt 1. Es ist notwendig, daß alle Dinge, 
über die wir eine Wahl anstellen wollen, an sich 
gleichgültig oder gut sind und im Bereich der 
heiligen Mutter, der hierarchischen Kirche, sich 
halten, nicht aber schlecht oder ihr widerstreitend. 

2. Es gibt Dinge, die unter eine unabänder- 
liche Wahl fallen, wie z. B. das Priestertum, die 
Ehe und so weiter; es gibt andere Dinge, die 
unter eine veränderliche Wahl fallen, wie z. B. 
kirchliche Pfründen annehmen oder solche ver- 
lassen, zeitliche Güter annehmen oder solche 
drangeben. 

3. Bei der unabänderlichen Wahl, die bereits 
einmal als Wahl getroffen wurde, bleibt nichts 
mehr zu wählen übrig, da sie nicht mehr rück- 
gängig gemacht werden kann, wie z. B. bei der 
Ehe, beim Priestertum und so weiter. Es ist 
nur dies zu bemerken: hat man eine solche Wahl 
nicht in rechter und geordneter Weise, d, h, nicht 
ohne den Einfluß ungeordneter Neigungen ge- 
troffen, so soll man dies bereuen und danach 
trachten, in seinem gewählten Stand ein gutes 
Leben zu führen. Eine solche Wahl aber scheint, 
da sie eine ungeordnete und verkehrte Wahl war, 
kein göttlicher Beruf zu sein, wie viele in dieser 
Beziehung irrig meinen, indem sie aus einer ver- 



Sß Zweite Woche 

kehrten . oder aus einer schlechten Wajil einen 
göttlichen Beruf machen; denn jeder göttliche 
'Beruf ist stets lauter und rein ohne Beimischung 
des Fleisches oder irgend einer anderen unge- 
ordneten Neigung. 

4. Hat jemand die Wahl auf rechte und ge- 
<)rdnete Weise in Dingen getroffen, die einer 
veränderlichen Wahl unterliegen und ohne dem 
Fleische und der Welt zu folgen, so ist kein 
Grund vorhanden, eine neue Wahr zu treffen, er 
soll vielmehr innerhalb jener sich vervollkomm- 
nen, soweit er vermag. 

Bemerkung. AVurde eine solche veränder- 
liche Wahl nicht in reiner Absicht und in wohl- 
geordneter Weise getroffen, so ist es ersprießlich, 
die W^lal jetzt auf rechte Weise vorzunehmen, 
wenn anders man wünscht, ausgezeichnete und 
Gott unserem Herrn sehr wohlgefällige Früchte 
hervorzubringen. 

Brei Zeiten, in deren jeder eine Tichtige und 
gute Wahl sich treffen läfet. 

Der erste Zeitpunkt ist vorhanden, wenn Gott 
unser Herr den Willen so bewegt und anzieht, 
daß eine solche fromme Seele, ohne zu zweifeln 
oder auch nur zweifeln zu können, dem folgt, 
was ihr gezeigt worden, wie es der heilige 
Paulus^ und der heilige Matthäus^ taten, als 
sie Christus unserem Herrn folgten. 

- a vgl Apg9,l— 18; 22, 4—16; 26, 9 -20. -- ^ vgl 
Matth 9, 9; Mark 2, 14; Luk 5, 27—28. 



Die Wahl 87 

Die zYfQit^Z^it ist VQrhandeUj wenn man 
viel Klarheit und Erkenntnis empfängt auf Grund 
der Erfahrung von Tröstungen und Trostlosig- 
keiten sowie auf Grund der Erfahrung in der 
Unterscheidung der verschiedenen Geister* 

Die dritte Zeit ist ruhiger Art: man erwägt 
da erst, wozu der Mensch geboren ist, nämlich 
um Gott unseren Herrn zu loben und seine Seele 
zu retten ; und vom Verlangen nach diesem Ziele 
beseelt, wählt man dann als Mittel eine Lebens- 
weise oder einen Stand innerhalb der von der 
Kirche gesetzten Grenzen, um im Dienste seines 
Herrn und im Wirken für das Heil seiner Seele 
gefördert zu werden. 

Ich nannte die Zeit ruhig, wenn nämlich die 
Seele nicht von verschiedenen Geistern bewegt 
wird und sich ihrer natürlichen Kräfte frei und 
ruhig bedient. 

Geht die Wahl nicht' in der ersten oder zweiten 
Zeit vor sich, so folgen für die dritte Zeit zwei 
Weisen, um sie so vorzunehmen. 

Zwei Wahlarten. 

Erste Art, eine richtige und gute Wahl zu 

treffen. 

Sie enthält sechs Punkte. '; 

Punkt 1. Ich stelle mir den Gegenstand, 
über den ich die Wahl treffen will, vor Augen, 
so z. B. ein Amt oder eine Pfründe,.__die_.ißh aur 
nehmen oder aufgeben soll, oder [irgendwelchen 



o8 Zweite Woche 

anderen Gegenstand, der einer veränderliciien 
Wahl unterliegt. 

2. Es ist notwendig, das Ziel vor Aiigen zu 
halten, für das ich geschaffen bin, nämlich, um 
Gott unseren Herrn zu loben und meine Seele 
zu retten, und mich dabei gleichmütig zu ver- 
halten ohne irgend eine ungeordnete Neigung, 
so daß ich nicht mehr geneigt und gestimmt 
bin, die vorliegende Sache anzunehmen, als sie 
aufzugeben, und nicht mehr, sie aufzugeben, als 
sie anzunehmen, sondern daß ich mich sozusagen 
im Gleichgewicht befinde, um dem zu folgen^ 
was meinem Urteil nach mehr zur Ehre und zum 
Lobe Gottes und zur Rettung meiner Seele ge- 
reicht. 

3. Ich bitte Gott unseren Herrn, er wolle 
meinen Willen bewegen und mir das in die Seele 
legen, was ich in der vorliegenden Sache tun 
soll, das mehr zu seinem Lobe und zu seiner 
Ehre gereiche; also, daß ich gut und redlich 
mit meinem Verstände tiberlege und gemäß seinem 
heiligsten und wohlgefälligen Willen* wähle. 

4. Ich erwäge und überlege, wie viel Vorteil 
und Nutzen mir erwachsen, wenn ich das in 
Frage stehende Amt oder die Pfründe besitze^ 
einzig zum Lobe unseres Herrn und zum Heile 
meiner Seele. Und umgekehrt erwäge ich eben- 
so die Nachteile und Gefahren, die im Besitze 
derselben liegen. Genau so verfahre ich im 



» vgl Rom 12, 2. 



Die Wahl 89 

zweiten Teil: ich betraeüte näMich die Vorteile 
und den Nutzen ihres Nichtbesitzes und ebenso um- 
gekehrt die Nachteile und Gefahren des gleichen 
Nichtbesitzes. 

5. Nachdem ich auf diese Weise den vorliegen- 
den Gegenstand überdacht und nach allen Seiten 
erwogen habe, schaue ich, nach welcher Seite die 
Vernunft mehr hinneigt, und so muß man nach 
dem stärkeren Antrieb der Vernunft und nicht 
nach irgend einem sinnlichen Antrieb die Entschei- 
dung über den vorgelegten Gegenstand treffen. 

6. Ist eine solche Wahl oder Entscheidung 
vorgenommen worden, so muß derjenige, der sie 
getroffen hat, mit vielem Eifer sich ins Gebet 
vor Gott unserem Herrn begeben und ihm diese 
Wahl darbieten, auf daß seine göttliche Majestät 
sie annehmen und bestätigen wolle, wofern es 
zu ihrem größeren Dienst und Lobe gereiche. 

Zweite Art, eine richtige nnd gute Wahl zu 

treffen. 

Sie enthält vier Regeln und eine Bemerkung. 

Regel 1. Jene Liebe, die mich bewegt und 
mich antreibt, gerade diese Sache zu wählen, 
muß von oben herab aus der Gottesliebe herabstei- 
gen; so muß der Wählende vorerst in sich wahr- 
nehmen, seine größere oder geringere Vorliebe für 
den Gegenstand, den er erwählt, ziele einzig auf 
seinen Schöpfer und Herrn. 

2. Ich stelle mir einen Menschen vor, den ich nie 
gesehen oder gekannt habe, und, indem ich ihm 



90 Zweite Woche 

alle Vollkommenheit wünsche, überlege ich, was 
ich ihm anraten würde, zur größeren Ehre Grottes 
unseres Herrn und zur größeren Vollkommenheit 
seiner Seele zu tun und zu wählen. Und mir 
selbst gegenüber ebenso handelnd will ich die 
Regel einhalten, die ich für den anderen aufstelle. 

3 . Gleich als befände ich mich in der Todes- 
stunde, erwäge ich die Form und das Maß, die 
ich dann bei der Art und AVeise der gegen- 
wärtigen Wahl eingehalten zu haben wünschte. 
Und indem ich mich danach richte, will ich jetzt 
ganz und gar meine Entscheidung treffen. 

4. Ich bedenke und erwäge, wie mir am Tage 
des Gerichtes zu Mute sein wird, und überlege, 
welchen Entschluß ich dann in bezug auf diese 
gegenwärtige Angelegenheit gefaßt zu haben 
wünschte, und die Regel, die ich dann befolgt 
haben möchte, die will ich jetzt wählen, damit 
ich mich in jener Stunde von Wonne und Freude 
erfüllt finde. ; 

Bemerkung. ■ Nachdem ich die vorhin ge- 
nannten Regeln zu meinem ewigen Heil und 
Frieden mir zur Richtschnur genommen habe, 
will ich meine Wahl treffen und meine Aufopfe- 
rung vor Gott dem Herrn vollziehen gemäß dem 
sechsten Punkt der ersten Wahlart. 

Bemerkungen fnv die Besserung und Neugestal- 
tung des eigenen Lebens und Standes. 

Es ist folgendes zu beachten: Für solche, die 
eine kirchliche Würde bekleiden oder im Ehestande 



Die Wahl 91 

leben, — mögen sie jetzt an zeitliclien Giltern 
Überfluß haben oder nicht - — , ist es, falls sie 
keine G-elegenheit haben öder keine große Wil- 
lensbereitschaft, ejne Wahl über Dinge zu treffen, 
die einer veränderliclien Wahl unterliegen, von 
großem Nutzen, wenn man an Stelle der Wahl 
eine Art und Weise vorlegt, wie jeder von ihnen 
sein eigenes Leben und seinen besonderen Stand 
bessern und umgestalten könne. Er muß näm- 
lich das Ziel seines Daseins, Lebens und Standes, 
■die Ehre und das Lob Gottes unseres Herrn und 
die Eettung seiner eigenen Seele fest vor Augen 
halten. Damit er nun zu diesem Ziele gelange 
und es erreiche, muß er mittels der Übungen 
nnd der Wahlarten, wie dies erklärt wurde, viel 
darüber nachdenken und nachsinnen, ein wie großes 
Haus er führen und eine wie große Dienerschaft 
er halten, wie er sie lenken und leiten, wie er 
sie durch Wort und durch Beispiel belehren soU'; 
ebenso bezüglich seines Vermögens, wie viel ei* 
hiervon für seine Familie und sein Haus be- 
stimmen, und wie viel er an die Armen und zu 
anderen frommen Zwecken verteilen will ; so zwar, 
daß er nichts anderes will und sucht, als in allem 
und durch alles das größere Lob und die größere 
Ehre Gottes unseres Herrn. Denn das soll ein 
jeder bedenken, daß er in allen geistlichen Dingen 
nur insoweit Fortschritte machen Wird, als er 
Ms seiner Eigenliebe, seinem Eigenwillen und 
seiner Eigensucht herausgeht. 



Dritte Woche. 

Erster Tag. 

Erste Beschauung. 
Um Mitternacht. 

Christus unser Herr geht Ton Bethanien nach 
Jerusalem zum letzten Abendmahl. 

8. unten S. 129. 

Die Beschauung enthält in sich das Vorbereitungs- 
gebet, drei Vorübungen, sechs Punkte und ein 

Zwiegespräch. 

Das Vorbereitungsgebet wie gewöhnlich. 

Vorübung 1. Man führe sich den geschicht- 
lichen Vorgang* vor, hier: wie Christus unser 
Herr von Bethanien aus zwei Jünger nach Jeru- 
salem sandte, um das Abendmahl zu ))ereiten, 
und dann selbst mit den übrigen Jüngern sich 
dazu begab, und wie er, nachdem er das Oster- 
lamm gegessen und das Abendmahl genossen, 
ihnen die Füße wusch und seinen heiligsten Leib 
und sein kostbares Blut seinen Jüngern reichte 
und eine Ansprache an sie hielt, nachdem Judas 
fortgegangen war, um seinen Herrn zu verkaufen. 

2. Anschauliche Vorstellung des Ortes; ich soll 
hier den Weg von Bethanien nach Jerusalem be- 
trachten, ob er breit, ob eng, ob er eben ist 

» Tgl Matth 26, 17—29; Mark 14, 12—25; Luk 22, 
7—38; Job 13, 17. 



Betrachtung über das letzte Abendmahl 93 

und SO fort; ebenso den Ort des Abendmahles, 
ob er geräumig, ob er klein ist, ob er dieses 
oder jenes Aussehen hat, 

3. Ich bitte um das, was ich begehre: hier 
soll es Schmerz, Leid und Beschämung sein, weil 
um meiner Sünden willen der Herr zum Leiden 
geht. 

Punkt 1. Ich schaue die Personen beim 
Abendmahl, und indem ich die Gedanken auf 
mich wende, suche ich irgend einen Gewinn 
daraus zu ziehen. 

2. Ich höre, was sie sprechen, und suche des- 
gleichen irgend einen Nutzen daraus zu gewinnen. 

3. Ich habe auf das acht, was sIq tun, und 
suche irgend eine Frucht daraus zu ziehen. 

4. Ich erwäge, was Christus unser Herr an 
seiner Menschheit leidet oder leiden will, je nach 
dem Abschnitt, den ich gerade betrachte. Und 
hier soll ich mit starkem Aufgebot meiner Kräfte 
einsetzen und mich anstrengen, um mit zu leiden, 
zu trauern und zu weinen. Und auf die nämliche 
Weise soll ich bei den übrigen folgenden Punkten 
mir Mühe geben. 

5. Ich erwäge, wie die Gottheit sich verbirgt, 
wie sie nämlich ihre Feinde vernichten könnte 
und es doch nicht tut, und wie sie zuläßt, daß 
die heiligste Menschheit so überaus grausam leidet. 

6. Ich erwäge, wie Christus alles dieses meiner 
Sünden wegen leidet und so weiter, und was ich 
für ihn tun und leiden soll. 

Zum Schluß verrichte man ein Zwiegespräch 



94 Dritte Woche . 

mit Christus unserem Herrn und zuletzt bete man 
ein Vaterunser i 

Hier ist zu bemerken, wie bereits früher ^^e- 
sagt und zum Teil erklärt wurde, daß wir in 
den Zwiegesprächen je nach den jeweiligen Um- 
ständen unsere Ansprachen und Bitten einrichten 
müssen, nämlich je nachdem icb mich versucht 
oder getröstet finde und je nachdem ich die eine 
oder andere Tugend zu besitzen wünsche, je 
nachdem ich über mich nach der einen oder 
anderen Seite hin verfügen will, je nachdem ich 
über den Gegenstand, den ich betrachte, Schmerz 
oder Freude empfinden will. Schließlich soll ich 
um das bitten, was ich bezüglich einiger beson- 
derer Anliegen nachdrücklicher begehre. 

Somit kann man nur ein Zwiegespräch mit 
Christus unserem Herrn halten oder, falls der 
Gegenstand oder die Andacht einen dazu be- 
wegen, kann man auch diV&i Zwiegespräche an- 
stellen, eines mit der Mutter, ein anderes mit dem' 
Sohne, ein weiteres mit dem Vater auf dieselbe; 
Weise, wie dies in der zweiten Woche bei der 
Betrachtung über „die drei Menschenpaare'' ^ und 
auch in der Bemerkung, die auf die „Menschen- 
paare" folgt, erklärt wurde. 

Zweite Beschauung. 

Morgens. , 

Vom Abendmahl an bis zum Garten ein- 

schliefelicb. 

Das Vorbereitungsgebet wie gewöhnlich. 



Betrachtung über das Leiden im Ölgarten 95 

Vorti"bung 1. Sie bietet den geschichtliclien 
Vorgang*", und zwar hier: wie Cliristus unser 
Herr mit seinen elf Jüngern vom Berge Sion, 
wo er das Abendmahl gehalten hatte, zum Tale 
Josaphat hinabstieg, acht von ihnen an einem 
Orte des Tales und die übrigen drei an einer 
Stelle des Gartens zurückließt, sich hierauf zum. 
Gebete begab und Schweiß wie Blutstropfen ver- 
goß, wie er sodann dreimal ein Gebet an den 
Vater richtete und seine drei Jünger aus dem 
Schläfe aufweckte, wie dann vor seiner Stimme 
die Feinde zu Boden stürzten, Judas ihm den 
Friedenskuß gab, der heilige Petrus Malchus das 
Ohr abhieb und Christus dasselbe wieder an seine 
Stelle setzte; wie er hierauf wie ein Übeltäter 
gefangen genommen wird und sie ihn durch das 
Tal hinab und dann wieder über den Hügel hin- 
auf zum Hause des Annas schleppen. 

2. Veranschaulichung des Ortes; hier betrachte 
ich den Weg vom Berge Sion zum Tale Josaphat 
und ebenso den Garten, ob er weit, ob er lang, 
ob er so oder anders beschaffen. 

3. Ich bitte um das j was ich begehre, näm- 
Kch um das, was man während des Leidens 
eigentlich erflehen soll: Schmerz mit dem schmerz- 
erfüllten Christus, um Zerschlagenheit mit dem 
zerschlagenen Christus, um Tränen, um innere 
Pein über die so große Pein, die Christus für 
mich gelitten hat. 

^ vgl Matth 26, 30-56; Mark 14, 26— 52j Luk 
22, 39-54; Joh 18, 1-13. 



96 Bemerkungen 

Bemerkungen. 

In dieser zweiten Beschauung soll man nach 
Verrichtung des Vorbereitungsgebetes sowie der 
drei bereits angeführten Vorübungen inbezug auf 
die Punkte und das Z\Yiegespräch auf dieselbe 
Weise verfahren, die man in der ersten Betrach- 
tung vom Abendmahl befolgte. Und zur Zeit 
der heiligen Messe und der Vesper sollen zwei 
Wiederholungen über die erste und zweite Be- 
schauung stattfinden und dann vor dem Abend- 
essen soll die Anwendung der Sinne auf die bei- 
den vorhin genannten Beschauungen vorgenom- 
men werden, wobei man stets das Vorbereitungs- 
gebet nebst den drei Vorübungen je nach dem 
vorliegenden Gegenstand vorausschickt, auf die- 
selbe Weise, wie dies in der zweiten Woche be- 
merkt und erklärt wurde. 

Je nachdem das Alter, der Gesundheitszustand, 
die körperliche Beschaffenheit es dem Exerzitan- 
den empfehlen, soll er jeden Tag die genannten 
fünf Übungen oder weniger vornehmen. 

In dieser dritten Woche werden der zweite und 
der sechste Zusatz zum Teil geändert. 

Der zweite wird lauten: Gleich wenn ich er- 
wache, soll ich mir vor Augen stellen, wohin 
ich mich begebe und wozu. Dann soll ich die Be- 
schauung, die ich anstellen will, kurz im Geiste 
überblicken und je nach Art des Geheimnisses 
mich bemühen, während des Aufstehens und An- 
kleidens Trauer und Schmerz über den großen 



Zweiter bis dritter Tag 97 

Schmerz und die so große Pein Christi unseres 
Herrn zu empfinden. 

Der sechste wird also geändert : Ich will keine 
frohen Gedanken, seien sie auch gut und heilig, 
wie z. B. an die Auferstehung und das Para- 
dies, wachrufen, sondern vielmehr mich selbst 
zu Schmerz und zu Leid und Betrübnis anregen, 
indem ich mir häufig die Beschwerden, Mühsal 
und Schmerzen Christi unseres Herrn vors Ge- 
dächtnis führe, die er vom Augenblick seiner Ge- 
burt an bis zum Geheimnisse des Leidens, bei 
dem ich jetzt stehe, erduldet hat. 

Die besondere Gewissenserforschung über die 
Übungen und jetzt obwaltenden Zusätze soll so 
angestellt werden, wie es in der vorhergehenden 
Woche geschah. 

Z"weiter Tag. 

Um Mitternacht soll die Beschauung über das 
angestellt werden, was vom Garten ab bis zum 
Hause des Annas einschließlich vorfiel (s. unten 
S. 131), und am Morgen über das, was vom 
Hause des Annas bis zum Hause des Kaiphas 
einschließlich geschah (s. unten S. 132). Später 
finden die beiden Wiederholungen und die Anwen- 
dung der Sinne statt, auf dieselbe Weise, wie es 
vorhin erklärt wurde. 

Dritter Tag. 

Um Mitternacht: vom Haus des Kaiphas bis 
zu Pilatus einschließlich (s. unten S. 132); mor- 

Igrnatius y, Loyola. Geistl. Übungen. 2. Aufl. 7 



98 Dritte Woche 

gens: von Pilatus bis Herodes einschließlich (s. 
unten S. 183), dann die Wiederholungen und die 
Anwendung der Sinne in derselben Weise, wie 
es schon bemerkt wurde. 

Vierter Tag. 

Um Mitternacbt : von Herodes bis Pilatus (s. 
unten S. 133), so daß man die Geheimnisse im selben 
Hause des Pilatus nur bis zur Hälfte vornimmt 
und betrachtet, dann in der Übung am Morgen 
die anderen noch übrig gebliebenen Geheimnisse, 
die sich in diesem Hause abspielten; hierauf die 
Wiederholungen und die Anwendung f^er Sinne, 
wie dargelegt worden. 

Fünfter Tag. 

Um Mitternacht: vom Hause des Pilatus bis zur 
Kreuzigung des Herrn (s. unten S. 1 34), am Morgen: 
von seiner Erhöhung am Kreuze, bis er seinen 
Geist aufgab (s. unten S. 134); dann die zwei 
Wiederholungen und die Anwendung der Sinne. 

Sechster Tag. 

Um Mitternacht : von der Kreuzabnahme bis zum 
Grabe ausschließlich; und am Morgen: vom Grabe 
einschließlich bis zum Hause, in das U. L. Frau 
sich zurückzog, nachdem ihr Söhn begraben war. 

Siebenter Tag. 

Betrachtang des ganzen Leidens insgesamt in 
der Übung um Mitternacht und am Morgen. An 



Bemerkung 99 

Stelle der beiden WiederholuugeH und der An^ 
ivendung der Sinne soll man an diesem ganzen 
Tage so. oft, als es geschehen kann, betrach- 
ten, wie der heiligste Leib Christi unseres Herrn 
von der Seele gelöst und getrennt blieb, und wo 
und wie er begraben wurde. Desgleichen be- 
trachte man die Vereinsamung U. L. Frau bei 
so großem Schmerz und Leid, dann auf der an- 
deren Seite die der Jünger. 

Bemerkung. 

Wer beim Leiden länger verweilen will, soll 
bei jeder Beschauung weniger Geheimnisse vor- 
nehmen, nämlich in der ersten Beschauung nur 
das Abendmahl, in der zweiten die Fußwaschung, 
in der dritten die Darreichung des heiligsten 
Sakramentes an die Jünger, in der vierten die 
Rede, die Christus ihnen hielt; und so fort bei 
den übrigen Beschauungen und Geheimnissen 

In gleicher Weise nehme man, nachdem das 
Leiden durchbetrachtet ist, einen vollen Tag die 
Hälfte des ganzen Leidens und am zweiten Tag 
die andere Hälfte und am dritten Tag das ganze 
Leiden. 

Wer hingegen beim Leiden abkürzen will, nehme 
um Mitternacht das Abendmahl und am Morgen 
den Garten, zur Zeit der heiligen Messe das 
Haus des Annas, zur Zeit der Vesper das Haus 
des Kaiphas und für die Stunde vor dem Abend- 
tisch das Haus des Pilatus. 

Ohne also die Wiederholungen oder die An- 



100 Dritte Woche 

Wendung der Sinne anzustellen, nehme er jeden 
Tag fünf verscMedene Übungen vor und betrachte 
in einer jeden Übung ein eigenes Geheimnis 
Christi unseres Herrn, Nachdem er auf diese 
Weise das ganze Leiden bis zu Ende durchge- 
gangen ist, kann er an einem anderen Tage das 
ganze Leiden auf einmal in einer oder in meh- 
reren Übungen betrachten, je nachdem er meint, 
er könne einen größeren Nutzen daraus ziehen. 

Regeln für das Verhalten beim Essen ^. 

Regeln, um für die Zukunft beim Essen die rechte 
Ordnung zu beobachten. 

Regel 1. Vom Brote braucht man sich we- 
niger zu enthalten, weil es keine Speise ist, bei 
der die Eßlust sich in so ungeordneter Weise 
zu äußern pflegt oder zu der die Versuchung so 
anreizt, wie zu den übrigen Speisen. 

2. Inbezug auf das Getränk scheint die Ent- 
haltsamkeit zweckmäßiger zu sein, als in bezug 
auf den Genuß des Brotes. Es soll deshalb 
ernstlich erw^ogen werden, was nützlich ist, damit 
es zugelassen, und was Schaden bringt, damit 
es entfernt werde. 

3. In bezug auf die anderen Speisen muß man 
die höchste und eine möglichst vollkommene Ent- 
haltsamkeit beobachten, weil in dieser Hinsicht 
sowohl die Eßlust dazu neigt, das rechte Maß 
zu überschreiten, als auch die Versuchung mehr 
anreizt, solche Speisen aufzusuchen. Die Ent- 



Mäßigkeitsregeln 101 

haltsämkeit inbezug auf Speisen kann man des- 
halb, um eine Unordnung zu meiden j auf zwei- 
erlei Weise üben: erstens, indem man sich ge- 
wöhnt, gröbere Speisen zu sich zu nehmen, zwei- 
tens, wenn man feine Speisen nur in geringem 
Maß genießt. 

4. Je mehr jemand — vorausgesetzt, daß er 
sich hütet, in eine Krankheit zu fallen — sich 
vom Zukömmlichen entzieht, desto schneller ge- 
langt er zum richtigen Mittelmaß, das er beim 
Essen und Trinken einhalten soll, und dies aus 
zwei Gründen: erstens, weil er, durch solches 
Verfahren unterstützt und vorbereitet, die inneren 
Erkenntnisse, Tröstungen und göttlichen Ein- 
sprechungen oftmals besser wahrnehmen wird, 
die ihm das gerade für ihn passende Mittelmaß 
zeigen sollen; zweitens, wenn jemand bei solchem 
Abbruch sich nicht im Besitze von soviel Kör- 
perkräften und Gesundheit sieht, um die geist- 
lichen Übungen verrichten zu können, wird er 
leicht dahin kommen, zu beurteilen, was für den 
Unterhalt seines Leibes angemessener ist. 

5. Während man Speise zu sich nimmt, stelle 
man sich vor, als sehe man Christus unseren 
Herrn mit seinen Aposteln essen , und wie er 
trinkt und wie er um sich blickt und wie er 
spricht, und bemühe sich, ihn nachzuahmen. So 
sei der Verstand zum besseren Teil mit der Be- 
trachtung unseres Herrn, zum minderen aber mit 
dem Unterhalt des Leibes beschäftigt, damit man 
so bezüglich der Art, wie man sich benehmen 



102 Dritte Woche 

und beherrschen soll, ein größeres Gleichmaß 
und eine größere Ordnung gewinne. 

6. Man kann auch sonst während des Essens 
eine andere Erwägung vornehmen, entweder über 
das Leben der Heiligen oder über irgend einen 
frommen Betrachtungsstoff oder über irgend eine 
geistliche Angelegenheit, die man auszuführen 
hat. Eichtet man nämlich seine Aufmerksamkeit 
auf einen solchen Gegenstand, so wird man we- 
niger Lust und Sinnengenuß aus der leiblichen 
Speise schöpfen. 

7. Vor allem hüte man sich, daß nicht der 
ganze Sinn auf das gerichtet sei, was man zu 
sich nimmt, und daß man beim Essen nicht vor 
Begierde zu hastig vorangehe, sondern Herr seiner 
selbst bleibe sowohl bezüglich der Art zu essen, 
als auch bezüglich des Maßes, das man nimmt. 

8. Um alle Unordnung abzulegen, ist es sehr 
ersprießlich, nach dem Mittag- oder Abendtisch 
oder zu einer Stunde, da man keine Eßlust 
empfindet, bei sich für die zunächst kommende 
Mittag- oder Abendmahlzeit und so fort Tag 
für Tag das Maß zu bestimmen, das man füg- 
lich nehmen kann , über das man weder ob 
irgend welcher Eßlust noch ob irgend einer Ver- 
suchung hinausgehen soll. Man soll vielmehr 
im Gegenteil, um jede ungeordnete Eßlust und 
Versuchung des bösen Feindes eher zu überwin- 
den, falls man versucht wird, mehr zu essen, 
gerade weniger zu sich nehmen. 



Vierte Woche. 

Erste Beschauung. 
Christus unser Herr erscheint U. JL. Frau'', 

s. unten 8. 185. 

Das Vorbereitüngsgebet wie gewöhnlich. 

Vorübung 1. Sie bietet den geschichtlichen 
Vorgang, also hier: nachdem Christus am Kreuze 
seinen Geist aufgegeben und sein Leib von der 
Seele getrennt blieb, während die Gottheit stets 
mit ihm vereint war, stieg die glorreiche Seele, 
gleichfalls mit der Gottheit vereint, in die Unter- 
welt hinab, befreite hier die Seelen der Gerechten' 
und kehrte zum Grabe zurück. Dann stand er 
auf und erschien mit Leib und Seele seiner ge- 
benedeiten Mutter. 

2. Anschauliche Vorstellung des Ortes; hier 
soll man schauen die Anlage des heiligen Gra- 
bes und die Wohnung oder das Haus U. L. Frau, 
wobei man dessen Teile im einzelnen besich- 
tige, so das Zimmer, die Gebetskammer und 
so fort. 

3. Ich bitte um das, was ich begehre, und 
zwar soll ich hier um die Gnade flehen, mich 
innig zu freuen und zu frohlocken über die so 
große Herrlichkeit und Freude Christi unseres 
Herrn. 



^ vgl Ps 15, 10; Zach 9, 11; Matth 12, 40; Apg 
2, 31; 13, 35; EpH 4, 8-9; 1 Petr 3, 18-19. 



104 Vierte Woche 

Punkt 1, 2 und 3 seien die gleichen ge- 
wohnten, die wir auch heim Abendmahl Christi 
unseres Herrn hatten. 

4. Ich beträchte, wie die Gottheit, die sich 
während des Leidens zu verbergen schien, jetzt 
so wunderbar bei der hochheiligen Auferstehung 
erscheint und sich offenbart durch ihre wahren 
und heiligsten Wirkungen. 

5. Ich betrachte das Trösteramt, das Christus 
unser Herr ausübt, und vergleiche dabei, wie 
Freunde einander zu trösten pflegen. 

Man schließe mit einem oder auch mehreren 
Zwiegesprächen je nach dein vorliegenden Stoffe 
und mit einem Vaterunser. 

Bemerkungen, 

Bemerkung 1. Bei den folgenden Beschau- 
ungen soll man alle Geheimnisse der Auferstehung 
in der unten folgenden Weise durchgehen bis zur 
Himmelfahrt einschließlich, wobei man im übrigen 
in der ganzen Auferstehungswoche dieselbe Form 
und Art anwendet und beobachtet, die während 
der ganzen Leidenswoche eingehalten wurde. 
Deshalb richte man sich nach dieser ersten Be- 
schauung über die Auferstehung: was die Vor- 
übungen betrifft, so stelle man sie an je nach dem 
vorliegenden Stoffe, und was die fünf Punkte be- 
trifft, so seien sie dieselben; auch die Zusätze, 
die sich weiter unten finden, seien die nämlichen. 
Und so kann man sich in allem übrigen nach 
der Weise der Leidenswoche richtien, wie in den 



Bemerkungen 105 

Wiederliolungen, in der Anwendung der fünf 
Sinne, im Abkürzen oder Ausdehnen ;der Geheim- 
nisse und so fort. 

2. Gewöhnlich ist es in dieser vierten Woche 
angemessener als^ in den anderen drei vergangenen, 
nur vier Übungen und nicht fünf anzustellen: 
die erste gleich nach dem Aufstehen am Morgen, 
die zweite zur Zeit der heiligen Messe oder vor 
dem Mittagessen ansteile der ersten Wiederholung, 
die dritte zur Zeit der Vesper anstatt der zweiten 
Wiederholung, die vierte vor dem Abendtisch, 
indem man die fünf Sinne auf die drei Übungen 
desselben Tages anwendet und dabei die vorzüg- 
licheren Teile sowie jene, bei denen man stärkere 
Anregungen und größeren geistlichen Genuß 
empfand, besonders beachtet und sich länger da- 
bei aufhält. 

3. Obschon bei allen Beschauungen eine be- 
stimmte Zahl von Punkten vorgelegt wird, wie 
z. B. drei oder fünf und so weiter, so kann doch 
der Betrachtende mehr oder weniger Punkte fest- 
setzen, je nachdem er es für besser halten sollte. 
Dazu ist es sehr förderlich, daß man vor dem 
Eintreten in die Betrachtung die Punkte,, die man 
in bestimmter Zahl nehmen soll, von ungefähr 
vorsieht und festlegt. 

4. In dieser vierten Woche müssen von allen 
zehn Zusätzen der zweite, der sechste, der 
siebente und der zehnte geändert werden. 

Der zweite wird lauten: sobald ich erwache, 
will ich mir die Beschauung, die ich vorzunehmen 



106 Vierte Woche 

habe, vor Augen führen und danach verlangen, 
Mitgefühl zu erwecken und mich zu freuen über 
die so große Wonne und Freude Christi unseres 
Herrn. 

Der sechste: ich will Gedächtnis und Ver- 
stand mit Dingen beschäftigen, die zu innerer 
Wonne, zu Frohsinn und geistlicher Freude an- 
regen, wie z. B. mit dem Paradies. 

Der siebente: ich will die Helle genießen 
oder die Annehmlichkeiten der Jahreszeit, wie 
z. B. zur wärmeren Zeit^ deren Reize und zur 
Winterszeit den Sonnenschein oder die Feuer- 
wärme, insoweit die Seele glaubt oder vermutet, 
dies könnte ihr dienlich sein, um sich in ihrem 
Schöpfer und Erlöser zu freuen. 

Der zehnte: statt der Buße achte man aiif 
die Mäßigkeit und das rechte Mittelmaß in allen 
Dingen, es sei denn, man befinde sich in einer 
Zeitj wo Fasten oder Enthaltung gemäß der 
Anordnung der Kirche vorgeschrieben sind. Denn 
diese Gebote müssen immer erfüllt werden, wenn 
nicht ein rechtmäßiges Hindernis vorliegt. 



Beschauung zur Erlangung der Liebet 

Vorerst ist es gut, auf zweierlei zu achten. 

Erst en s : die Liebe muß mehr in die Werke 
als in die Worte gesetzt werden; zweitens: die 
Liebe besteht in der beiderseitigen Mitteilung, 
indem nämlich der Liebende dem Geliebten das 
gibt und mitteilt, was er hat, oder von dem. 



Betrachtung über die Liebe 107 

was er hat oder vermag, und ebenso umgekehrt 
der Geliebte dem Liebenden. Hat also der eine 
Wissenschaft, so teilt er sie dem mit, der sie 
nicht besitzt, und ebenso wenn er Ehren, wenn 
er Reichtümer Ö€si^^^, und so gibt immer einer 
dem andern. 

Das Gebet wie gewöhnlich. 

Vorübung!. Sie besteht in der Vorstellung des 
Ortes; hier soll ich Sehauen, wie ich dastehe vor 
dem Angesichte Gottes unseres Herrn, der Engel, 
der Heiligen, die für mich Fürbitte einlegen. 

2. Ich bitte um das, was ich begehre; hier 
soll ich bitten um innere Erkenntnis so großer 
Güter, die ich von Gott empfangen habe, auf daß 
ich ganz dankbaren Sinnes "^ in allem seine gött- 
liche Majestät lieben und ihr dienen kann. 

Punkt 1. Ich rufe mir ins Gedächtnis die 
erhaltenen Wohltaten der Erschaffung, der Er- 
lösung und die besonderen Gaben und dabei be- 
trachte ich mit großer Innigkeit, wie viel Gott 
unser Herr für mich getan hat und wie viel er 
mir von dem gegeben, was er besitzt, und weiter- 
hin wie sehr derselbe Herr verlangt, sich selbst 
mir mitzuteilen, so weit er gemäß seiner gött- 
lichen Anordnung es vermag. Und dann lenke 
ich die Gedanken auf mich selbst und erwäge 
eindringlich nach Vernunft und Gerechtigkeit, 
was ich von meiner Seite seiner göttlichen Maje- 
stät anMeten und geben muß, nämlich all das 
Meinige und mich selbst dazu, wie einer, . der 
e^i«;as mit viel Innigkeit anbietet: 



108 Betrachtung über die Liebe 

„Nimm Mn, o Herr, und nimm auf alle meine 
Freiheit, mein Gedächtnis, meinen Verstand und 
meinen ganzen Willen, alles, was ich habe und was 
ich besitze; du hast mir dies gegeben, dir, 
Herr, erstatte ich es zurück; alles ist dein, 
verfüge ganz nach deinem Willen. Gib mir nur 
deine Liebe und Gnade; denn das, ist mir genug." 

2. Ich betrachte, wie Gott in, den Geschöpfen 
wohnt: in den Elementen, indem er ihnen das 
Dasein gibt, in den Pflanzen^ indem er ihnen das 
Leben schenkt, in den Tieren, indem er ihnen 
Wahrnehmung mitteilt, in den Menschen, indem 
er ihnen Denken verleiht; und wie er auch in 
mir wohnt, indem er mir Dasein, Leben, Wahr- 
nehmung verleiht und mich denken läßt und 
mich gleichfalls zu seinem Tempel macht, da ich 
nach dem Gleichnis und Bilde seiner göttlichen 
Majestät^ geschaffen bin. Dann wieder soll ich 
die Gedanken auf mich selbst richten auf die 
Weise, wie es im ersten Punkt bemerkt wurde, 
oder auf eine andere, die ich für besser halten 
sollte. Auf dieselbe Weise verfahre man bei je- 
dem nachfolgenden Punkte. 

3. Ich erwäge, wie Gott um meinetwillen in 
allen geschaffenen Dingen auf dem Angesicht der 
Erde wirkt und arbeitet, d. h. sich verhält wie 
einer, der arbeitet, so z. B. an den Himmeln, 
in den < Elementen, Pflanzen, Früchten, Herden 
und so weiter, indem er Dasein, Fortbestand, 



" vgl Gen 1, 26; 5, 1; Weish2,23; Jak 3, 9 usw* 



Drei Gebets weisen 109 

Leben und Walirnehmung verlejht und so fort. 
Hierauf richte ich die Gedanken auf mich selbst. 

4. Ich betrachte, wie alle Güter und Gaben 
von oben herabsteigen**, sowie auch meine be- 
schränkte Kraft von jener höchsten und unend- 
lichen dort oben; und so auch die Gerechtigkeit, 
die Güte, die Frömmigkeit, die Barmherzigkeit 
und so fort, gleichwie von der Sonne die Strah- 
len ausgehen, von der Quelle die Wasser und 
so weiter. Dann lenke ich zum Schluß, wie ge- 
sagt worden, die Gedanken auf mich selbst. 

Ich schließe mit einem Zwiegespräch und einem 
Vaterunser. 

Drei Gebetsweisen. 

Erste Gebetsweise, 
1. Über die zehn Gebote. 

Die erste* Gebetsweise betrifft die zehn Gebote, 
die . sieben Todsünden ^, die drei Seelenkräfte und 
die fünf Sinne des Körpers. Diese Gebetsart soll 
eher eine Form, Weise und gewisse Übungen 
an die Hand geben, damit so die Seele sich auf 
die eigentlichen geistlichen tfhungen vorbereite 
und in ihnen Fortschritte mache und damit das 
Gebet Gott wohlgefällig sei; sie soll aber weniger 
eine bestimmte Form und Weise des eigentlichen 
Gebetes bieten. 

ZueiYst Boll ein Zusatz beobachtet werden, der 
dem zweiten Zusatz der zweiten Woche gleich- 

^ Jak 1, 17. 



110 Drei Gebetsweiseh 

wertig ist^: bevor ich in das Gebet eintrete, 
sammle sich der Geist ein wenig in Euhe, indem 
ich sitzend oder auf- und abgehend, wie es mir 
besser scheinen wird, erwäge, wohin und zu was 
ich mich begebe. Dieser gleiche Zusatz soll zu 
Beginn einer jeden der Gebetsweiseu beobachtet 
werden. 

Dann verrichte ich irgend ein Vorbereitungs- 
gebet, z. B. ich bitte Gott unseren Herrn um 
Gnade, auf daß ich zu erkennen vermöge, worin 
ich bezüglich der zehn Gebote gefehlt habe, 
und ich bitte desgleichen um Gnade und Beistand, 
um mich in. Zukunft zu bessern, und dazu flehe 
ich um ein vollkommenes Verständnis der Ge- 
böte, auf daß ich sie besser beobachte und zur 
größeren Ehre und zum größeren Lobe seiner 
göttlichen Majestät. 

Für die erste Gebetsweise ist es nötig, beim 
ersten Gebot zu erwägen und zu bedenken, wie 
ich dasselbe beobachtet und worin ich gefehlt 
habe; und hierbei beobachte ich als Regel, so 
lange Zeit dabei zu verweilen j als jemand braucht, 
um drei Vaterunser und drei Ave Maria zu beten. 
Finde ich in diesier Zeit Fehler bei mir, so bitte 
ich um Verzeihung und Nachlassung derselben 
und dann bete ich ein Vaterunser. Auf eben 
diese Weise verfahre man bei einem jeden von 
den zehn Geboten. 

Bemerkung. Gelangt jemand beim Nach- 
denken zu irgend einem Gebot'®, ^^i ^^^oi er 
findet, daß er keine Gewohnheit hat, dagegen 



Drei Gebetsweisen 111 

zu Sündigen, so ist es nicht nötig, so lange Zeit 
sich dabei aufzuhalten, sondern je nachdem je- 
mand bei sich findet, daß er mehr oder weniger 
gegen jenes Gebot verstößt, soll er auch mehr 
oder weniger bei der Betrachtung und Erforschung 
desselben verweilen. Und das Gleiche werde auch 
bei den „Todsünden" beobachtet. 

Sobald die genannte Erwägung über alle Ge- 
bote beendet ist, soll ich mich in betreff der- 
selben anklagen und um Gnade und Beistand 
bitten, mich in Zukunft zu bessern; dann soll 
zum Schluß je nach dem vorliegenden Gegen- 
stand ein Zwiegespräch mit Gott unserem Herrn 
folgen. 

2. Über die sieben Todsünden^^ 

Bei der Erwägung über die sieben Todsünden 
verrichte man nach dem obigen Zusatz das Vor- 
bereitungsgebet auf die besagte Weise mit der 
Veränderung, daß hier der Gegenstand die Sün- 
den sind, die man meiden muß, während es vor- 
hin die Gebote waren, die zu beobachten sind. 
In gleicher Weise soll man auch die schon er- 
wähnte Ordnung und Regel sowie das Zwie- 
gespräch beibehalten. . 

Um bei den Todsünden die begangenen Fehler 
besser zu erkennen, erwäge man ihre Gegensätze. 
Und ebenso soll man, um sie besser zu meiden, 
sich vornehmen und trachten, durch heilige 
Übungen die sieben ihnen entgegengesetzten 
Tugenden zu erwerben und zu besitzen. 



112 Drei Gebetsweisen 

3. Über die Seelenkräft^, 

Bezüglich der drei Seelenkräfte beobachte mai 
die nämliche Ordnung und Regel, wie bei dei 
Geboten, so daß man entsprechend den Zusat: 
befolgt, das Vorbereitungsgebet und das Zwie 
gespräch vorrichtet. 

4. Über die fünf Sinne des Leibes. 

Bezüglich der fünf Sinne des Leibes halte mai 
stets die nämliche Ordnung ein und ändere da 
bei nur den Gegenstand. 

Wenn jemand im Gebrauche seiner Sinn 
Christus unseren Herrn nachahmen will, empfehl 
er . sich im Vorbereitungsgebet seiner göttliche] 
Majestät und, nachdem er einen jeden Sinn be 
trachtet hat, bete er ein Ave Maria oder ei] 
Vaterunser. Und wer wünschen sollte, im Ge 
brauche der Sinne U. L. Frau nachzuahmen, de 
empfehle sich ihr im Vorbereitungsgebet, au 
daß sie ihm von ihrem Sohne und Herrn di 
Gnade hierzu erlange, und nachdem er einen je 
den Sinn betrachtet, bete er ein Ave Maria. 

Zweite Gebetsweise. 

Sie besteht darin, daß man die Bedeutung eine 
jeden Wortes des Gebetes betrachtet. 

Derselbe Zusatz, der bei der ersten Gebets 
weise befolgt wurde, soll auch für diese zweite 
gelten. 



Drei Gebetsweisen 113' 

Das Vorbereitiingsgebet soll entsprechend der 
Person, an die das -ztc betrachtende Gebet sich 
richtet, angestellt werden. 

Die zweite Gebetsart vollzieht sich so: man 
kniee oder sitze, je nachdem sich jemand mehr 
zu einem gestimmt fühlt und je nachdeni für ihn 
mehr Andacht damit verbunden ist; die Äugen 
halte man geschlossen oder auf eine bestimmte 
Stelle gerichtet, ohne sie dahin und dorthin zu 
wenden; dann spreche man „Vater"' und verweile 
bei der Betrachtung dieses AVortes so lange Zeit, 
als man verschiedene Bedeutungen, Gleichnisse, 
Genuß und Tröstung bei den auf dieses Wort be- 
züglichen Erwägungen findet. Und auf gleiche 
Weise verfahre man bei jedem Wort des Vater- 
unsers oder jedes anderen Gebetes, das man nach 
dieser Gebetsweise etwa verrichten will. 

Eegel 1. Man verweile auf die besagte Weise 
€ine Stunde beim ganzen Vaterunser. Ist es be- 
endet, so bete man ein Ave Maria, ein Credo, 
ein Änima Christi und ein Salve Regina mit dem 
Münde oder im Geiste in der gewöhnlichen Weise. 

2. Wenn der, der das Vaterunser betrachtet, 
in einem Worte oder in zweien reichlichen Stoff 
zum Nachdenken und geistlichen Genuß und Trost 
findet, so sei er nicht besorgt, weiter zu gehen, 
auch wenn die Stunde mit dem, was er findet, zu 
Ende geht. Und ist sie zu Ende, so bete er den 
übrigen Teil des Vaterunsers auf die gewöhn^ 
liehe Weise. : :. r 

3. Hat jemand bei einem Wort oder zweien 

Ignatius v. Loyola. Geistl. Übungen. 2. Aufl. 8 



114 Drei Gebetsweisen 

des Vaterunsers während einer ganzen Stunde 
verweilt, so bete er an einem anderen Tage, 
wenn er zu demselben Gebet zurückkehren wilU 
das besagte Wort oder jene beiden in der ge- 
wöhnlichen Weise und fange dann bei dem un- 
mittelbar folgenden Wort zu betrachten an auf 
dieselbe Weise, wie in der zweiten Eegel be- 
merkt wurde. 

Bemerkung 1. Ist das Vaterunser an einem 
oder innerhalb mehrerer Tage beendet, so soll 
das nämliche mit dem Ave Maria und nachher 
mit den übrigen Gebeten geschehen, so daß man 
eine Zeit lang sich stets an einem derselben übt. 

2. Ist das Gebet zu Ende, so soll man sich " 
an die Person, zu der man gebetet hat, wenden 
und mit wenigen Worten um die Tugenden oder 
Gnaden bitten, deren man sich mehr bedürftig 
fühlt. 

Dritte Gebetsweise. 

Sie geschieht nach einem bestimmten Zeitmaß *\ 

Der Zusatz ist der nämliche wie bei der ersten 
und zweiten Gebets weise. 

Das Vorbereitungsgebet ist wie bei der zwei- 
ten Gebetsweise. 

Die dritte Gebetsweise besteht darin, daß man 
zu jedem Atemzug oder Atemholen innerlich 
betet, während man ein Wort des Vaterunsers 
ausspricht oder eines anderen Gebetes, das gerade 
verrichtet wird, so daß zwischen einem und dem 
anderen Atemzug nur ein Wort gesprochen wird,. 



Drei Gebetsweisen 115 

in der Zwischenzeit al)er von einem Atemholen 
zum . anderen die Aufmerksamkeit hauptsächlich 
auf die Bedeutung dieses Wortes gelenkt wird 
oder auf die Person, zu der man betet, oder auf 
die eigene Niedrigkeit oder den Abstand zwischen 
der so großen Hoheit uiid der so großen eigenen 
Niedrigkeit. Und nach derselben Weise und Regel 
verfahre man bei den übrigen Worten des Vater- 
unsers, die anderen Gebete aber, wie das Ave 
Maria, das Anima Christi, das Credo und das 
Salve Eegina verrichte man in der gewöhnlichen 
Weise. 

Regel 1. Am anderen Tage oder zu einer 
anderen Stunde, da man so beten will, bete man 
das Ave Maria nach dem Zeitmaß, die übrigen 
Gebete aber auf gewöhnliche Weise, und ebenso 
verfahre man weiterhin der Reihe nach mit den 
anderen Gebeten. 

2. Wer mehr" Zeit auf das Gebet nach dem Zeit- 
maß verwenden will, kann alle oben genannten 
Gebete oder einen Teil derselben so beten, indem 
er dieselbe durch das Atemholen bedingte Ord- 
nung nach dem Zeitmaß befolgt, wde es erklärt 
wurde. 



8' 



Die Geheimnisse des Lebens, Christi 
unseres Herrn K 

Bei allen folgenden Geheimnissen ist zu be- 
achten, daß alle Worte, die in Klammern 
stehen, aus dem Evangelium selbst stammen, 
nicht aber j ene, die außerhalb der Klammern 
stehen. Bei jedem Geheimnis wird man meistens 
drei Punkte finden, um nach denselben die .Be- 
trachtung luid Beschauung mit größerer Leichtig- 
keit verrichten zu können". 

Ziveite Woche. 

Die Verkündigung Ü.L. Fr an. 

(Luk 1, 26—38). 

Punkt 1 . Der Engel, der heilige Gabriel, 
grüßt U. L. Frau und verkündet ihr die EmpfäugT 
nis Christi unseres Herrn. „Es trat der Ejigej 
herein zu Maria, grüßte sie und sprach zu ihr: 
, Gegrüßet seist du, voll der Gnaden; du v^irst 
empfangen in deinem Leibe und einen Sohn ge- 
bären' ". 



'-^ Wir setzen bei den Sohrifttexten, die wil- 
der geschichtlichen Treue wegen in der Fassung 
des hl Ignatius bieten, Anführungszeichen statt 
Ivlammern. 



- Geheimnisse aus dem Leben Christi 117 

2. Es bestätigt der Engel das, was er U. L. Frau 
gesagt, indem, er ihr die Empfängnis, des heiligen 
Johannes des Täufersverktindet und zu ihr spricht: 
„Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, hat einen 
Sohn in ihrem Alter empfangen''. 

3. Es antwortete dem Engel U. L. Frau: 
j^Siehe, ich bin eine Magd des Herrn, mir ge- 
schehe nach deinem Worte". 

Die Heimsuchung U. L. Frau bei Elisabeth. 

(LTikl, 39-56). 

; . 1. Als U. L. Frau Elisabeth besuchte, erkannte 
der heilige Johannes, noch im Schöße seiner 
Mutter, den Besuch U, L. Frau. „Und als Elisa- 
beth den Gruß U. L. Frau vernahm, da frohlockte 
das Kind freudig in ihrem Schöße und voll des Hei- 
ligen Geistes . rief Elisabeth mit lauter Stimme 
aus und sprach : ,Gebene:deit seist du unter den 
Weibern ..und gebenedeit sei die Frucht: deines 
Leibes' " . 

.2. U. L. Frau singt den Lo.bgesang und spricht: 
^,Hoch preist meine Seele deu: Herrn". 

3. „Maria blieb bei Elisabeth etwa drei Monate 
und dann kehrte sie in ihr Haus zurück". 

Die .Geburt Christi unseres Herrn. 

(Luk 2, 1.-14; Mflf^Ä /, /S^25). ., 

1. U. L. Frau und ihr Bräutigam, der heilige 
Joseph, ziehen von Nazareth nach Bethlehem. 
„Es reiste Joseph von Galiläa nach Bethlehem 
hinauf mit Maria, seinem ihm verlobten Weib, 



118 Geheimnisse aus dem Leben Christi - 

die gesegneten Leibes war, um seine Unterwür- 
figkeit unter den Kaiser zu bezeigen" 2. 

2. „Sie gebar ihren erstgeborenen Sohn und 
wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine 
Krippe". • 

3. 5, Es erschien eine Menge himmlischer Heer- 
scharen, welche sprachen: Ehre sei Gott in der 
Höhel'*^ 

Die Hirten. 

(Luk 2, 8-20). 

1. Die Geburt Christi unseres Herrn wird den 
Hirten durch den Engel verkündet. „Ich ver- 
künde euch eine große Freude; denn heute ist 
geboren der Heiland der Welt". 

2. Die Hirten eilen nach Bethlehem. „Sie 
kamen eilends und sie fanden Maria und Joseph 
und das Kind in der Krippe liegend" . 

3. „Es kehrten die Hirten heim und sie priesen 
und lobten den Herrn". 

Die löeschneiduiis. 

CLuk 2, 21). 

1. Sie beschnitten den Knaben Jesus. 

2. „Es ward sein Name Jesus genannt, wie 
er schon vom Engel genannt worden, bevor er 
im Mutterschoße empfangen ward". 

3. Man gibt den Knaben seiner Mutter zurück, 
die Mitleid fühlte wegen des Blutes, das von 
ihrem Sohne vergossen wurde. 



Geheimnisse aus dem Leben Christi 119 

Di© drei weisen Könige *. 
(Matth 2, 1—12). 

1 . Die drei weisen Könige, der Leitung des 
Sternes folgend, kamen, um Jesus anzubeten, und 
sagten: „Wir haben seinen Stern im Morgen- 
land gesehen und sind gekommen, ihn anzubeten". 

2. Sie beteten ihn an und brachten ihm Ge- 
schenke dar. „Sie fielen nieder auf die Erde, 
beteten ihn an und brachten ihm Geschenke dar, 
<jrold, AVeihrauch und Myrrhe". 

3. „Sie erhielten im Schlafe die Antwort, nicht 
zu Herodes zurückzugehen, und sie kehrten auf 
einem anderen Wege heim in ihr Land" . 

Die Keinignng U. L. Frau und die Darstellung 

des Knaben Jesus. 

(Luk 2, 22—39). 

1. Sie bringen den Knaben Jesus zum Tempel, 
auf daß er dem Herrn als Erstgeborener darge- 
stellt werde, und opfern für ihn ein Paar Turtel- 
tauben oder zwei junge Tauben. 

2. Als Simeon in den Tempel kam, „nahm er 
ihn in seine Arme" und sprach : „Nun entlassest 
du, Herr, deinen Diener in Frieden". 

3. Anna „kam hinzu und pries den Herrn und 
redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung 
Israels harrten". 

Die Flucht nach Äg:ypten. 

(Matth 2, 13—18). 

1. Herodes wollte den Knaben Jesus töten 
und ließ deshalb die unschuldigen 'Kinder morden. 



1:20 Gfeheiinnisse aus deni Leben Christi 

Vor deren Ermordung malinte ein Engel Joseph^ 
er solle nach Ägypten fliehen i „Stehe auf und 
nimm den Knaben tind seine- Mutter und fliehe 
nach Ägypten". 

2. Er brach nach Ägypten auf. „Er stand 
auf in. der Nacht und zog fort nach Ägypten". 

3.. „Er blieb daselbst bis zum Tode, des He- 
rodes". 

Die Rückkehr Christi unseres Herrn aus 

Ägypten. 

(Matth 2,19— 23). 

1. Der Engel mahnt Joseph, er solle nach 
Israel zurückkehren. „Stehe auf und nimm das 
Kind und seine Mutter und ziehe in das Land 
Israel". 

2. ,,Da stand er auf und kam in das Land 
Israel.'' 

3'. Weil Archelaus, der Sohn des Herodes, iii 
Judäa herrschte, zog er sich nach Nazareth zurück. 

Das Leben Christi unseres Herrn vom zwölften 

bis zum di»eifeigsten Lebensjahr*. 

(Luk 2, 51—52; Mark 6, 3). 

1. Er war gehorsam seinen Eltern. 
' 2. „Er nahm zu an AVeisheit, Älter ^nd 
Gnade." 

3. Er scheint das Handwerk eines Zimmer- 
manns ausgeübt zu haben, wiö im sechsten Ka- 
pitel der heilige Markus andeutet: „Ist er nicht 
der, Zimmermann?",^ 



Geheimnisse aus dem Leben Christi l2J 

Das Auftreten des zwölfjährigen Christus im 

Tempel. 

(Luk 2, 41— 50). 

1. Da Christus unser Herr zwölf Jahre alt war, 
zog er von Nazareth hinauf nach Jerusalem. 

2. Christus unser Herr blieh in Jerusalem .und 
?eine Eltern wußten es nicht. 

i 3. Nach : Ablauf von drei Tagen fanden sie 
ihn im Tempel in Wechselrede, mitten unter den 
Lehrern sitzend. Und als seine Eltern ihn fragten, 
wo er gewesen sei, gab er zur Antwort: „Wußtet 
ihr nicht, daß ich in dem sein muij, was meines 
Vaters ist? 'f 

Die Taufe Christi. 

(Matth 3, 13— 17; Mark 1, 9-12). ,^ 

1. Nachdem Christus unser Herr von seiner 
gebenedeiten Mutter Abschied genommen hatte, 
kam er von Nazareth an den Jordanfluß, wo 
der heilige Johannes der Täufer sich befaaid. 

2. Der heilige Johannes taufte Christus unseren 
Herrn und als jener sich entschuldigen wollte, 
weil er sich für unwürdig hielt, ihn zu taufen, 
spricht Christus zu ihm: „Laß es jet2t nur ge- 
schehen; denn so geziemt es sich für uns, daß wir 
alle Gerechtigkeit erfüllen". 

3. Es stieg der. Heilige Geist herab und die 
Stimme des Vaters bezeugte vom Himmel : „Dieser 
ist mein geliebter.. Sohn, an dem ich mein Wohl^ 
gefallen habe". :■ :; : 



122 Geheimnisse aus dem Leben Christi 

Die Versuchung Christi. 

(Luk 4, 1—18; Matth 4, 1—11; Mark t, i2—t3). 

1. Nachdem Christus getauft war, zog er in 
die Wüste, wo er vierzig Tage und vierzig 
Nächte fastete. 

2. Er wurde vom Feinde dreimal versucht. 
„Es trat der Versucher an ihn heran und sprach 
zu ihm: , Wenn du der Sohn Gottes bist, so 
sprich, daß diese Steine Brot werden; stürze 
dich von hier hinab; alles das, was du siehst, 
will ich dir geben, wenn du zur Erde nieder- 
fällst und mich anbetest'". 

3. „Es traten die Engel hinzu und dienten ihm". 

Die Berufung der Apostel. 

{Matth 4, 18-22; 9, 9; 10, 1—4; Mark 1, 16— 20; 
3,13-19; 2, 13-14; Luk 5, 1—11. 27-32; 6, 12-16; 

Joh 1, 35—51). 

1. Dreimal seheinen der heilige Petrus und 
der heilige Andreas berufen worden zu sein : das 
€rste Mal, um mit detn Herrn in etwa bekannt zu 
v\^erden, das erhellt aus dem ersten Kapitel des 
heiligen Johannes; das zweite Mal, um Christus 
einigermaßen nachzufolgen mit dem Vorsatz, 
wieder zum Besitz dessen, was sie verlassen 
hatten, zurückzukehren, wie der heilige Lukas 
im fünften Kapitel erzählt; das dritte Mal. um 
Christus unserem Herrn auf immer zu folgen, so 
der heilige Matthäus im vierten und der heilige 
Markus im ersten KapiteF. 



Geheimnisse aus dem Leben Christi 123 

2. Er berief PMlippus. wie im ersten Kapitel 
des heiligen Johannes mitgeteilt ist, und Matthäus, 
wie Matthäus selbst im neunten Kapitel erzählt^. 

3. Er berief die übrigen Apostel, deren beson- 
dere Berufung aber das Evangelium nicht erwähnt. 

Dazu sind noch drei andere Dinge zu erwägen: 
, erstens, daß die Apostel von ungebildetem und 
niedrigem Stande waren; 

zweitens die Würde, zu der sie so liebevoll 
berufen wurden: 

drittens die Gaben und Gnaden, zu denen sie 
über alle Väter des Neuen und Alten Testamentes 
erhoben wurden. 

Das erste Wunder auf der Hoißhzeit zu Kana 

in Galiläa. 
(Joh 2, 1—11). 

1. Christus unser Herr war mit seinen Jün- 
gern zur Hochzeit geladen. 

2. Die Mutter macht den Solm auf den Mangel an 
Wein aufmerksam, indem sie spricht: „Sie haben 
keinen Wein mehr" und sie trug den Dienern 
auf: „Tut, was immer er euch sagen wird". 

3. „Er verwandelte das Wasser in Wein, und 
er offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger 
glaubten an ihn". 

Christus treibt die Verkäufer aus dem Tempel. 

(Joh 2, 13—21). 

1. Er trieb alle, die feilhielten, mit einer aus 
Stricken geflochtenen Geißel zum Tempel hinaus. 



124 Geheimnisse aus dem Leben Christi 

2. Er stützte die Tische und die Geldhaufen der 
reichen Wechsler um, die da.im Tempel waren. 

3. Zu den Armen, die Tauben verkauften, sagte 
er sanft: „Schaffet diese Dinge fort von hier 
und machet nicht mein Haus zu einem Kauf ^ 
haus". 

Die Bergpredigt Christi. 
(Matth 5, 1—12; 16. 44; Luk 6, 17-49). ; 

i; Zu seinen geliebten Jüngern im besonderen 
spricht er von den acht Seligkeiten: ,, Selig die 
Armen im Greiste, . die Sanftmütigen, die Barm- 
herzigen, die Trauernden, die, welche Hunger 
und Durst nach der Gerechtigkeit haben, die 
reinen Herzens sind, die Friedfertigen und di-e^ 
welche Verfolgung leiden". , 

2. Er ermahnt sie, ihre Talente gut zu ge- 
brauchen: ,,So soll euer Licht vor den Menschen 
leuchten, auf daß sie euere guten Werke sehen 
und eueren Vater preisen, der im^ Himmel ist". 

3. Er erweist sich nicht als Übertreter des 
Gesietzes, sondern als Vollender, indem er das 
Gebot, nicht zu töten, nicht Ehebruch zu be- 
gehen, keinen Meineid zu schwören und die 
Feinde zu lieben, erklärt: „Ich sage euch, liebet, 
euere Feinde und tuet Gutes denen, die euch 
hassen". 

Christuö stillt den Meeressturm. 

(Matth 8, 23—27; Mark 4, 35-40; Luk 8, 22-26). 

:!:1. Während Christus unser Herr auf dem Meere 
schlief, erhob sich ein heftiger Sturm.. 



£4 



Geheimnisse aus dem Leben Christi 125 

2. Seine Jünger, von Schrecken erfaßt, weck- 
ten ihn auf. Er tadelt sie wegen des geringen 
-Glaubens, den sie hatten, und spricht zu ihnen: 
^, Was seid ihr denn furchtsam, ihr Kleinmütigen? 

3 Er gebot den Winden und dem Meere, daß 
sie stille seien. Und da nun jene aufhörten, ward 
das Meer ruhig, worüber sich die Menschen wun- 
derten, indem sie sprachen: ,,Wer ist der, daß 
ihm der Wind und das Meer gehorchen?" 

Christus wandelt auf dem Meev. 

(Matth 14, 22—23; Mark 6, 45—52; Joh 6, 15—21). 

1. Als Christus unser Herr auf dem Berge 
weilte, ließ er seine Jünger in das Schifflein 
steigen. ,,ünd als die Menge entlassen war, be- 
gann er allein zu beten". 

2. Das Schiff lein wurde von den Wellen hin 
nnd hergeworfen, da kommt Christus auf dem 
Wasser wandelnd auf dasselbe zu; die Jünger 
■aber glaubten, es sei ein Gespenst. 

3. Als Christus zu ihnen sprach: ,,Ich bin es, 
fürchtet euch nicht!", kam der heilige Petrus auf 
sein Geheiß auf dem Meere wandelnd zu ihm; als 
•er jedoch zweifelte, begann er zur sinken, aber 
Christus unser Herr rettete ihn und verwies ihm 
seinen geringen Glauben. Und wie er darauf 
das Schiff lein bestieg, legte sich der Wind, f 

: Die Aussendiiiig der Apostel zum Predigen. 

iMatth 10, 1— 42; 11, 1; Mark 6, 7—13;Luk9, 1-6). 

1 . Christ US ruft seine geliebten Jünger und 
^ibt ihnen die Macht, die bösen Geister aus den 



126 Geheimnisse aus dem Leben Christi 

Leibern der Menschen auszutreiben und alle Krank- 
heiten zu heilen. 

2. Er belehrt sie über . die Klugheit und die 
Geduld: ,, Sehet, ich sende euch wie Schafe mitten 
unter Wölfe. Darum seid klug wie Schlangen 
und einfältig wie Tauben". 

3. Er unterweist sie über die Art, wie sie 
reisen sollen: „Ihr sollt weder Gold noch Silber 
besitzen ; was ihr umsonst empfanget, gebet um- 
sonst wieder hin". Auch 2;ab er ihnen den Ge- 
genstand an,' über den sie predigen sollten: 
,, Gehet und predigt und sagt: Das Himmelreich 
ist bereits nahe gekommen". 

Die Bekehrung Magdalenas. 

(Luk 7, 36—50). 

1. Als Christus unser Herr zu Tische saß 
im Hause des Pharisäers, tritt Magdalena dort 
ein; sie trägt ein Alabastergefäß voll von 
SailDe. 

2. Sie trat hinter den Herrn zu seinen Füßen 
und begann sie mit Tränen zu benetzen und 
trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes und 
sie küßte seine Füße und salbte sie mit der 
Salbe. 

3. Als der Pharisäer Magdalena beschuldigte, 
da spricht Christus zu ihrer Verteidigung die 
Worte: ,,Ihr werden viele Sünden vergeben, weil 
sie viel geliebt hat; und er sagte zu dem 
Weibe: ,Dein Glaube hat dir geholfen, gehe hin 
in Frieden'". 



Geheimnisse aus dem Leben Christi 127 

Christus unser Herr speist fünftausend 

Menschen®. 

(Matth 14, 13— "21; Mark 6, 30-44; Lak 9, 10-17; 

Joh 6, 1-13). 

1. Als es bereits spät wurde, bitten die Jün- 
ger Christus, daß er die Meiige der Leute, die 
um ihn waren, entlasse. 

2. Christus unser Herr ließ Brot bringen und 
er gebot, daß die Leute sich zum Essen lagerten. 
Und er segnete die Brote, brach sie und ga]> 
sie seinen Jüngern und die Jünger gaben sie 
der Menge. 

3. ,,Sie aßen und wurden satt. und es blieben 
noch zwölf Körbe Brotes übrig". 

Die Verklärung Christi. 

(Matth 17, 1—9; Mark 9, 1-8; Lak 9, 28-36; 

2 Petr 1, 16-18). 

1. Christus unser Herr nahm als seine Be- 
gleiter seine geliebten Jünger Petrus, Jakobus 
und Johannes und „er wurde verklärt und sein 
Antlitz leuchtete wie die Sonne und sejine Kleider 
wie der Schnee". 

2. Er redete mit Moses und Elias. 

3. Als der heilige Petrus sagte, man solle drei 
Hütten bauen, erscholl eine Stimme vom HimmeU 
die sprach: „Dieser ist mein geliebter Sohn, auf 
ihn sollt ihr hören **; als seine Jünger diese 
Stimme vernahmen, fielen sie vor. Furcht auf ihr 
Antlitz; Christus unser Herr aber berührte sie 
und sprach zu ihnen: „Steht auf und habet kein© 



1:28' Geheimnisse aus dem Leben Christi 

Furcht. Saget niemand dieses Oesicht, bis der 
Menschensohn aufersteht^'. 

Die Auferstehung des Lazarus. 

(Joh 11, 1—45). 

1. Martha und Maria geben Christus unserem 
Herrn Nachricht von der Krankheit des Lazarus. 
Als er sie vernommen, blieb er noch zwei Tage 
zurück, damit das Wundei* um so offenbarer sei^ 

2. Bevor er ihn auf erweckt, fordert er von 
jeder der -beiden Schivestern^^, daß sie glauben, 
indem er spricht: ,, Ich bin die Auferstehung und 
das Leben; wer an micb glaubt, wird, auch 
w^enn er gestorben ist, leben'*. 

3. Nachdem er geweint und gebetet, weckt er 
ihn auf. Die Art aber, v^ie .er ihn auferweckte, 
war, daß er befahl: ,,Laza.rus, komm heraus!" 

Die Mahlzeit in Bethanien. 

(Matth 26, 6—10; Mar^ 14, 3-6; Joh 12, 1-8). 

1. Der Herr nimmt im Hause Simons des 
Aussätzigen zusammen mit Lazarus ein Abend- 
mahl. 

■ 2. Maria gießt die Salbe über das Haupt Christi 
aus. ■■.' 

3. Judas murrt und sagt : , ^Wozu diese , Ver- 
geudung der Salbe?'* Aber Christus entschuldigt 
ein zweites Mal Magdalena, indem er spricht : 
,, Warum behelligt ihr dieses Weib^ da sie eiii 
gutes Werk jän mir getan?'" 



Geheimnisse aus dem Leben Christi 129 

Palmsonntag. 

(Matth 21, 1—17; Mark 11, l—10;Luk 19, 29—38; 

Joh 12, 12—19), 

1. Der Herr sendet seine Jünger j daß sie die 
Eselin und das Füllen herbeiführen ^ indem er 
sagt: „Löset sie los und führet sie zu, mir; und 
wenn jemand euch etwas sagen sollte, so sprechet: 
,Der Herr braucht sie^ und sogleich wird er sie 
ziehen lassen". 

2. Er bestieg die Eselin, welche mit den Klei- 
dern der Apostel bedeckt war. 

3. Die Leute ziehen aus, um ihn zu empfangen, 
und sie breiten ihre Kleider und Zweige von den 
Bäumen auf dem Wege aus und rufen: ,, Rette 
uns, Sohn Davids! gebenedeit, der da kommt im 
Namen des Herrn; rette uns in der Höhe!''^^ 

Die Predigt im Tempel* 

(Luk 19, 47— 48; 2/, 37; 22, 53; Mark 11, 11), 

1, Er lehrte täglich im Tempel. 

2. Nach Beendigung der Predigt ging er nach 
Bethanien zurück, weil niemand war, der ihn in 
Jerusalem aufgenommen hätte. 



Dritte Woche. 

Das letzte Abendmahl. 
(Matth 26, 17—30; Joh 13, 1-38; Mark 14, 12-26; 

Luk 22,. 7 -38), 

. 1. Er aß das Abendmahl mit seinen zwölf 
Aposteln und sagte ihnen seinen Tod voraus: 

Ignatius v. Loyola. Geistl. Übungen. 2. Aufl. , 9 



130 Geheimnisse aus dem Leben Christi 

„In Wahrheit sage ich euch, einer wird mich 
verkaufen". 

1. Er wusch seinen Jüngern und auch dem 
Judas die Füße. Er fing bei Petrus an, der 
beim Gedanken an die Majestät des Herrn und 
seine eigene Niedrigkeit es nicht zulassen wollte 
und sagte: „Herr, du wäschest mir die Füße?" 
Aber Petrus wußte nicht, daß der Herr hierin 
ein Beispiel der Demut gab und deshalb sagte 
der Herr: ,,lch habe euch ein Beispiel gegeben^ 
auf daß ihr tuet, wie ich getan habe". 

3. Er setzte das hochheilige Opfer der Eucha- 
ristie als größtes Zeichen seiner Liebe ein, indem 
er sprach: ,, Nehmet hin und esset*'. Als das 
Abendmahl beendet war, geht Judas hinaus, um 
Christus unseren Herrn zu verkaufen. 

Die Geheimnisse vom Abendmahl bis znm 
Garten einschließlich. 

(Matth 26 30—46; Mark 14, 26— 42; Luk 22, 39— 

46; Joh 18, 1). 

1* Als das Abendmahl beendet war und der 
Herr den Lobgesang gebetet, ging er mit seinen 
Jüngern, die voll Furcht waren, hinaus zum Öl- 
berg, und ließ acht von ihnen in Gethsemani 
zurück mit den Worten: ,, Setzt euch hier nieder^ 
indes ich dorthin gehe, um zu beten". 

2. Begleitet vom heiligen Petrus, dem heiligen 
Jakobus und dem heiligen Johannes betete er 
dreimal zum Herrn, indem er sprach: „Vater, 
wenn es geschehen kann, so gehe dieser Kelch 



Geheimnisse aus dem Leben Christi 131 

an mir vorüber; gleichwohl geschehe nicht mein 
Wille, sondern der deine"; und als er in Todes- 
angst geriet, betete er länger. 

3. Er kam in so große Furcht, daß er sprach: 
,, Traurig ist meine Seele bis zum Tode"/^. Und 
er schwitzte so reichlich Blut, daß der heilige 
Lukas sagt: „Sein Schweiß war wie Blutstropfen, 
die auf die Erde rannen*', was schon voraussetzt, 
daß seine Kleider voll Blut waren. 

Die Geheimnisse vom Garten bis zum Hause 
des Annas einschließlich. 

(Matth 26, 47—58. 69—70; Luk 22, 47—57; Mark 14, 
48—54; Joh 18, 2-23). 

1. Der Herr läßt sich von Judas küssen und 
von den Schergen wie einen Räuber gefangen 
nehmen und er sprach zu ihnen: ,jWie gegen einen 
Räuber seid ihr ausgezogen mit Knütteln und 
Waffen, um mich gefangen zu nehmen, während 
ich Tag für Tag bei euch im Tempel saß und lehrte, 
und da habt ihr mich nicht ergriffen". Und als 
er ihnen sagte: ,,Wen suchet ihr?",, da . fielen 
die Feinde zur Erde. 

2. Der heilige Petrus verwundete einen Knecht 
des Hohepriesters. Der sanfte Herr aber sagte 
zu ihm: ,, Stecke dein Schwert an seinen Platz" 
und er heilte die Wunde des Knechtes. 

3. Verlassen von seinen Jüngern wird er zu 
Annas geschleppt, wo der heilige Petrus, der 
ihm von weitem gefolgt war, ihn einmal ver- 
leugnete; und Christus erhielt einen Backenstreich 

9* 



132 Geheimnisse aus dem Leben Christi 

9)on einem j der zu ihm sprach: ,,So antwortest 
du dem Hohepriester?" 

Die Geheimnisse vom Hause des Annas bis zum 
Hanse des Kaiphas einschließlich. 

iMaüh 26, 57-75; Mark U, 53-72; Luk 22, 54- 

65; Joh 18, 24-27). 

1. Sie schleppen ihn gebunden vom Hause des 
Annas zum Hause des Kaiphas, wo der heilige 
Petrus ihn zweimal verleugnete, aber von einem 
Blicke des Herrn'getroffen ,,ging er hinaus und 
weinte bitterlich". 

2. Jesus blieb jene ganze Nacht gebunden. 

3. Überdies verhöhnten ihn die, welche ihn 
gefangen hielten, und schlugen ihn und verhüll- 
ten ihm das Antlitz und gaben ihm Backen- 
streiche; und sie fragten ihn: ,, Weissage uns, 
wer ist es, der dich geschlagen hat? und ähn- 
liche Lästerungen stießen sie gegen ihn aus". 

Die Geheimnisse vom Hanse des Kaiphas bis 
zn dem des Pilatus einschließlich. 

(Matth 27, 1—2. 11—26; Luk 23, 1—5, 13-25; 
Mark 15, 1—15; Joh 18, 28-40). 

1. Die ganze Volksmenge der Juden schleppt 
ihn zu Pilatus und vor diesem klagen sie ihn an 
mit den Worten: „Diesen haben wir dabei be- 
troffen, wie er unser Volk zu verderben suchte 
und verbot, dem Kaiser Steuern zu entrichten". 

2. Nachdem Pilatus ihn wiederholt verhört 
hatte, spricht er: „Ich finde keine Schuld". 



Geheimnisse aus dem Leben Christi 133 

3. Es wurde ihm Barrabas der Räuber vor- 
gezogen. „Sie schrieen alle und riefen: ,Nicht 
diesen gib frei, sondern den Barrabas I'". 

Die G^eheimnisse vom Hanse des Pilatus bis zn 

dem des Herodes. 

(Lük 23, 6-10). 

1. Pilatus scMckte Jesus als Galiläer zu Hero- 
des, dem Vierfürsten von Galiläa. 

2. Herodes fragte ihn in seiner Neugierde 
vieles. Er aber antwortete ihm nichts, obgleich 
die Schriftgelehrten und Priester ihn beständig 
beschuldigten. 

3. Herodes ließ ihm ein weißes Kleid an- 
ziehen und verspottete ihn mit seinem Gefolge. 

Die Geheimnisse vom Hanse des Herodes bis 

zu dem des Pilatus. 

(Matth 27, 26—30; Luk 23, 12. 16—22; Mark 15, 
15—19; Job 19, 1-6). 

1. Herodes sendet ihn zurück zu Pilatus, wes- 
halb sie Freunde wurden, die zuvor Feinde waren. 

2. Pilatus ließ Jesus ergreifen und ihn geißeln. 
Die Soldaten flochten eine Dornenkrone, und 
setzten sie auf sein Haupt. Und sie bekleideten 
ihn mit Purpur und traten zu ihm und sprachen: 
,,Sei gegrüßt, König der Juden!'', und sie gaben 
ihm Backenstreiche. 

3. Er führte ihn heraus vor aller Augen. 
„Jesus ging also heraus mit der Dornenkrone 
und dem Purpurmantel. Und es sprach Pilatus 



134 Geheimnisse aus dem Leben Christi 

zTi ihnen: , Sehet, welch ein Mensch!' '^ und als 
die Hohepriester ihn sahen, schrieen sie und 
riefen: „Kreuzige, kreuzige ihn!". 

Die Geheimnisse vom Hause des Pilatus bis 
zum. Kreuze einschließlich. 

(Joh 19, 13-22; Matth 27, 26. 31— 33; Mark 15, 
^ 20—22. 26-28; Luk 23, 24-26. 32. 33. 38). 

1. Pilatus, zu Grerichte sitzend, üherlieferte 
ihnen Jesus, auf daß sie ihn kreuzigten; die Juden 
hatten ihn nämlich vorher als König verleugnet, 
indem sie riefen: ,,Wir haben keinen König als 
den Kaiser''. 

2. Er trug das Kreuz auf den Schultern und, da 
er es nicht zu tragen vermochte, wurde Simon von 
Cyrene gezwungen, es hinter Jesus herzutragen. 

3. Sie kreuzigten ihn in der Mitte zweier 
Eäuher und hefteten diese Aufschrift an: ,, Jesus 
von Nazareth, König, der Juden". 

Die Geheimnisse am Kreuze ^^ 

(Joh 19, 23-37; Matth 27, 35-59; Mark 15, 24-38; 
/ Luk 23, 34-46). 

1. Er sprach die sieben Worte am Kreuze; 
er bat für die, die ihn kreuzigten; er vergab 
dem Schacher, er empfahl dem heiligen Johannes 
seine Mutter und der Mutter den heiligen Johan- 
nes; er rief mit lauter Stimme: ,,Ich dürste" und 
sie reichten ihm Galle und Essig; er sagte, daß 
er verlassen sei; er sprach: ,, Es ist vollbracht"; 
er rief: ,, Vater, in deine Hände empfehle ich 
meinen Geist". 



Geheimnisse aus dem Leben Christi 135 

2. Die Sonne ward verfinstert, die Felsen 
fspalteten sich, die Gräber öffneten sich, der Vor- 
hang des Tempels riß von oben nach unten 
entzwei. 

3. Sie lästerten ihn und sprachen: ,,Du bist 
-es alsOj der den Tempel Gottes zerstört ; steige 
Tom Kreuze herab !^' Es wurden seine Kleider 
verteilt und seine Seite mit der Lanze durch- 
stochen, und es floß Wasser und Blut heraus. 

Die Geheimnisse vom Kreuz bis zum Grabe 

einschließlich. 

<Joh 19, 38—42; Matth27, 67-66; Mark 15, 42-47; 

Luk 23, 50—56). 

1. Er ward vom Kreuze herabgenommen durch 
Joseph und Nikodemus, vor den Augen seiner 
schmerzerfüllten Mutter^*. 

2. Sein Leib wurde zum Grabe gebracht, ge- 
salbt und begraben. 

3. Es wurden AV ächter aufgestellt. 



Vierte Woche. 

Die Auferstehung Christi unseres Herrn 
Seine erste Erscheinung. 

Zuerst erschien er der Jungfrau Maria. Ob 
gleich dies nicht in der Heiligen Schrift ausdrack- 
lich gesagt wird, so betrachtet man es doch 
als mitgesagt, da berichtet wird, er sei so vielen 



136 Geheimnisse aus dem Leben Christi 

anderen erschienen*. Denn die Schrift setzt vor- 
aus, daß wir verständige Einsicht haben, wie 
geschrieben steht: ,,Seid auch ihr ohne Eiiir 
sicht?''^ 

Zweite Erscheinung. 

(Mark 16, 1—11 ; Maiih 28, 1-7; Luk 24, 1-8; 

Joh 20, 1. 11—18), 

i. Sehr früh am Morgen gehen Maria Magda- 
lena. Maria, des Jakobus Mutter j und Salome 
zum Grabmal und sagen: „Wer wird uns den 
Stein vom Eingange zur Grabstätte wegwälzen?'* 

2. Sie sehen den Stein weggewälzt und den 
Engel, der spricht: ,,Ihr suchet Jesus von Na- 
zareth? er ist bereits auferstanden, er ist nicht 
hier". 

3. Er erschien der Maria, die beim Grab blieb, 
als die anderen weggegangen waren. 

Dritte Erscheinnng. 

(Matth 28, 8—10; Mark 16, 1-8 Luk 24, 9-11. 

22-23). 

i. Die beiden Maria gehen mit Furcht und 
großer Freude vom Grabe weg, da sie den Jün- 
gern die Auferstehung des Herrn verkünden 
wollen. 

2. Christus unser Herr erschien ihnen auf dem 
Wege und sagte zu ihnen : , ,Seid gegrüßt ! " ; und 

* vgl Apg 1, 2—3; 1 Kor 15, 4— 8. — »> vgl Matth 
15, 16. 



Geheimnisse aus dem Leben Christi 137 

sie traten hinzu, fielen nieder zu seinen Füßen 
und beteten ihn an. 

3. Jesus spricht zu ihnen : „Fürchtet euch nicht ! 
Gehet hin und verkündet es meinen Brüdern, 
daß sie nach Galiläa gehen ; denn dort werden 
sie mich sehen". 

Vierte Erscheinung. 

(Luk 24, 12. 33—34; Joh 20, 1-10; 1 Kor 15, 5). 

1. Als der heilige Petrus von den Frauen ge- 
hört hatte, Christus sei auferstanden, ging er 
eilends zum Grabe. 

2. Als er in das Grab trat, sah er nur die 
Linnen, in die der Leib Christi unseres Herrn 
eingehüllt war, und sonst nichts. 

3. Als der heilige Petrus über diese Dinge 
nachsann, erschien ihm Christus und darum sagten 
die Apostel: ,, Der Herr ist wahrhaft auferstan- 
den und dem Simon erschienen". 

Fünfte Erscheinung. 

(Luk 24, 13—35; Mark 16, 12—13), 

1. Er erscheint den Jüngern, die nach Em- 
maus gingen und von Christus sprachen. 

2. Er weist sie zurecht und zeigt ihnen aus 
der Schrift, d aß Christu s sterb en Und auferstehen 
mußte. „0 ihr Unverständigen, wie zaghaften 
Herzens seid ihr, um all das zu glauben, was die 
Propheten verkündet haben I Mußte nicht Christus 
leiden und so in seine Herrlichkeit eingehen?" 



138 Geheimnisse aus dem Leben Christi 

3. Auf ihre Bitten bleibt er dort zurück und 
weilte mit ihnen, bis er ihnen die Kommunion 
reichte und verschwand. Sie aber kehrten zu- 
rück und erzählten den Jüngern, wie sie ihn bei 
der heiligen Kommunion erkannt hätten. 

Sechste Erscheinung. 

(Job 20, 19—23; Mark 16, 14; Luk 24, 36-45; Apg 
10, 40-41; 1 Kor 15, 5), 

1. Die Jünger waren versammelt aus Furcht 
vor den Juden mit Ausnahme des heiligen Thomas. 

2. Jesus erschien ihnen, während die Türen 
verschlossen waren, und indem er mitten unter 
ihnen steht, spricht er: ,,Der Friede sei mit euch". 

3. Er teilt ihnen den Heiligen Geist mit, in- 
dem er zu ihnen spricht: ,, Empfanget den Hei- 
ligen Geist; denen ihr die Sünden nachlassen 
werdet, denen sind sie nachgelassen' 



.<•(■ 



Siebeute Erscheinung. 

(Job 20, 24—29). 

1. Da der heilige Thomas bei der vorigen Er- 
scheinung abwesend war, ist er ungläubig und 
sagt: ,,Wenu ich es nicht gesehen habe, werde 
ich es nicht glauben". 

2. Jesus erscheint ihnen acht Tage danach bei 
verschlossenen Türen und er sagt zum heiligen 
Thomas: ,,Lege deinen Finger her und siehe die 
Wahrheit und sei nicht ungläubig, sondern gläubig". 

3. Der heilige Thomas glaubte und rief: ,,Mein 
Herr und mein Gott!" Und Christus sagte zu 



Geheimnisse aus dem Leben Christi 139 

ihm: ,, Selig sind, die nicht gesehen und doch 
geglaubt haben^'. 

Achte Erscheinung. 

(Joh 21, 1—17). 

1. Jesus erscheint sieben seiner Jünger, die 
am Fischen waren und die ganze Nacht nichts 
gefangen hatten.. Als sie aber auf sein Geheiß 
das Netz auswarfen, „konnten sie es nicht ziehen 
vor der Menge der Fische''. 

2. An diesem Wunder erkannte ihn der heilige 
Johannes und er sagte zum heiligen Petrus: „Es 
ist der Herr'' und jener warf sich ins Meer und 
kam zu Christus. 

3. Er gab ihnen ein Stück von einem gebra- 
tenen Fisch und eine Honigscheibe ^^ zu essen. 
Und er empfahl dem heiligen Petrus seine Schafe, 
nachdem er dreimal die Frage gestellt, ob er 
ihn liebe, und er spricht zu ihm: ,, Weide meine 



Neunte Erscheinung. 

(Matth 28, 16—20; Mark 16, 15-18; Luk 24, 46-49). 

1. Die Jünger begeben sich auf des Herrn 
Geheiß auf den Berg Thabor^^. 

2. Christus erscheint ihnen und sagt: „Mir ist 
alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden''. 

3. Er sandte sie in die ganze Welt, um zu 
predigen, indem er sagte: „Gehet hin und lehret 
alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters 
und des Sohnes und des Heiligen Geistes". 



140 Geheimnisse aus dem Leben Christi 

Zehnte Erscheiniing. 

(1 Kor 15, 6). 

,, Danach wurde er gesehen von mehr als fünf- 
hundert Brüdern auf einmal". 

Elfte Erscheinung. 

(1 Kor 15, 7). 

„Er erschien danach dem heiligen Jakobtis". 

Zwölfte Erscheinung. 

Er erschien dem Joseph von Arimathäa, wie 
frommerweise betrachtet und im Leben der Hei- 
ligen gelesen wird. 

Dreizehnte Erscheinung. 

(1 Kor 15, 8; Eph 4, 8-9; 1 Peir 3, 18-20; Apgl, 3)- 

Er erschien dem heiligen Paulus nach der 
Himmelfahrt. ,, Zuletzt erschien er auch mir wie 
einer unzeitigen Geburt^'. Er erschien in seiner 
Seele auch den heiligen Vätern der Vorhölle. 
Und nachdem er sie von dort fortgeführt und 
seinen Leib wieder angenommen hatte, erschien 
er zu vielen Malen den Jüngern und verkehrte 
mit ihnen^^. 

Bie Himmelfahrt unseres Herrn. 

(Apg 1, 1—12; Mark 16, 19-20; Lak 24, 46-52; 

1 Peir 3, 22). 

1. Nachdem er während des Zeitraumes von 
vierzig Tagen den Aposteln erschienen war und 
viele Beweise und Zeichen gegeben und vom 



Geheimnisse aus dem Leben Christi 14:1 

Reiche Gottes gesprochen hatte, trug er ihnen 
auf, zu Jerusalem den verheißenen Heiligen Geist 
zu erwarten. 

2. Er führte sie auf den Ölberg „und in 
ihrer Gegenwart wurde er erhoben und eine Wolke 
entzog ihn ihren Augen' ^ 

3. Während sie zum Himmel hinaufschauen, 
sprachen die Engel zu ihnen: ,, Männer von Galiläa, 
was stehet ihr da und schauet auf zum Himmel? 
Dieser Jesus, der aufgenommen ist vor eueren 
Augen zum Himmel, wird ebenso wiederkommen, 
wie ihr ihn sähet auffahren zum Himmel". 



Regeln für die Untersdieidung der Geister^. 

Regeln, um emigermaßen die verschiedenen Ke- 
gungen, die in der Seele hervorgerufen werden, 
zu gewahren und zu erkennen : die guten, um sie 
zuzulassen, die schlechten, um sie abzuweisen. 
Die Regeln sind mehr geeignet für die erste 

Woche. 

Regel 1. Denen, die von einer Todsünde zur 
anderen schreiten, pflegt der böse Feind gewöhn- 
lich scheinbare Freuden vor Augen zu führen^ 
indem er bewirkt, daß sie sich sinnliche Genüsse 
und Lüste vorstellen, damit er sie um so mehr in 
ihren Lastern und Sünden erhalte und weiter führe. 
Der gute Geist hingegen befolgt bei solchen 
Personen das entgegengesetzte Verfahren, indem 
er sie : ständig beunruhigt und ihnen durch die 
innere Stimme der Vernunft Gewissensbisse er- 
regt. 

2. Bei denen, die eifrig bestrebt sind, sich 
von ihren Sünden zu reinigen und im Dienste 
Gottes unseres Herrn vom Guten zum Besseren 
aufzusteigen, ist die Art des Verfahrens der 
in der ersten Regel beschriebenen Art entgegen- 
gesetzt. Dann ist es nämlich dem bösen Feind 
eigen, Gewissensangst zu erregen, traurig zu 
stimmen und Hindernisse zu bereiten, indem er 



Regeln f. d. Unterscheidung der Geister 143 

die Seele durch Scheingründe beunruhigt, damit 
sie nicht weiter voranschreite. Dem guten (rm^ 
hingegen ist es eigen, der Seele Mut und Kraft, 
Tröstungen, Tränen, Anregungen und Herzens- 
ruhe zu spenden, indem qt alles leicht macht 
und alle Hindernisse entfernt, damit sie im Gutes- 
tun immer weiter fortschreite. 

3. Vom geistlichen Tröste 2. Trost nenne ich 
es, wenn in der Seele eine innere Regung ge- 
weckt wird, wodurch die Seele in der Liebe ihres 
Schöpfers und Herrn zu entbrennen beginnt und 
wenn sie demzufolge kein geschaffenes Weseü 
auf dem Antlitz der Erde um seiner selbst willen, 
sondern nur im Schöpfer aller Dinge zu lieben ver- 
mag. Desgleichen, wenn der Mensch Tränen ver- 
gießt, die ihn zur Liebe seines Herrn anregen, sei 
es nun aus Schmerz über seine Sünden oder über 
das Leiden Christi unseres Herrn oder über andere 
Dinge, die sich unmittelbar auf den Dienst und 
das Lob Gottes beziehen. Schließlich nenne ich 
Trost jeden Zuwachs an Hoffnung, Glaube und 
Liebe und jede innere Freude, die den Menschen 
zu den himmlischen Dingen und zum Wirken an 
seinem eigenen Seelenheil hinruft und hinzieht, 
indem sie der Seele Euhe und Friede in ihrem 
Schöpfer und Herrn spendet. 

4. Von der geistlichen Trostlosigkeit. Ichheiße 
Trostlosigkeit alles, was (^em in der dritten Regel 
Gesagten entgegengesetzt ist, wie Finsternis der 
Seele, Verwirrung in ihr, Hinneigung zu niedrigen 
und irdischen Dingen, Unruhe infolge verschie- 



144 Regeln f. d. Unterscheidung der Geister 

dener Aufregungen und Versuchungen, die zum 
Mißtrauen ohne Hoffnung, ohne Liebe hintreiben, 
wobei sich die Seele ganz träge, lau, traurig 
und gleichsam von ihrem Schöpfer und Herrn los- 
getrennt fühlt. Denn wie der Trost das Gegen- 
teil der Trostlosigkeit bildet, so sind auch die 
Gedanken, die aus dem Tröste hervorgehen, den 
Gedanken, die aus der Trostlosigkeit entstehen, 
entgegengesetzt. 

5. Zur Zeit der Trostlosigkeit soll man nie- 
mals eine Änderung treffen, sondern fest und 
beharrlich bei seinen Vorsätzen und der Willens- 
entschließung bleiben, die man an dem der Trost- 
losigkeit vorhergehenden Tage getroffen hatte, 
oder auch bei der Willensentschließung, die man 
zur Zeit des voraufgegangenen Trostes gefaßt 
hatte^. Denn gleichwie uns zur Zeit des Trostes 
mehr der gute Geist führt und berät, so zur Zeit 
der Trostlosigkeit der höse Geist ^ auf dessen Rat- 
schläge hin wir nie den Weg finden können, um 
recht zu handeln. 

6. Obschon wir zur Zeit der Trostlosigkeit 
die früheren Vorsätze nicht ändern dürfen, so 
ist es doch sehr ersprießlich, unser Verhalten ent- 
schieden zu ändern, indem t«?*r gegen die Trost- 
losigkeit selbst vorgehen, z. B. dadurch, daß wir 
eifriger das Gebet, die Betrachtung pflegen, uns 
viel erforschen und in angemessener Weise etwas 
mehr an Buße tun. 

7. Wer sich in Trostlosigkeit befindet, soll 
bedenken, wie der Herr ihn der Prüfung halber 



V •, 



Regeln f/ d. ' Üriterscheidüng der Geister • 145 

bei seinen natürlichen Kräften belassen hat, da- 
mit er auch so den verschiedenen Anreizungen 
•und Versuchungen des Feindes widerstehe. Dies 
vermag er nämlich mit dem göttlichen Beistand, 
der ihm immer verbleibt, wenn er denselben auch 
nicht offenbar fühlt, da ihm der Herr zwar seinen, 
starken Eifer, die groÜQ fühlbare Liebe und die 
überreiche Gnade entzogen hat, jedoch so, daß 
ihm die zum ewigen Heil ausreichende Gnade 
verbleibt. 

8. Wer sich in der Trostlosigkeit befindet, 
soll sich mühen, in Geduld auszuharren, die den 
über ihn hereinbrechenden Heimsuchungen ent- 
gegenwirkt, und er 'möge bedenken, daß er bald 
wieder des Trostes teilhaftig werde, dabei aber 
auch die Maßregeln gegen derartige Trostlosig- 
keit anwenden, wie es in der sechsten Regel 
angegeben wurde. 

9. Es sind besonders drei Ursachen, derent- 
wegen wir uns in Trostlosigkeit finden,. Erstens, 
weil wir lau, träge und nachlässig in unseren 
geistlichen Übungen sind, und so wegen unserer 
Fehler der geistliche Trost uns fern bleibt. Zwei- 
tens, damit uns ö^oi^j^ prüfe, wie viel wir ver- 
mögen und wie weit wir in seinem Dienste und 
seinem Lobe voranschreiten ohne eine so große 
Belohnung von Tröstungen und besonderen Gna- 
denerweisen. Drittens, weil 6ro# uns eine wahre 
Einsicht und Erkenntnis verleihen will, auf daß 
wir recht innewerden, es stehe nicht in unserer 
Macht, große Andacht, überwallende Liebe, Tränen 

Ignatius v. Loyola. Geistl. Übungen. 2. Aufl, 10 



146 Regeln f. d. Unterscheidung der Geister 

oder irgead eine andere geistliclie Tröstung zu 
erlangen oder zu bewahren, sondern es sei alles 
nur ein Geschenk und eine Gnade Gottes unseres 
Herrn, und damit wir nicht sozusagen xmserJ^ est 
auf fremdem Boden hauen*, indem wir uns im 
Geiste zu irgendwelchem Stolze^ oder zu eitler 
Ehrsucht erheben und die Andacht oder die an- 
deren Wirkungen des geistlichen Trostes uns 
selbst zuschreiben. 

10. Wer sich im Zustande des Trostes befindet, 
möge erwägen, wie er sich zur Zeit der Trostlosig- 
keit, die später über ihn hereinbrechen wird, verhal- 
ten werde, und für jene Zeit neue Kräfte sammeln.. 

11. Wer sich des Trostes erfreut, sei bestrebt, 
sich zu demütigen und sich zu erniedrigeii, so 
viel er vermag, indem er bedenkt, wie wenig er 
zur Zeit der Trostlosigkeit vermag ohne solch 
eine besondere Gnade oder Tröstung. Wer sich 
dagegen in Trostlosigkeit befindet, soll bedenken, 
daß er viel vermag mit der Gnade, die hinreichend 
ist, allen seinen Feinden zu widerstehen, , indem 
er nämlich die Kräfte findet bei seinem Schöpfer 
und Herrn^ 

12. Der böse Feind benimmt sich wie ein 
Weib, insofern er schwach ist bei fremder Ge- 
walt und stark bei freiem Willen^. Denn gleich- 
wie es dem Weibe, wenn es mit dem Mann 
streitet, eigen ist, den Mut zu verlieren und die 
Flucht zu ergreifen, sobald der Mann ihm fest 
die Stirne zeigt, und wie umgekehrt, wenn der 
Matm anfängt, den Mut zu verlieren und zu tiiehen, 



ilegeln f. d. Untersclieidung der ^Geister 147 

der Zorn, die Rachsucht und die Wut des Wei- 
bes sich steigern, und geradezu maßlos werden, 
so ist es auch dem bösen Feinde eigen, schwach 
zu werden und den Mut zu verlieren — so daß 
s^ine Versuchungen die Flucht ergreifen — , wenn 
dei^jenige, der den geistlichen Übungen obliegt, 
diesen Versuchungen fest die Stirne zeigt, und 
das gerade Gegenteil tut von dem^ tvozu sie an- 
reizen. Wenn dagegen der, welcher sich den 
geistlichen Übungen widmet, inmitten der Ver- 
suchungen anfängt, sich zu fürchten und den 
Mut zu verlieren, so gibt es auf der ganzen Erde 
kein so wildes Tier, wie der Feind der mensch- 
lichen Natur es ist m der mit überaus großer 
Bosheit unternommenen' Verfolgung seiner ver- 
worfenen Absichten. 

13. Desgleichen benimmt er sich wie ein fal- 
scher Liebhaber, insofern er verborgen bleiben 
und nicht entdeckt werden will. Denn gleichwie 
ein solch falscher Mensch, der mit seinen Zureden 
die Tochter eines braven Vaters oder die Galtin 
eines braven Ehegatten zu verführen sucht, seine 
Worte und Einflüsterungen geheim gehalten wissen 
will und gleichwie es ihm dagegen sehr mißfällt, 
wenn die Tochter dem Vater oder die Gattin 
dem Ehegatten seine gleisnerischen Worte, und 
seine schlechte Absicht aufdeckt — weil er leicht 
ersieht, daß er mit dem begonnenen Vorhaben 
nicht zum Ziele kommen kann — , so will und 
wünscht auch der Feind der menschlichen Natur, 
wenn er seine trügerischen Vorstellungen und 

10* 



148 Regeln f/d. Unterscheidung der Geister 

VorscMäge der gerechteu Seele einflüstert , daß 
sie insgeheim aufgenommen werden und geheim' 
bleib en . Wenn ab er die Seele dies dib en ihrem 
kundigen Beichtvater oder einer anderen in geist- 
lichen Dingen erfahrenen Person aufdeckt, die 
seihe Verführungskünste und boshaften Anschläge 
durchschaut, so grämt ihn das sehr; denn dar- 
aus entnimmt er, daß er mit seinem schon be- 
gonnenen Anschlag nicht zum Ziel kommen kanuj 
da seine Betrügereien offen zu Tage liegen; 

14. Er benimmt sich auch wie ein Heerführer, 
um den Platz, den er nehmen wül, zu bezwin- 
gen und auszurauben. Denn gleichwie ein Be- 
fehlshaber und Kriegsführer erst sein Lager auf- 
schlägt und die Befestigungen oder den Vertei- 
digungszustand einer Burg ausspäht und sie dann 
an der schwächsten Seite angreift, so sucht auch 
der Feind der menschlichen Natur auf Schleich- 
wegen von. allen Seiten alle unsere Tugenden 
^ auszukundschaften, die theologischen, die Haupt- 
tugenden und -diö sittlichen. Und wo er uns 
schwächer findet und hilfsbedürftiger hinsichtlich 
unseres ewigen Heiles, da greift er uns an und 
sucht uns zu überwältigen. 

Regeln zu demselben Zwecke, die zu einer ge- 
naueren Unterscheidung der Geister'' dienen und 
mehr der zweiten W oohe entsprechen ^.* 

Regel 1. Es ist Gott und seinen Engeln 
bei ihren Anregungen eigen, wahre Fröhlichkeit 

*vgl 1 Joh 4, 1. 



\Regeiii f. d. Unterscheiduhg der Geistier ; 149 

und. geistliciie Freude .mitzuteilen und alle Trau- 
rigkeit und Verwirrung, die der böse Feind der 
Seele einflößt , zu verTbännen. Diesem d agegen 
ist es eigen, gegen solche Fröhlichkeit und geist- 
liche Tröstung anzukämpfen, indem er Schein- 
gründe, Spitzfindigkeiten und unablässige Täu- 
schungen anwendet. 

2. Gott unserem Herrn all ein kommt es. zu, 
der Seele ohne vorausgehende Ursache Trost zu 
spenden. Denn nur dem Schöpfer ist es eigen, 
in der Seele ein- und auszugehen und in ihr 
seine Anregungen zu bewirken, indem er sie 
ganz zur Liebe seiner göttlichen Majestät hin- 
zieht. .Ich sage „ohne Ursache** d. h. ohne ir- 
gend welche vorhergehende Wahrnehmung oder 
Erkenntnis eines Gegenstandes, wodurch eine 
derartige Tröstung, ihr mittels der eigenen Ver- 
standes- und Willensakte zuteil werde. 

3. Mittels einQv vor herziehenden Ursache ver- 
mag ebenso der gute Engel wie der böse die Seele 
trösten, jedoch zu entgegengesetzten Zwecken: 
der gute Engel zum Fortschritt der Seele, auf 
daß. sie wachse und vom Guten zum Besseren 
aufsteige, der böse Engel zum Gegenteil und da- 
mit er sie schließlich zu seiner verworfenen 
Absicht und Bosheit hinzerre. 

4. Dem bösen Engel, der sich in einen Engel 
des Lichtes umwandelt'", ist es eigen, mit der from- 
men Seele einzutreten und mit sich selbst wieder 



^v^l 2 Kor 11, 14.. 



15Ö - Regeln f. d. Unterscheidung der Geister 

auszutreten^, das heißt, er pflegt evstgut^nndi 
heilige Gedanken, die einer solchen gerechten Seele 
entsprechen, einzuflößen und dann versucht er 
allmählich davonzuschleichen und dahei die Seele 
in seine versteckten Trügereien und schlechten 
Absichten hineinzuziehen. 

5. Wir müssen sehr acht haben auf den 
Verlauf unserer Gedanken; sind der Anfang, 
die Mitte und das Ende durchaus gut und auf 
etwas völlig Gutes gerichtet, so ist dies ein 
Kennzeichen des guten Engels. AVenn es aber 
im Verlauf der Gedanken, die er einflößt, auf 
etwas Schlechtes oder Ablenkendes hinausläuft 
oder auf etwas, das minder gut ist, als was die 
Seele vorher zu tun beabsichtigt hatte, oder 
wenn es die Seele schwächt oder beunruhigt 
oder verwirrt, indem es ihr den Frieden, die Euhe 
und die Stille benimmt, die sie zwar besaß, so' 
ist das ein klares Zeichen, daß es vom bösen 
Geist, dem Feinde unseres Fortschrittes und 
ewigen Heiles,, herkommt. 

6, Hat man den Feind der menschlichen Natur 
an seinem Schlangenschweif und an dem schlech- 
ten Zweck, zu dem er zu verleiten sucht, wahr- 
genommen und erkannt, so ist es für den, der 
von ihm versucht wurde, von Nutzen, nachher 
den Verlauf der guten Gedanken, die er eingab, 
zu überdenken, sowohl deren Anfang als auch, 
wie er sich bemühte, ihn von dem Zustand der 
inneren Wonne und geistlichen Freude, in derer 
sich befand, ganz allmählich herabsteigen zu 



Regein f. d. Unterscheidung der Geister 151 

lassen, bis er iiin seliließlich zu seinem scMecliten 
Vorhaben üinabzog. lin Besitze d^r so gewon- 
nenen und beherzigten Erfahrung sei er künftig 
auf der Hut vor dessen gewohnten Trugkünsten . 

7. Bei denen, die vom Guten zum Besseren 
voränschreiteri, berührt der gute Engel die Seele 
sanft, gelind und mild, wia ein Wassertropfen, 
der in einen Schwamm eindringt; der böse Engel 
hingegen berührt sie scharf, laut und geräusch- 
voll, wie wenn ein Wassertropfen auf hartes 
Gestein fällt; diejenigen aber, die vom Bösen 
zum Schlechteren voran schreiten, werden von den 
vorhin genannten Geistern auf die entgegen- 
gesetzte Weise berührt. Der Grund hiervon liegt 
darin, daß die Verfassung der Seele den er- 
wähnten Erigetn entweder entgegengesetzt oder 
gleichartig ist. Ist sie nämlich entgegengesetzt, 
so dringen die Geister mit Geräusch und Lärm 
ein, so daß man sie leicht gewahren kann; ist sie 
aber ähnlich, so tritt der Geist in aller Stille 
ein, so wie in sein eigenes Haus bei offener Türe. 

8. Erfolgt die Tröstung ohne vorausgehende 
Ursache, so unterliegt ihr zwar kein Trug, weil 
sie ja— wie gesagt wurde — nur von Gott 
unserem Herrn herrührt. Gleichwohl muß die 
dem geistlichen Leben zugewandte Person, der 
Gott eine solche Tröstung mitteilt, mit großer 
Wachsamkeit und Aufmerksamkeit auf die eigent- 
liche Zeit einer solchen wirklichen Tröstung 
achten und sie wohl unterscheiden von der nach- 
folgenden Zeit, in der die Seele noch erwärmt 



,152 Regeln für die Almosenyerteilung 

bleibt und beglückt durch die GunsterweisuDg und 
die Nachwirkungen der vorausgehenden Tröstung ;/ 
denn oft bildet sie in dieser zweiten Zeit durch 
eigenes Nachdenken aus den Beziehungen^^ und 
den Folgen der Begriffe und Urteile, unter dem 
Einfluß des guten oder des bösen Geistes ver- 
schiedene Vorsätze und Meinungen, die nicht 
unmittelbar von Gott unserem Herrn eingegeben 
sind und deshalb sehr genau geprüft werden 
müssen, ehe man ihnen seine volle Zustimmung 
erteilt oder sie in die Tat umsetzt. 

Regeln für die Älmosenverteilung^h 

Im Dienste der Almosenverteilung sollen folgende 
Regeln beobachtet werden. 

Regel 1. Wenn ich Almosen verteile an Ver- 
wandte oder an Freunde oder an Personen, zu 
denen ich eine Zuneigung habe, so muß ich vier 
SJ;ticke beachten, von denen zum Teil schon beim 
Gegenstand der ,, Wahr' die Rede gewesen ist. 
Erstens muß die Liebe, die mich zum Almosen- 
geben bewegt und antreibt, von oben her aus der 
Liebe zu Gott unserem Herrn stammen, so daß 
ich zunächst in mir wahrnehme, die Liebe, die ich 
mehr oder weniger zu solchen Personen trage^ 
ziele auf Gott, und daß im Beweggrunde, des-, 
sentwegen ich sie mehr liebe, Gott selbst ent~ 
gegenleuchte. 

2. Ich will inir einen Mensehen vorstellen, den 
ich niemals gesehen oder gekannt habe und dem 



Regeln für die Älmosenverteiluhg 153 

ich in dem Amte und dem Stande, worin er 
sich befindet, alle Vollkommenheit wünsche. Und 
nach jenem Maße, nach dem ich ihn' bei seinei: 
Art der Almosenverteilung gern die rechte Mitte 
halten sähe zur größeren Ehre Gottes unseres 
Herrn und zur größeren Vollkommenheit seiner 
Seele, nach eben diesem Maße werde ich selbst 
es tun, nicht mehr und nicht weniger, und ich 
werde mich an dieselbe Regel und Maßbestim- 
mung halten, die ich gern dem anderen wünsche, 
und die ich als recht erachte. 

* 3. Ich will, gleich als befände ich mich be- 
reits in der Todesstunde, die Form- und das Maß 
erwägen, die ich dann wünschen würde im 
Dienste meiner Vermögensverwaltung eingehalten 
zu haben, und danach mich richtend werde ich 
bei der Ausübung der Almosenverteilung voran- 
gehen.. 

4. Ich will mir vorstellen, wie mir am Tage 
des Gerichtes zu mute sein wird, und gut über- 
legen, wie ich dann wünschen werde, dieses Amt 
und den Dienst dieser Verwaltung benützt zu 
haben. Und die Regel, die ich dann eingehalten 
zu haben wünsche, werde ich jetzt befolgen. 



5. Wenn jemand . merkt, daß er zu gewissen 
Personen, denen er Almosen austeilen will, eine 
besondere Zuneigung und eine Anhänglichkeit an 
sie hat, so soll er vorläufig warten und inzwischen 
die vier oben genannten Regeln genau überden- 
ken und nach ihnen seine Zuneigung abwägen 



154 Regeln für die Almosenverteilung- 

und prüfen. Und er soll das Almosen nicht, spen- 
den, bis er ehtsprecliend jenen Regeln seine unge- 
ordnete Neigung ganz abgelegt und entfernt bat. 

6. Wenn es aucb keine Sünde ist, die Güter 
Gottes unseres Herrn anzunebmen, um sie aus- 
zuteilen, falls einer von unserem Gott und Herrn 
zu solchem Dienste berufen ist, so entsteht doch' in 
bezug auf das Wieviel und das Maiä dessen, was 
jemand von den Gütern, die er besitzt, um sie 
anderen zu geben, für sich selber nehmen und 
verwenden darf, leicht ein Zweifel, ob man nicht 
fehle und über das rechte Maß hinausgehe. In- 
sofern kann nian daher innerhalb seiner Lebens- 
verhältnisse und seines Standes vermittels der 
oben angeführten Regelif ein# Verbesserung vor- 
nehmen. 

7. Aus den bereits erwähnten und vielen an- 
deren Gründen handelt man um so besser und 
sicherer, je mehr man sich in allem, was die eigene 
Person und den eigenen Haushalt anbelangt, ein- 
schränkt und seine Aufwendungen herabsetzt, 
und je mehr man unserem Hohepriester '', unse- 
rem Vorbild und unserer Richtschnur'', der daist 
Christus unser Herr, näher kommt. 

Dementsprechend bestimmt und verordnet die 
dritte Kirchenversammlüng von Karthago ^^^ l^el 
der der heilige Augustinus anwesend war, daß 
die Hauseinrichtung des Bisehofs gering an 
Wert und ärmlich sei. Dieselbe Regel soll man 

« Hebr 2, 17; 3, 1 usw. — »^ vgl Matth 8, 19: 16, 
24; Joh 8, 12; 13, 15; 1 Petr 2, 21 usw. 



Bemerkungen über die Skrupeln 155 

bei jeder Lebensweise beachten; doch muiä man 
die Lebenslage und den Stand der Personen be- 
rücksichtigen und ihnen sein Verhalten anpassen: 
so haben wir für den Ehestand das Vorbild des 
heiligen Joachim und der heiligen Anna, die ihr 
Vermögen in drei Teile teilten und den ersten 
den Armen gaben, den zweiten für die Verwal- 
tung und den Dienst des Tempels bestimmten 
und den dritten zu ihrem und ihrer Familie unter- 
hält verwandten ^ ^. 

Bemerkungen über die Skrupeln. 

Um die Skrupeln und die Einflüsterungen unseres 

Feindes wahrzunehmen und zu erkennen, sind 

folgende Bemerkungen dienlich. 

Bemerkung 1. Man nennt gemeiniglich Skrupel 
etwas, das aus unserem eigenen Urteil und freien 
Ermessen hervorgeht: wenn ich nämlich aus 
freiem Ermessen das Urteil bilde, es sei etwas 
Sünde, was keine Sünde ist, wie es z. B. vor- 
kommen kann, dai^ jemand, nachdem er zufällig 
auf ein aus Strohhalmen gebildetes Kreuz getreten, 
sich aus eigenem Ermessen das Urteil bildet, er 
habe gesündigt. Doch ist dies in Wahrheit nur 
ein irriges Urteil, nicht aber ein eigentlicher 
Skrupel. 

2. Nachdem ich auf jenes Kreuz getreten bin 
oder nachdem ich irgend etwas anderes gedacht 
oder gesprochen oder getan habe, kommt mir 
von außen der Gedanke, ich hätte gesündigt, 



156 Bemerkungen über die Skrupeln 

anderseits scheint es mir, icli hätte nicht gesün- 
digt ?^n<^ doch fühle ich dabei Unruhe, iiisofern 
ich nämlich zweifle nnd insofern ich auch nipht 
zweifle. Dies ist nun ein Skrupel im eigent- 
lichen Sinne und eine Versuchung, die der böse 
Feind bewirkt. 

3. Der erste Skrupel, wie er in der ersten 
Bemerkung beschrieben ivurdcj ist durchaus zu 
verachten, weil er gänzlich Irrtum ist. Dagegen 
ist der zweite Skrupel, der in ■ der zweiten Be- 
merkung erivähnt wurde, einige Zeit hindurch 
für die Seele, die sich geistlichen Übungen hin- 
gibt, nicht w^enig nützlich. Ja er reinigt und 
läutert eine solche Seele in hohem Maße, in- 
dem' er sie aiuch von jedem Scheine der Sünde 
weit entfernt, nach dem Ausspruche des heiligen 
Gregor: es ist guten Gemütern eigen, dort eine 
Schuld zu erkennen, wo l^eine Schuld ist'l 
, 4. Der böse Feind achtet sehr darauf, ob eine 
Seele ein grobes oder ein zartes Gewissen hat. 
Hat sie ein zartes Gewissen, dann bemüht er sich, 
es immer noch zarter zu machen bis zum Über- 
maß, um sie leichter in Unruhe und Verwirrung 
zu stürzen. Wenn er z. B. sieht, daß eine Seele 
keine Sünde zuläßt, weder eine schwere noch 
eine läßliche, noch irgend einen Schein überlegter 
Sünde, so sucht der böse Feind, da er sie nicht in 
etwas, was auQh nur den Anschein von Sünde hat, 
hineinzustürzen vermag, sie wenigstens zu dem Ur- 
teil zu bringen, es sei eine Sünde, wo keine Sünde 



Bemerkungen- über die Skrupeln 157 

ist, wie z. B. bei irgend einem Wort oder bei 
einem ganz geringen Gedanken. Hat die Seele 
aber ein grobes Gewissen, so sucht der böse 
Feind es noch gröber zu machen. Achtete sie 
z. B. früher die läßlichen Sünden für nichts, so 
wird er dahin trachten, daß sie aMCh aus den 
Todsünden sich nur wenig mache, und wenn sie 
vorher noch etwas Scheu vor den läßlichen 
Sünden hatte, daß sie j etzt viel weniger oder 
überhaupt gar nichts mehr sich daraus mache. 

5. Die Seele, die im geistlichen Leben voran- 
zuschreiten wünscht, muß stets ein Verfahren 
einhalten, das dem vom bösen Feind befolgten 
entgegengesetzt ist. Versucht nämlich der böse 
Feind, das Gewissen der Seele abzustumpfen, so 
soll sie sich der Zartheit des Gewissens befleißi- 
gen. Ebenso, wenn der böse Feind dahin trachtet^ 
das Gewissen überzart zu machen, um es zum 
Äußersten zu treiben, so bemühe sich die Seele», 
sich fest in der. rechten Mitte zu halten, um 
ganz zur Ruhe zu gelangen. 

6. AVenn eine solche gutgesinnte Seele etwas 
sagen od^er tun will, was d^m Geiste der Kirche 
und der Auffassung unserer Vorfahren entspricht 
und was zur Ehre Gottes unseres Herrn gereichen 
soll, und Wenn dann ein Gedanke oder eine Ver- 
suchung von außeii an sie herantritt, solches 
nicht zu sagen oder zu tun, und ihr mit Schein- 
gründen . eitle Ehrsucht oder eine and er e unlautere 
Absicht unterschiebt usw, so soll sie den Geist zu 
ihrem Schöpfer und Herrn erheben. Und wenn 



158 Regeln über die kirchliche Gesinnung 

sie sieht, ddS jenes FbrÄa&^w zu dem ihm schul- 
digen Dienst gereicht oder wenigstens nicht da- 
gegen verstößt, dann soll sie jener V^ersuchung 
geradezu entgegenhandeln, sowie der heilige Bera- 
liard dem Versucher antwortet: „Deinetwegen 
hahe ich nicht begonnen und deinetwegen werde 
ich auch nicht aufhören" ^^ 

Regeln über die kirchliche Gesinnung ^^. 

Um die rechte Gesinnung, die wir in der streiten- 
den Kirche hegen sollen, zu erlangen, sind 
folgende Regeln zu beobachten. 

Regel \, Indem wir jedes eigene Urteil bei- 
seite setzen, müssen wir unseren Geist bereit 
und willig halten, in allem der wahren Braut 
Christi unseres Herrn zu gehorchen, die -da ist 
unsere heilige Mutter, die hierarchische Kirche. 

2. Man empfehle die vor dem Priester abge- 
legte Beichte und den Empfang des allerheiligsten 
Sakramentes einmal im Jahre und noch viel mehr, 
wenn dies alle Monate geschieht ^ und viel besser 
noch «s^ eSj wenn alle, acht Tage, immer die 
vorgeschriebenen und erforderlichen Bedingungen 
vorausgesetzt. 

3. Man empfehle die häufige Anhörung der 
heiligen Messe sowie die Gesänge, die Psalmen 
und lange Gebete in und außerhalb der Kirche, 
desgleichen die zur bestimmten Zeit für jeden 
Gottesdienst und für jede Andacht augeordneten 
Stunden wie auch alle kirchlichen Tageszeiten. 



Regeln über die kirchliche Gesinnung 159 

4. Man lobe sehr die geistlichen Orden, die 
Jungfräulichkeit und die Enthaltsamkeit, die Ehe 
hingegen nicht so sehr wie irgend einen der ^e- 
nannten Stände, 

5. Man lobe die Ordensgelübde des Gehorsams, 
der Armut, der Keuschheit mi^ das Gelöbnis 
anderer zur Vollkommenheit gehörender Werke 
der Übergebühr. Dabei ist aber dies zu bemer- 
ken: da das Gelübde Dinge, betrifft, die der 
evangelischen Vollkommenheit nahe kommen, so 
darf man sich nicht durch ein Gelübde zu sol- 
chen Sachen verpflichten, die sich von dieser Yoll- 
Jcommenheit entfernen, wie etwa zum Kaufmanns- 
stand oder zum Ehestand usw. 

6. Man schätze wert die Reliquien der Heili- 
gen, indem man ihnen Verehrung erzeigt, und an 
die Heiligen Gebete richtet. Man lobe den Be- 
such der Stationskirchen ^^, die Wallfahrten, die 
Ablässe, die Jubiläen, die Kreuzzugsbullen ^^ und 
das Anzünden von Kerzen in den Kirchen. 

7. Man lobe die Verordnungen der Kirche in 
bezug auf die Fast- und Abstinenztage, wie in 
der Fastenzeit, an den Quatembertagen, an den 
Vigilien^^, am Freitag und am Samstag, ebenso 
die ^ Büß werke und zwar nicht nur die inneren, 
sondern auch die äußeren. 

8. Man lobe Kirchenschmuck und Kirchen- 
bäuten; desgleichen die Bilder und die Verehrung 
derselben mit Rücksicht auf das, was sie dar- 
stellen. 

9. Man lobe endlich alle Gebote der Kirche 



160 Regeln über die kirchliche Gesinnung 

und sei stets bereit/ Gründe zu deren Verteidi- 
gung aufzusuchen, keineswegs aber zu ihr ei^ Be- 
kämpfung. 

10. Wir müssen eher bereit sein, sowohl die 
Anordnungen und Weisungen wie auch die Sitten 
unserer Vorgesetzten zu billigen und zu loben, als 
zu tadeln. Denn wenn auch einige nicht lobens- 
wert sind oder waren, so würden doch, spräche 
man dagegen, sei es in öffentlichen Predigten^ oder 
in Äuiäerungen vor dem gewöhnlichen Volke, 
dies eher Murren und Ärgernis als Nutzen be- 
wirken. Und so würde das Volk nur gegen 
seine Vorgesetzten, weltliche oder geistliche, un- 
willig werden. Doch wie es Schäden bringt, 
von den Vorgesetzten in deren Abwesenheit vor 
dem gewöhnlichen Volke übel zu reden, so kann 
es nur von Nutzen sein, von den schlechten 
Sitten mit eben jenen Personen zu sprechen, die 
ihnen abhelfen können. 

11. Man lobe die positive und scholastische 
Lehre. Denn gleichwie es den positiven Lehrern, 
wie dem heiligen Hier onymus, dem heiligen Au- 
gustinus, dem heiligen Gregor und anderen inehr 
eigen ist, das Herz anzuregen, um in allem Gott 
unseren Herrn zu lieben und ihm zu dienen, 
ebenso ist es den Scholastikern, wie dem heiligen 
Thomas, dem heiligen Bonaventura, dem Sen- 
tenzenmeister ^^ und anderen mehr eigentümlich, 
die zum ewigen Heil notwendigen Dinge zu um- 
grenzen oder eiitsprechend unseren Zeitverhält- 
riisseii zu erläutern, sowie auch alle Irrtümer 



Regelü üjSer die kircliliehe Gesinnung^ ,161 

und trügerischen Lehren mehr zu bekämpfen und 
aufzudecken. Denn da die; scholastischen Lehrer 
der heueren Zeit angehören, so ziehen sie einer- 
seits Nutzen aus dem richtigen Verständnis der 
Heiligen Schrift uüd den positiven heiligen Leh- 
rern, und finden anderseits, da sie auch selbst 
durch göttliche Kraft erleuchtet und aufgeklärt 
sind, Hilfe in den Konzilsentscheidungen, den 
Satzungen und Bestimmungen unserer heiligen 
Mutter der Kirche. 

12. Wir müssen uns hüten, zwischen uns, die 
wir noch ieben, und den Seligen, die bereits von 
hinnen "geschieden sind, Vergleiche anzustellen, 
weil man sich hierin nicht wenig täuschen 
kann, z. B. wenn man sägt: Dieser weiß mehr 
als der heilige Augustinus; er ist ein anderer 
heiliger Franziskus oder noch größer; er ist ein 
zweiter heiliger Paulus an Tugend und Heilig- 
keit usw. 

13. Wir müssen,, um in allem sicher zu gehen, 
jstets festhalten: was meinen Augen weiß er- 
scheint^ halte ich für schwarz, wenn die hier- 
archische Kirche so entscheidet ^*, überzeugt, daß 
zwischen Christus unserem Herrn, dem Bräu- 
tigam, und der Kirche, seiner Braut, derselbe 
Oeist waltet, der uns zum Heile unserer Seelen 
leitet und lenkt; denn durch denselben Geist und 
unseren Herrn, der die zehn Geböte gab, wird 
auch unsere heilige Mutter, die Kirche, gelenkt 
und geleitet. 

14. Obgleich es vollkommen wahr ist, daß nie- 

Tgnatius v. Loyola. Geistl. Übungen. 2. Aufl. 11 



1d2 Regeln über die kirchliche Gesinnung 

mand selig werden kann, der niclit vorlierhestimüit 
ist und der nicht den Glauben und die heilig- 
machende Gnade besitzt, so muß man sich docli 
' in der Art und Weise, wie man über, alle- diese 

Dinge redet und sich bespricht -2, sehr in acht 
nehmen 23. ' 

15. Wir sollen von der Vorherb estimmiing 
nicht viel gewolinheitsmäßig sprechen. Wenii 
aber irgendwie und bisweilen die Rede darauf 
kommt, spreche man so darüber, daß das ge- 
wölmliche Volk nicht in einen Irrtum gerate 
und, wie es bisweilen zu geschehen pflegt, sage: 
Ob ich selig oder verdammt werden 'soll,, ist 
schon bestimmt, und wegen meiner guten oder 
schlechten Werke kann es nicht anders sein; 
weshalb dann solche Leute in ihren guten Wer- 
ken, die zum Heile und zum geistlichen Fort- 
schritt ihrer Seelen dienen, träge und lässig 
werden. 

•" 16. Ebenso muß man darauf achten, daß man 
nicht viel und mit großem Nachdruck vom 
Glauben spreche ohne irgend welche Uhterschei- 

' düng und Erklärung, damit dadurch dem Volke 
nicht Anlaß gegeben werde, in der Verrichtung 
guter Werke lau und träge zu werden, sei es, 
daß dieselben dem von der Liebe belebten Glau- 
ben vorangehen oder folgen. 

17. Desgleichen dürfen i^ir nicht so ausgiebig 
mit besonderem Nachdruck von der Gnade spre- 
chen, daß dadurch das Gift einer Lehre erzeugt 
werde, die die Willensfreiheit aufheben rtiöchte. 



Regeln über die kirchliche Gesinnung ^^^^^^^ 

Vom Glauben, und von der Gnade darf niäii des- 
halh reden, so weif es mit dem Beistand Gottes 
möglich ist, zum größeren Lob seiner göttlichen 
Majestät, aber nicht auf solche Art noch auf 
solche Weisen — besonders in unseren so ge- 
fährlich%h "Zeiten — , daß dabei die guten Werke 
und der freie Wille irgendwie Einbuße erleiden 
oder für nichts geachtet werden. 
. 18. Obschon man es über alles wertschätzen 
soll, Gott unserem Herrn aus reiner Liebe eifrig 
zu dienen, so müssen wir doch awcA die Furcht 
vor seiner göttlichen Majestät sehr lobeii ; denn 
nicht allein die kindliche Fnr cht ist etwas Frommes 
und sehr Heiliges, sondern auch die knechtliche 
Furcht; wo also der Mensch nichts anderes Bes- 
seres und Nützlicheres erreicht^ verhilft sie viel 
dazu, daß er aus der Todsünde herauskomme; und 
hat er sich' einmal daraus befreit, so gelangt 
er leicht zur kindlichen Furcht, die Gott unserem 
Herrn ganz angenehm und wohlgefällig ist, weil 
untrennbar vereint mit der göttlichen Liebe ^^. 

• ende: 



11 



Anmerkungeri; 

Abkürzungen: 

J<oder „spanisch") = spanischer Originaltext der 
Exerzitien nadi der Ausgabe der Mon. Ign. . 

L = Erste lateinische Übersetzung ungefähr aus 
dem Jahre 1634 (Text in den Mon. Ign.) 

V =- Die sogen, lateinische Vulgata-Übersetzung 
des P. Andreas de Freux (Frusius) aus den Jahren 
1546/47 (Text in den Mon. Ign.) 

M o n. Ign. =. Exercitia spiritüalia Sancti Ignatii de 
Loyola et eorum directoria in der Sammlung der 
Monumenta historica Societatis Jesu, Abteilung Monu- 
rhenta Ignatiana/Series secunda, Madrid 1919. 

Roothaan -=^ Lateinische Übersetzung der Exer- 
zitien von Joh. Roothaan S.' J., Rom 1835, 4. verb. 
Aufl. 1852 und öfters (Text auch in den Mon. Ign.) 

Anonym. =:=Die geistlichen Übungen des heiligen 
Ignatius von Loyola ^ Regensburg 1892. 

Hand mann = R.Handrnann S. J., Geistl. Übungen 
des heiligen Ignatius von Loyola, Regensbürg 1904. 

Einleitung (S. 1 — 16). 

^ (S. 1). Vgl auch „Lebenserinnerungen des hei- 
ligen Ignatius von L," (übersetzt von A. Feder), Kösel 
und Pustet, Regensburg 1922, ferner die Prolego- 
mena der Mon. Ign.; Fr. Hettinger, Die Idee der 
Geistlichen Übungen nach dem Plane des heiligen 
Ignatius von L. 1853; „Feuer kam ich zu senden" 
(s. unten S. 185); P. Debuchy, Introduetion ä l'etude 
des Exercices de S. Ignace 1906. Über die angeb- 
lichen äuißereri Quellen der Exerzitien handeln treff- 
lich die Mon. Ign. p. 47ff. 



Arimerkungeh zu S. 18-^30 

^ (S. 3). Möii. I gh, 33; vgl den Brief von J. Laynez 
vom 17. Juni 1547, der sag-t, Igiiatius! habe die Exer- 
zitien in Manresa „der'Substanz nach" durchgemadit: 
Scripta de S. Ignatio de Loyola I (1904) 103» 

3 (3 4^ Hettinger 10. 
r * (S. 13). Mon. Ign. 139ff. 

. ^(S. 13). Die Absdirift geht zurück auf P. Barth. 
Perron (f Anfang 1547), den Sekretär des heiligen 
Ignatiüs; vgr Mon. Ign. 1276. 

« (S 13). Ebenda 162. Viele haben die Ansicht 
geäußert, diese Übersetzung stamme von Ignatiüs sel- 
ber. Möglich ist dies immerhin, doch sprechen einige 
freiere Abweichungen vom spanischen Urtext dagegen. 

Vorbemerkungen (S. 18—30). 

' (S. 18). Das Gebet Anima Christi war ein Lieb- 
lingsgebet des heiligen Ignatiüs und wird von ihm 
öfters im JExerzitienbüchlein erwähnt. Der Ursprung 
des Gebetes läßt sidi bis vor die Mitte des 14. Jahr- 
hunderts zurückverfolgen. 

^ (S. 19). Der Zweck der einleitenden Vorbemer- 
kungen ist ein zweifacher. Sie sollen erstens eine 
vorläufige Kenntnis über V^esen, Zweck, Hilfsrnittel 
der Geistlichen Übungen vermitteln und zweitens 
sollen sie dem Exerzitienleiter und dem Exerzitanden, 
eine kürze entsprechende Belehrung -über das von 
ihnen einzusdilagende Verhalten bieten. 

Aus dem Titel ergibt sich, daß das Exerzitien- 
buchlein vom Ignatiüs weniger als eine theoretisdie 
Abhandlung denn vielmehr als eine praktisdie An- 
leitung gedächt ist, und daß nach seiner Auffassung 
der Exerzitand stündig unter der Leitung eines er- 
fahrenen Seelenführers stehen soll. 

i^ (S. 19). Die im Folgenden häufig vorkommenden 
urhschreibenden Ausdrücke „el que da los exercicios", 
„el qüe rescibe los exercicios" („der, welcher die 
Übungen gibt"; „der, weldier die Übungen emp- 



166 Anmerkungen zu S. 18— 30 

fängt") und ähnlidie, geben wir größerer Einfachheit 
und Klarheit willen fortan wieder durch die im Deutr 
sehen gebräudilichen Ausdrücke „bxerzitienleiter 
(-meister)" und „Exerzitand". 

* (S. 19). Zu diesen anderen Übungen gehören 
besonders die Erwägungen über die Berufswahl und 
die Lebensbesserung. 

^ (S. 19). spanisch: el pasar, caminar y correr;: 
während pasar das feinfache Umherwandeln bezeich- 
net, bedeutet caminar und correre das Zugehen oder 
Laufen auf ein bestimmtes Ziel hin. 

^ (S. 20). „Gesdiichte der Betradhtung" bedeutet; 
hier und im Folgenden die der Betrachtung zu Grun- 
de'- gelegte gesdiiditlidie Tatsache bzw den Bericht 
über diese Tatsache, sei es aus dem Leben Christi, 
sei es aus der Heilsgeschidite. 

'^ (S. 21). Unter „Tränen" versteht Ignätius hier 
und audi später öfters die Gnade der Tränen, die 
nidit vom Willen des Menschen abhängt und nicht 
natürlich ist, wiewohl sie vom natürli(Een Tempe- 
rament begünstigt werden kann. Sie tritt oft plötz- 
lich ganz unvermittelt auf (s. S. 149). Der Exerzitand 
soll öftefs direkt bitten um die Gnade der Tränen, 
die ihn inniger an den vorliegenden Geheimnissen 
teilnehmen läßt, so z. B. um Tränen der Reue oder der 
Trauer und des Mitleides mit dem leidenden Christus. 

"^ (S. 21). In J steht der Ausdrück „segiin la ma- 
teria subiectä"; dieser Ausdruck, der audi später 
häufiger vorkommt, ist der philosophischen Sprech- 
weise entnommen und bezeichnet bald „gemäß dem 
vorliegenden Stoffe", bald „gemäß den vorliegenden 
Umständen" überhaupt. 

^ (S. 23). J spricht von der vida illurhinativa und- 
der vida purgativa (Leben der Erleuchtung und Leben 
der Reinigung). 

^" (S. 23). vgl die erste Bemerkung nach der 
fünften Besdiauung der zweiten Wodie (S. 69).. 



. ' Anmerkungen zu S. 18— -30 -167 

";^V(S. 25). Der Ausdruck „Lebensverhältnisse" (spa- 
nisch: condiciön) bedeutet die äußeren Verhältnisse 
des Exerzitaiiden, wie Stand, Familie, Vermögen. und 
somit die Lebenslage überhaupt, während . der Aus- 
druck „Veranlagung" (spanisch: subiecto) die ganze 
Natur des Menschen, besonders seine physische und 
moralische Besdiaffenheit, bezeichnet (Roothaan). 

^2 (S. 25). spanisch: abracändola, nicht abrasandola, 
wie es in rrtandien Ausgaben heißt und was den 
Sinn hätte „indem er die Seele (zur Liebe) entflammt". 

^^ (S. 25). Der Text in J lautet: por la via que 
mejor podrä servirle adelänte. An sich kann dieser 
Satz auch heißen: „auf jenen Weg, der ihr (der Seele) 
in' Zukunft besser dienen kann". Da aber der Aus- 
druck servir (servicio) bei Ignatius gewöhnlich den 
Dienst Gottes bezeichnet, hat diese Art der Über- 
setzung wenig Wahrscheinlidikeit für sidi. 

" (S. 25). Deutlicher würde es heißen „wie der 
Zeiger-einer Wage". 

'^ (S. 27). Hier werden die eigenen Gedanken und 
Sünden des Exerzitanden von den Gedanken und 
Regungen unterschieden, die von außen, d. h. von 
jden verschiedenen Geistern, stammen. Es versdilägt 
nichts, ja nach den Direktorien (alte Erklärungen des 
Exerziti^nbüchleins) ist es sogar besser, daß der 
Exerzitienleiter von den Sünden des Exerzitanden 
nichts weiß. 

^<* (S. 29). J sagt: del processo de los peccados; 
dei* Exerzitand soll sich nämlich in jener Betrachtung 
die ganze Reihe der in seinem Leben begangenen 
Sünden vor Augen stellen. 

Erste Woche usw (S. 30— 58). 

^ (S. 31). Der Anlaß für die einleitende Bemer- 
kung ist in der Tatsache zu suchen, daß die Geist- 
lidien Übungen im Anfang wiederholt Gegenstand 
heftijger Anfeindungen waren. 



Anmerkungen zu S.3 1—5 B 

=* (S^ 31). Dei- Text in J lautet: para que bien 
entiBTidiendola (sc. proposiciön) se salve. Die Voraus- 
setzung des letzten Satzes ist diese: Der Urheber hat 
sidi im zweiten Falle nicht nur einer dunkeln oder 
zweideutigen Ausdrudesweise bedient, sondern audi 
tatsädilidi geirrt. Unser Bemühen soll deshalb da- 
hin gehen, ihn erst vom Irrtum abzubringen, damit 
au dl er seine Behauptung in dem einen riditigen 
Sinne verstehe und er so gereditfertigt werde. Da-' 
rum übersetzt L: (quaerat tunc omnia media con- 
venientia ad hoc quod) proximus, sane illam pro- 
pösitionem intelligens, salvetur. 

* (S. 31). Der heilige Ignatius hat die grund- 
legende Betraditung über das Fundament nidit mit 
Vorübungen versehen und audi nicht in Punkte ein- 
geteilt. Nach seiner Absicht sollte sie offenbar mehr 
in Form einer Erwägung angestellt werden. Ihr 
Hauptzweck ist ja die Aufklärung des Verstandes j 
nichts hindert aber, den Stoff ' auch zur Grundlage 
einer Betrachtung zu madien. 

Ignatius geht aus vom Ursprung des Mensdien 
und der übrigen Geschöpfe: von der Erschaffung 
durch Gott. Ist Gott nun der Urgrund aller Dinge 
so ist er auch ihr letztes Endziel. Der letzte Zweck 
des göttlichen VV^illens bei der Erschaffung kann nie 
etwas Außergöttliches oder Endliches sein, weil Gott 
sonst durch etwas Geschöpfliches bestimmt würde; 
es muß jener Endzwedc vielmehr die unendlidie We- 
senheit oder Gott selbst sein. Weldies Gut will nun 
Gott durch die Gesdiöple für sidi erreidien? Seine 
eigene Verherrlichung. Diese besteht darin, daß die 
Gesdiöpfe seine unendlidieVollkommenheitoffenbaren 
und verkünden, und zwar gemäß ihrer eigenen be- 
sonderen Natur und Vollkommenheit, der Mensch 
also gemäß seiner mit Vernunft und Freiheit be- 
gabten Hatur durdi Hochschätzung, Anerkennung und' 
Huldigung. Somit iist für alles Gesdiaffepe der erste 
und letzte Zwedc die Verherrlidiuhg Goites, 



Anmerkungen zu S. 31— 58 169 

Nebien diesem absoluten Endzwetk ^ der audi 
ä u ß er er genannt wird, hat der Mensdi auch nodi 
einen zweiten oder inneren, jenem ersten ZieJ 
untergeordneten Endzweck, au! den er sieiner eigenen 
Natur nach letztlich hingeordnet ist. Gott wollte in 
seiner Güte den Merisdien teilnehmen lassen an 
seiner eigenen yollkommenheit und Seligkeit und 
bestimmte deshalb der menschlichen Natur als in- 
neren Endzweck die ihr entsprechende vollkommene 
GlüdcseUgkeit. , 

Sowohl der äußere als der innere Enxlzweck 
des Mensdien zerfällt wieder in einen entfern t e r e n . 
und einen näheren. Denn die vollkommene Glück- 
seligkeit und die damit verbundene vollkommene 
Verherrlidöiung Gottes kann erst im Jenseits erreidit 
werden. Dementsprechend hat das irdisdie Leben 
den näheren inneren Zvveck; daß der Mensch sidi 
durdi Beobachtung der sittlichen Ordnung auf den 
entfernteren Zweck vorbereitet. Der Mensch erfüllt 
aber diese innere Bestimmung praktisch dadurch, daß 
er zug'leidti den näheren äußeren Zweck erfüllt oder 
daß er Gott freiwillig verherrlicht und zwar dürdi 
Anerkennung (Lob), Verehrung (Ehrfurcht und Liebe)^ 
Erfüllung des göttlidien Willens (Dienst). 

Während nun der allgemeine äußere Endzweck' 
des Menschen stets erreicht wird, mag der Mensdi 
selig werden oder nidit, ist die Erreichung des in- 
neren Endzwedces, des Seelenheiles, in jedes Menschen 
eigene Hand gelegt; sie wird ihm nämlich nur dann 
zu teil, wenn er hienieden Gott wirklich verherrlidit. 

Vothin sahen wir, daß der allgemeine äußere 
Endzw'etdc der übrigen Geschöpfe ebenfalls Gott 
bzw dessen Verherrlichung ist. Außerdem haben 
sie nodi einen näheren äußeren. Zweck, nämlich den 
Menschen oder genauer die Förderung desselben 
bei der Verfolgung seines eigenen Endzieles. Die 
Gesdiöpfö sind deshalb jedem Menschen Mittel für 



1 i ^; Anmerkungen zu b. öl-— öo 

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seinen letzten Endzweck. Daraus ergibt sidi für ihn 
die richtige Stellungnahme gegenüber der gesamten 
Außenwelt und die innere Willens Verfassung der 
Gleichmütigkeit. 

Somit umfaßt die Erwägung über das Fundament 
drei Teile. Der erste hat die Erschaffung und das 
Endziel des Menschen zum Gegenstand, der zweite 
die Erschaffung und das Endziel der übrigen Ge- 
schöpfe, der dritte endlidi handelt von einer prak- 
tischen Schlußfolgerung, nämlich vom rechten Ge- 
brauch der Geschöpfe. Erst wird dessen Wesen darr 
gelegt, dann hingewiesen auf die notwendige Be- 
dingung für denselben, nämlich auf die Erwerbung 
der dauernden Willensverfassung der Indifferenz oder 
der Gleichmütigkeit, und schließlich der Seele ein 
noch höheres Streben, das über das Notwendige 
hinausreicht, vorgeführt: nämlich aus Großmut von 
selbst das zu verlangen und zu wählen, was mehr 
zum Endziele hinführt. 

* (S. 33) Bei dieser Regel i^st vorausgesetzt, daß 
die Hauptmahlzeit, wie es damals häufig geschah, 
morgens gegen 10 Uhr statthat. 

•^ (S. 33). Ignatius sdieint der Figur der Gewis- 
senserforschung den Anfangsbuchstaben des Fehlers, 
den er bekämpfen wollte, vorgesetzt zu haben, g be- 
deutet wohl gula (Gaumenlust) ; vgl Mon. Ign. p. 259. 

^ (S. 34). In seinen Lebenserinnerungen spridit 
Ignatius vom modo delle linee= „Methode- der 
Linien"; s. Mön. Ignät. Ser. 4 t. 1 (1904) 97. 

' (S. 34). Nachstehende für einen Monat bestimmte 
Figur (S. 171) dürfte wohl Ignatius' Ideen über die 
besondere Gewissenserforschung am ehesten ent- 
sprechen. Bei ihr kann die Zahl der Fehler bzw der 
Tugeridakte, über welche die besondere Gewissens- 
erforschung angestellt wird, durdi Ziffern bezeichnet 
werden. 



Anmerkungen zu S. 31—58 



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« zu Anm. 7. 

** (S. 36). spaiiisdi: rescibiendo alguna delectaciön 
sesnsual; hier ist die Rede von einer mehr od,er min- 
der bewußten Nachlässig-keit, nicht aber von einer- 
voUen Einwilligung (consensus) in die böse Lust; 
vgl Fr. Suaresius, De religione Societatis Jesu 1. 9 
c. 5 n. 13, (Bruxelles 1857), p. 499. 

® (S. 36). Ignatius legt als Beispiel besonders die 
Sünden gegen das sechste Gebot vor. 



172 Anmerkurigön zu, S. 31— 58 

/^°(S. 37). Der spänische Text considerando acatä 
aquel honor y reverencia debida ist so aufzulösen: 
considerando aquel hbnor y reverencia debida (a 
SU Criador y Senor, lo) acata; s. Mon. Ig-n. p. 264. 

^^ (S.40). Kreuzzug-sbullen sind päpstlidie Erlasse, ^ 
durdi die den Teilnehmern an Kreuzzügen oder den 
Förderern derselben besondere, g-eistlidie Gnaden 
bewillig-t wurden. Kreuzzugsbulien werden, natür- 
lidi . in Anpassung- an die veränderten Verhältnisse, 
audi heutzutage nödi erlasseh. 

^'\ (S. 40). Hiermit sind päpstlidie Erlasse gemeint, 
die zum Zweck der Erlangung des äußeren und in-^^ 
neren Friedens Ablässe und andere Gnadenerweise 
unter gewissen Bedingungen verliehen. 

13 (S. 42). Die erste Übung der ersten Woche wird 
nidit, wie dies in der zweiten Woche geschieht, aus- 
drücklidi dem ersten Tag zuerteilt, da nach Ignatius^ 
Absicht die ersten fünf Übungen mehrere T.age hin- 
tereinander wiederholt werden sollen. 

^^(S.42). Unter den drei Seelenkräften werden 
Gedäditnis, Verstand und Wille verstanden. 

'^ (S, 42). Hier liegt eine philosophische Eintei- 
lung vor: die Absichten (intenciones) betreffen den 
Willen, die Handlungen (acciones) den ganzen Men- 
sdien, die Betätigung (operaciones) die einzelnen 
Fähigkeiten. 

>** (S^ 43). Dieser Gedanke kehrt aüdi später im- 
mer wieder. Der Nützen, oder die Frudit der Be- 
trachtung kann nämlidi verschieden sein je nach dem 
Bedürfnis und dem Verlangen einer jeden einzelnen 
Seele. 

i'(S.43). Mit dem Ausdruck „tiefste Besdiämung* 
geben wir das spanische „vergüenza y confusiön**: 
(eigentlidi „Scham und Beschämung") wiedeir; vgl 
auch S. 44, Punkt 1. 

/.^ (S. 45). Ignatius verlegt also gemäß der An- 
sdiaüung mancher seiner Zeitgenossen das Paradies 



Anmerkungen zu S. 31— 58 KB 

in die Gegend von Damaskus in Syrien; vg-1 auch 
Lüdblf von Sachsen, Vita Christi 1.1 2, 1. 

*® (S. 45). Mit dem Ausdruck „ursprüng-liche Ge- 
rechtigkeit" ist nicht die heiligmachende Gnade ge- 
meint, weldie die Stammelteniija leicht durch einen 
vollkomTnenen Akt der Reue wieder erlangen konn- 
ten, sondern der gesamte Zustand der ersten Un- 
schuld mit seinen Gnaden und Gaben. 

2" (S. 45). Roqthaan bezieht irrtümlich das „mehr 
im einzelnen" (mas particularmente) auf den Willen; 
Ygl den Sdiluß des ersten Punktes- 

'-^^ (S. 46). Der Ausdruck „en el pecar y hazer" 
in J ist kausal und nidit zeitlich zu fassen. Der 
Sinn ist also nicht „in dem Augenblick, da er sün- 
digte und handelte". 

2^ (S. 47). vgl oben S. 167, Anm. 16. 

'^^ (S. 49)/spanisch: razonandö y dando gracias; 
razonar hat heute meist den ^inn von . „reden", 
^sprechen", wieniger aber die Bedeutung des latei- 
nischen ratiocinari („erwägen"); im älteren Spanisch 
findet es sich dagegen audi vielfach in dieser Be- 
deutung. Roothaan übersetzt denii audi ratiocinando. 
Im Anschluß an die ziemlich getreue lateinische Erst- 
übersetzung L wählten wir den Ausdruck „sich aus- 
sprecheh" (colloquendo); vgl „Aus dem Geistlichen 
Tagebuch des hl Ignatius" (übertragen von A. Feder 
1922).S. 119, Anm. 18. 

^* (S. ^9); „Hierauf", d. h. am Schluß, Und zwar 
tinter allen Umständen; ob man Trost oder Trost- 
losigkeit empfindet. Nun beginnt das erste der bei 
Ignatius auch in seinem späteren Leben so beliebten 
dreifadien Zwiegespräche, in denen er sich der Ver- 
mittlung von Maria und Jesus bedient: Erst soll 
sidti Maria für seine Anliegen bei Jesus verwenden, 
dann Jesus oder Jesus und Maria zusammen beim 
Vater; vgl auch „Aus dem Geistlidien Tagebuch des 
hl Ignatius" S. 33. 



l74 V > ■Anmerkungisn zu .S. ;3i---^58^^^^ / • 

^^ (S. 49). Hier, wie auch sonst oft, wird darauf 
gedrungen, daß man um eine zweifadie Gnade bitten 
soll, nämlich um Erleuchtung des Verstandes, damit 
man das Rechte erkenne, und um Anregung des 
Willens, damit man. dem Erkannten folge. 

^» (S. 50). Die vierte Übung besteht in einer Zu- 
sammenfassung der dritten und, da diese eine 
Wiederholung der ersten und zweiten Übung ist, tät- 
sächlidi in einer Zusammenfassung der drei vorher- 
gehenden Übungen. Sie kann mit der Anwendung 
der SinnCj von der an späteren Tagen die Rede 
ist^ verglichen werden. Das spanische resumiendo 
bedeutet nidit wie das lateinische resumendo eine 
,rnodimalige Vornahme" (Anonym, und Handmanrt), 
sondern eine kurze Zusammenfassung. 

27 (S. So). Die Betraditung über die Hölle bildet 
den Abschluß der Bekehrung. Die erste Übung legte 
den Grund für eine tiefe Besdiämung, die zweite für 
einen großen Reuesdimerz, die fünfte bezwedct den 
festen Vorsatz, in Zukunft jede Sünde zu meiden. 

Die Höllenbetraditüng handelt nur von der Strafe 
der Sinne, nicht aber von der Strafe des Verlustes 
aus folgenden Gründen: Die Betrachtung ist als 
Abendbetrachtüng . gedacht und als soldie für di& 
Anwendung der Sinne bestimmt (S. 176, Anm. 10); 
sodann ist die Strafe des Verlustes bereits vorher 
zweimal Gegenstand der Erwägung gewesen: ein- 
mal bei der Erwägung über das Fundament, wo 
von der Rettung der Seele? die Rede war (S. 31), 
das andere Mal im L und 3. Punkte der Betrachtung 
über die dreifache Sünde, die die Strafe der bösen 
Engel . bzw die Strafe irgend eines bestimmten Ver- 
dammten betrafen. 

-^ (S. 60). spanisch: faltas („Fehler"). Darunter 
versteht Ignatius an dieser Stelle die freiwilligen 
läßlidien Sünden, welche die schwere Sünde vorbe- 
reiten; ietztere nennt er kurz darauf und des öfteren 
einfachhin „Sünde". 



Anmerkungen zu S. 59, — 91 175 

^'■^ (S, 51). l[jber die Peinigung der Seelen durdi 
Feuer vgl Augustin., De civitate Dei 21, 9. 10 (Migne, 
Patr. Latin. 41, 7231), Gregprius M., Dialogi 4, 29 
(ebenda 77, 368), Thomas Aquin., Compend. theöl. 
c. 179, Suppl.'q; 70 a. 3, q. 97 a. 5 usw. 

'^"^ (S. 52). in den beiden Übersetzungen L und V 
findet sidi an dieser Stelle nodi folgender praktische 
Zusatz: „Wenn es dem Exerzitienleiter zum großen 
Fortsdiritt der Exerzitanden nützlich erscheint, hier 
noch andere Betrachtungen, beizufügen, wie über den 
Tod und die anderen Strafen der Sünde, über das 
Gericht und so weiter, so halte er das nicht für un- 
statthaft, wenn au di dieselben hier nicht ausdrücklich 
angeführt werden". Dieser Zusatz entspricht sowohl 
dem Sinne des Exerzitienbuches als den Gepflogen- 
heiten des heiligen Ignatius und. seiner ersten Ge- 
fährten, wie die Mon. Ign. p. 152 und 298 dartun; 
vgl auch S* 90 und 153. 

^^(S. 52). Diese Zusätze sind auch für das ge- 
wöhnlidie geistliche Leben von größtem praktischem. 
(Nutzen. 

Zweite Woche usw (S. 69-91). 

/(S. 59). Die Einleitungsbetrachtung iist für die 
folgenden Betrachtungen von grundlegender Bedeu- 
tung, da sie den Entschluß festigen soll, Christus 
als Führer mit aller Größmut zu folgen. 

^ (S. 60). Der Kampf ist im Auftrage Gottes un- 
ternommen und steht unter Gottes besonderer Hut, 
so daß der Schutz des Lebens und der endgültige 
Sieg allen sidier ist. 

■^ (S. 60). spanisch: caballero ; nach dem damaligen 
Spradigebraudi wurden nicht nur die Ritter, sondern 
vielfach auch die einfachen Soldaten so bezeidiriet. 

* (S. 61), Unter „Sinnlidikeit" sind hier auch die 

an sich nidit unerlaubten ErgOtzungen der Sinne zu 

• verstehen , uiiter „ Liebe zurh Flelsdi" sodann die 



176 Anmerkungen zu S. 59^— 9i 

Liebe zu den . körperlichen Bequemlichkeiten^ d 
Liebe zu Gesundheit und. Leben, die ni<dit rein geis 
liehe Liebe zu Verwandten und pTeundenvunt 
„Liebe zur Welt" endlich die Liebe zu den Güte 
der Welt wie Reichtum, Ehre, Madit,' Glanz u.sw. 

^ (S. 62). Der Ausdruck „Beschauung^* wurde v< 
ignatius g-ewählt, weil in ihr der Mensch mehr b 
•einem ruhigen geistigen Anschauen verweilt,, um d 
raus irgend einen Gewinn, wie Liebe oder Nac 
ahmung, zu gewinnen, während bei der eigentlich i 
„Betraditung" mehr die drei Seelenkräfte (Gedäd 
jiis. Verstand, Wille) in gleicher Weise angewah 
Averden. 

« (S. 63). Es wird hier der Zustand gesdiilde 
in dem sich die Menschen ohne die Gnade der E 
lösung befinden würden. 

' (S. 63). rtier und auch späterhin noch öfte 
führt Ignatius in 3 besonderen Punkten die betn 
f enden Personen vor, ihre Worte und ihre Werl^ 
Diese Einteilung soll nicht so sehr die: Ordnung f 
die Betrachtung festsetzen, als vielmehr den Qege 
:stand, der hauptsächlich betrachtet werden spH, vc 
legen. Es hindert also nichts, daß die drei Punfe 
je nach 4en Umständen ineinander übergreifen. 

^ (S. 65). Die aus frühchristlichen Legenden stai 
menden Züge der Magd, des Rindes und des Es« 
scheint Ignatius seiner Heiligenlegende (Fips San 
/lorum) und dem von Ludolf von Sachsen gösdiri 
benen Leben Chris,ti entlehnt zu haben; s. Näher 
JVlon. Ign. p. 65 und 330. 

" (S. 66). Die Höhle der Geburt findet sidi au 
erwähnt bei Justin. Märt., Dialogus cum TrypHo 
78 (Migne, Patr. Qraec. 6, 657), Origenes, Coni 
Oelsum 1, 51 (Migne 11, 756) u, a. 

/^<> (S. 68). Ignatius setzt die Anwendung der Sin 
an jedem Tage vor dem Abendessen an, da d 
<3eist des Exerzitanden von den Übungen des Tag 



' ' / ,: 



Anmerkungeiii zu S. 59 — 91 17' 

bereits ermüdet ist. Er will also, daß die Anwen 
düng- der Sinne in ruhiger Weise ohne Anstrengung 
vorg-enöninien werde. 

*^(S. 72). Es wird die wirklidie (zeitliche) Folg( 
dieser beiden Geheimhisse geändert, weil der Ge 
horsam des Jesuskhäben als Vorbild des gewöhn 
liehen Lebens, hingegen das Verbleiben Jesu ir 
Tetnpel ohne Wissen der Eltern als Vorbild de 
vollkommerien Lebens hingestellt werden soll. 

^2 (S. 77). Diese Erwägung sehließt sich als wei 
iere Wahlbetrachtung an die über die zwei Fahne 
ah und sucht den Exerzitanden zu einem kraftvolle 
Willensentschluß bezüglich des für ihn Besseren z 
bewegen. Sie richtet sich an alle Stände; denn fü 
die Nachfolge Christi wird hier nidit von jedem de 
wirkliche Verzidit auf irdisches Gut, sondern nur di 
Beseitigung ungeordneter Anhänglichkeit an das 
selbe verlangt. Wenn Ignatius als Beispiel für di 
irdischen Güter, die wenigstens im Geiste zu vei 
lassen sind, eine Geldsumme, also Reichtümer wähl 
so schweben ihm Wohl die Beispiele des: Evangelium 
(reicher Jüngling, Matthäus usw) vor sowie auch di 
beiden Programme der Betrachtung über die zw( 
Fahnen. 

Zur Vorführung von drei . Menschenpäareh un 
nicht von drei einzelnen Menschen bewogen de 
heiligen Ignatius wohl folgende drei Gründe: 1. di 
Betraditung gewinnt so an Leben; 2. falls ein eir 
zelner Exerzitand den geistlichen Übungen oblieg 
wird jede fiersönlidie Andeutung besser gemiedei 
3. vielleidit hatte der Verfasser auch einige Doppe 
Berufungen der Apostel in den Evangelien vor Augei 
sowie er sie auffaßte s. oben S. 122 und unte 
S. 181, Anm. 8/ 

*3 (S. 78). spanisch: quiere hazer cuenta que tod 
lo dexa en affecto. Roothaan übersetzt etwas freiei 
Tult reputare (ita existimare, fingere) quod omni 

Ignatius v. Loyola. Geistl. Übungen 2. Aufl. 12 



178 Anmerkungen zu S. 92 — 115 

relinquat in affectu ; dabei war er der Ansicht, affectu 
sei ein Sdireibfehrer für effectu. ppch will Ignätms 
nur sagen, der.Betreffende soll bereits vor, der. Wahl 
jeglidie Anhähglichkeit an die Geschöpfe in sich 
uriterdrücken, so daß er bei der Wahl ganz frei sei. 

1^ (S. 81). pie Predigt ini, Tempel steht aii dieser; 
Stelle wohl deswegen vor dem Eihztfg in Jerusalem, 
weil dieser besser geeignet sdiieh, den Abschluß 
der zweiten Woche zu bilden; anders s. bei den Ge- 
heimnissen S. 129. 

^^ (S. 82). spanisdi : tres maneras de humildad 
(drei Arten oder drei Weisen der Demut). Ignatiüs 
legt diese drei Arten der Demut nidit in Gestalt 
einer eigentlichen Betrachtung vor ; er will aber, daß 
der Exerzitand häufig den ganzen Tag dieselben 
überdenkt. Der Häuptzweck der Erwägung dürfte 
darin bestehen, daß der Exerzitand mit dem für die 
bevorstehende Wähl so nötigen Geist der Demut 
erfüllt werde (s.S. 11). 

^6 (S. 83), Die Regeln über eine gute Wahl kön- 
nen mit großem Nutzen auch im gewöhnlidieh Leben 
bei jedem Wahlgesdiäf t und jeder Ehtsdieidung von 
einigem Belang angewandt werden. 

Dritte und vierte Woche usw (S. 92-115). 

^ (S, 94), Der Text von J liest: la meditacidn de 
los dos binarios. Ropthäan glaubt in der vierten 
Auflag-e seiner Übersetzung die frühere Übertragung 
de Binariis durch de düpbus vexillis („von zwei 
Fahnisn") ersetzen zu müssen. In der Tat sdieint 
aber „dps" nur durch Irrtum eines Sdireibers aus 
„tres" entstahden zu .sein. 

2 (S. 95). Die Erwähnung des/ Berges Sion und 

die Bezeichnung des betreffenden Teiles des Tales 

. Gedroh mit dem , Ausdruck „Jal Josaphät" finden 

sich nidit in den Evangelien, beruhen aber auf guter 

Überlieferung, ignatiiis, der vor der endgültigen 



Anmerkungen zu S. 92—115 > 179 

Fertigstellung cles Exerzitienbüchleins im Jahre 1523 
in Jerusalem w^^eilte^^^ sdieint nach der dortigen Tra- 
dition den teil- des Josäphattales, wo Christus die 
adit Jünger zurückließ, ffir einen Teil des Gartens^ 
Gethsemani gehalten zu haben; der Ort wurde in 
damaliger Zeit hodi den Pilgern gezeigt (Beschrei- 
bung der Wallfahrt durch den Züridier Peter Füssly, 
der zufälli_g Reisegefährte von Ignatius war, bei H. 
Böhmer, Studien zur Geschichte der Gesellschaft 
Jesu 1 [19141 Texte 29). 

^ (S. 100). Diese sogenannten „ Mäßigkeitsregeln 'i 
werden wohl im Anschluß an die Betraditung vom 
letzten Abendmahl vorgelegt; in der vierten Wpciie 
wird wieder eigens auf die Regeln Bezug genom- 
rheii; vgl S. 106. 

* (S. 103). Ignatius fand die Erscheinung Christi 
bei seiner Mutter bereits in der Heiligenlegeride 
(Flos Sanctorum) vor, wie auch, im Leben Christi 
von Ludolf von Sadisen. Zudem kannte er, wie sein 
Text zeigt, das Offizium von der j,Ersdieinung Christi 
bei seiner Mutter", das damals in spanischen Kirchen 
im Gebrauch war; vgl J. Ferreres S.J., El.breviariö y 
las nuevas rdbricäs 1 (1914) 304.— Die Theologen 
leiten die Überzeugung von dieser Erscheinung aus 
Gründen der ^Angemessenheit her. 

J' (S. 106). spanisch: en el verano, d. h. zur wär- 
meren Frühlings- und Sommerzeit, etwa vom April 
bis Oktober. ; 

^ (S. 106). Die Betraditung der Liebe und die 
„drei Gebetsweiseh" stehen außerhalb der vier ei- 
gentlichen Wodien der Geistlichen Übungen. Ei*stere 
bildet aber mit Recht den Sdiluß der Exerzitien, da 
ja die Liebe Gottes die Vollendung im Dienste 
Gottes ist. Die Unterweisung über dias Gebet hin- 
gegen soll dem Exerzitanden gleichsam als letzte 
Gäbe für das Lebeil niitgegeben werden. 

■^(S. 107). J liest hier: para que yo enteramente 



180 Anmerkungen zu S. 116 — 141 

reconosciendo pueda ete. Der Ausdrude enteramente 
reconosciendo kann an sich eine vzweifache Bedeu- 
tung- haben: „ganz dankbaren Sihnes" oder „(daifiit 
idi diese Güter) vollständig anerkenne". 

8 (S. 109). s. Anm. 11. 

» (S. 110). s. oben S. 70; vgl audi S. 54. 
^" (S.llÖ). wörtlich „gelangt man zum Nadiden- 
ken über irgend ein Gebot" (quandö hornbre viniere 
a pensar en un mandamiento). 

^1 (S. 111). Mit dem Ausdruck „sieben Todsünden" 
meint Ignatius nadi damaligem Spradigebrauch die 
sogenannten „sieben Hauptsünden". 

/^ (S. 114). spanisch: per compäs, eigentlich „nach 
dem Zirkel", „nach dem Zirkel abgemessen". Der 
Ausdruck wird aber für jede Art von Maß gebraucht, 
besonders auch wie hier für das Zeitmaß. 

Die Geheimnisse aus dem Leben Christi 
(S. 116—141). 

^ (S. 116). Die zeitliche Folge der Geheimnisse 
wurde von Ignatius zuweilen wegen des inneren 
Aufbaues der Exerzitien geändert. In der Anführung 
der Sdirifttexte verfuhr er manchmal etwas freier, 
er zitierte zuweilen nach dem Gedächtnis, ließ man- 
ches aus usw. Außerdenl entnahm er Teile seiner 
Zitate bisweilen audi anderen Evangelisten, als er 
im Titel anführt. Bei den einzelnen Geheimnissen 
führen wir zu den betreffenden Bibelstellen auch die 
Verszahlen an, und zwar nach 'der heutigen Zähl- 
weise, die zu Ignatius' Zeit hoch nicht bestand, so- 
wie auch die Parallelstellen.- 

* (S. 118). So übersetzt Ignatius das lateinische 
„ut profiteretur" (Luk 2, 15). 

^ (Sr 118). Die Engelschar erscheint bereits in der 
Betraditung über die Geburt wohl aus drei Gründen: 
Es dünkte Ignatius angemessen, der Engel audi bei 
der Geburt zu gedenken ; ihre Gegenwart offenbart 



Anmerkunsren zu S. 116 — 141 181 



't> 



ansdiaulidi nadi außpn die Majestät des in Armut 
geborenen göttlichi^n Kindes; da die Beträditung 
über die Hirten nicht immer, die über die Geburt 
aber stets vorgenommen wird, tritt dem Exerzitan- 
den während der geistlichen Übungen auf jeden Fall 
das trostvolle Bild der Engel vor die Seele. 

* (S. 11 9). Ignatiüs folgt in der ßezeidinung der 
Weisen mit dem Titel ,^önige" uiid in der Anfüh- 
rung der Dreizahl einer schon frühzeitig weit ver- 
breiteten Anschauung. 

^(S. 120). vgl oben S. 177, Anm. 11. 

^ (S. 120). Im Text der Mon. Ign. stehen irrtümlich 
nur zwei Punkte; vgl ebenda p. 1279. 

' (S. 122). Über die verschiedenen Apostelberu- 
fungen vgl J. Knabenbauer, Commentkrius in Mat- 
thaeum 1^(1903) 387 ff. 

^ (S. 123). In. V werden hier richtig noch die bei^ 
den Söhne . des Zebedäus (Jakobus und Johannes) 
beigefügt; vgl Joh 1, 35-39; Matth 4, 21 f; Mark 
Ij 19f; Luk 5, 10 f. Zur Zeit des heiligen Ignatiüs 
wurde Nathanael, von dessen Berufung Johannes 1, 
45 — 51 berichtet, im Gegensatz zur heutigen Auf- 
fassung nur selten mit dem Apostel Bartholomäus 
identifiziert. 

^ (S. 127). Nach den Evangelisten fand die Spei- 
sung der Fünftausend vor dem Wunder des Wan- 
deins auf dem Meere (S. 126) statt. 

'o^S.128). Nach Johannes stellte Christus diese 
Frage an Martha. 

^^ (S. 129). So übersetzt Ignatiüs irrtümlich niit 
anderen seiner Zeitgenossen den Ausdruck „Hosanna" 
-== Salva nuriCy 6m6ov dtj Ps 117 (118) j 25. 

^^ (S^ 131). Die Worte „Traurig ist meine Seele; 
usw" sind wohl an diese Stelle gesetzt, um die 
Größe des Leidens Christi zu veransdiaulidien. 

^^ (S. 134). Diese Beschauung scheint nach der ge- 
wöhnlichen Verfahrungsweise des heiligen Ignatiüs 



182 Anmerkungen zu S. 142 — 16B 

aufgebaut zu sein: man betradite die P^fsonTeny ihre 
Worte und ihre W^erke. Hier betreff^^ die drei 
Punkte Christus, die leblose Natur, die Feinde Christi. 

'* (S. 135). spanisch: su Madre dplorosa; hier 
liegt offenbar eine Anspielung auf die Andädit zur 
schmerzhaften Mutter vor, die Ignatius eifrig pflegte. 

'5 (S. 139). Die Honigscheibe wird Luk 24, 42 er- 
wähnt, aber bei der Erscheinung am Ostertage selbst. 

16 (S. 139). Die Überiiefewing, daß diese Erschei- 
nung auf dem Berge thabor Statthatte, stammt erst 
aus späterer Zeit. 

^' (S. 140). I in zweiten Teil der Betrachtung scheint 
Ignatius eine- Zusammenfassung der vierten Wpche 
zu bieten; vgl Fr. de Hummelauer, Meditationum et 
et Gohtempjätioniim S. IgnatÜ de Loyola puncta"^ 
< 1909) 496. 



2 



Letzte Regeln (S. 142—163). 

^ (S. 142). Es ist zu beachten, daß die Regeln 
über die Unterscheidung der Geister nach Ignatius 
auch dazu diehen sollen, die versdiiedenen Seelen- 
reguhgen wahrzunehmen. Den meisten Lesern, 
namentlidi den Anfängern im geistlichen Leben, dürf- 
ten die Regeln allein ohne die besondere Hilfe eines 
Seelenführers kaum genügen. 

'^(S. 143),. Über die Arten des Trostes vgl audi 
das Direktorium des Ignatius in den Mön. Ign. p. 
780 f. 

^ (S. 144). Man ändere also weder die Vorsätze, 
die man zur Zeit des fühlbaren Trostes noch die- 
jenigen, die man zur Zeit des der Trostlosigkeit vor- 
ang(3gangeneh inneren Seelenfriedens faßte. 

* (S. 146). Der Sinn des jBildes ist dieser: Wir 
sollen uns hidit aneignen. Was uns nicht gehört. 

r ^ (S. 146). Gott ttiißfällt selbst der geringste Grad 
von Selbstüberhebung, so daß er uns dessentwillen 
nicht selten den fühlbaren Trost entzieht. 



Anmerkungen zu S. 142^163 183 

\ 

® (S. 146). pie hinreichende Gnacie, von der hier 
die Rede ist, steht -niditiiini Gegensatz zur wir% 
Gnade im heutigen theologischen Sinne, sdndern nur 
zu' der früher Yorhahden gewesenen überreichen und 
fühlbaren Gnade. Unter den „natürlichen I^räften" des 
Mensdien sind al^o seine gewöhnHdien von der nidit 
fülilbaren Gnaicte unterstützten Kräfte zu verstehen. 

^r(S. l46)l Öer Text in J lautet: el enemigb se 
haze comp muger en sör flaco por liierza y fuerte 
de gradö. Die ' Mon- Ign. p. 168 geben fpigende la- 
teinische Übersetzung, die audi in etwa den Sinn 
wiisdergibt: Hostis fit sicut mulier, imbecillus invite, 
foftis Ubenter. Andere Übersetzungen : „In quantum 
est debilis qüoad vires, et fortis quo^d voluntatem" 
(Rpothäan); „sofern er in Beziehung auf seine Kraft 
eben doch sdiwäch ist (wenn man ihm widef steht), 
aber stark durch seinen Willen** (Anonym.); „ihso- 
feirn er schwach ist seiner Mächt nach und bloß stark 
ist dem Wineh nadi" (Handmänn). 

' (S. 148). Es ist zu beaditen, daß der heilige 
Ignatius diese Regeln nidit aussAließHch' auf die 
zweite Woche angewandt wissen will, sondern nur 
sagt, sie seien mehr für diese Woche geeignet; denn 
die Dienlichkeit der Regeln hängt nicht so sehr Ypn 
der Woche ab, als vielmehr von dem Seelenzustand 
des Exerzitandem 

^ (S. 150). Der Sinn des Bildes ist dieser: Der 
böse Feind tritt in die Seele ein^ indem er in ihr 
entsprechend ihrer Stimmung sdieinbar fromme Ab- 
sichten anregt, und wenn dann er seinen Willen er- 
reicht hat, die Seele verläßt. : ' 

lö (S. 152). „Beziehungen": span. habitüdines. 
Andere fassen diese^ auf als habitus im Sinne von 
„Gewohnheiten" (Anonym.), „Neigungen" : „seiner 
eigentümlichen Stimmung (oder Neigung) gemäß" 
(Handmann). ' 

-»^ (S. 152). Der heilige Ignatius faßt die Almosen- 



184 Anmerkungen zu S. 142 — 163 

Verteilung als eine von Gott übertragene Dienstpflidit 
auf, besonders in den Regeln, in denen es sidi uni 
Almosen aus den Einkünften kirdilidier Pfründen 
handelt. 

|2 (s. 154). Der Kanon wurde früher irrtümlidi 
dem vierten Konzil vOn Karthago v. J. 398 zuge- 
schrieben. In der Tat tritt er zu m^ ersten Mal auf in 
der Dekretaliensammlung des Ps-Isidor aus dem 
9. Jahrhundert. Hier lautet er: Ut episcopus vilem 
supellectilem et meiisam ac victum pauperem habeat 
et dignitatis suae auctoritatem fide et vitae meritis 
quaerat (cari. 15, Migne, Patrol. Lat. 130, 344). Das 
Konzil von Trient bestätigt den Kanon (Sessio XXV, 
cap. 1 de reform.) 

'^ (S. 155); Das älteste Zeugnis für diese Legende 
findet sich im apokryphen Evangelium über die Ger 
burt Maria (G. Tischendorf, Evangelia apocrypha, 
Evangelium de nativitate Mariäe ^1876 p. 113). 

1* (S. 156). S. Gregor. M., Epist., 1. 11 c. 64 (ah 
31), Migne, Patr. Lat. 77, 1195. 

^ö (S. 158). Der angeblidie Aussprudi ist überlie- 
fert im Leben des l^eiligen Bernhard in jder Legenda 
Sanctorum deis Jacobus de Voragine: Nee per te 
incepi nee per te dimittam (Ausgabe 1493, legenda 
CXV, litt. G;s. Mon.Ign. 548). 

l« (S. 158) Zum vollen Verständnis der Regeln 
über die rechte kirchliche Gesinnung trägt es bei, 
die Zeit ihrer Entstehung zu berüdcsiditigen. Sie 
nehmen nämlich vielfach Bezug auf die Irrtümer der 
Religionsneuerer des 16. Jährhunderts. 

^'(S. 159). Gemeint sind die Stationskirdien in Rom. 

i8(S.159). ,,Kreuzzugsbullen«, s. obenS.172, Anm.ll. 

^* (S. 159). Vigilien sind eigentlidi die Vorabende 
höherer Feste, heute nennt man so die Vortage dieser 
Feste überhaupt. 

^° (S. 160). Sentenzenmeister = Petrus Lombardüs 
(f um 1164), der Verfasser der Libri IV sententia- 
rum, eines theologisdien Handbuches. 



Literatur 1 85 

^^ (3. 161). weil die Kirche unfehlbar ist, unser 
¥ef stand aber zufällig irren katin. 

^^(S. 162). spanisdi: eri el modo de hablar y com- 
miinicar; in modo loquendi et disserendi (Roothaan). 

:^* (S. 162). Über einen Zusatz zu dieser Reg^el in 
L uiid V s. Mon. Ign. p. 558 f und 154^ 168. 

^* (S. 163). Das Konzil voii«Trient bezeidinet die 
kindlidie Fürdit Gottes als (ienr „ Ajifang:^ der gött- 
lidien Liebe" („initium amoris divihi" De justifica- 
tiöne; Sessio VI, cap. 6). 



Li t e r a t u r. Eine photographisdie Wiedergabe 
des sog. Autographs ersdiien 1908 zu E^m im Ver- 
lag von Danesi. Außer den Ausgaben der Mön. Ign. 
und des P. Roothaan seien u. a. für die praktisdie 
Einführung in die Exerzitien nodi folgende Werke 
genannt: 

Fr. de Hummelauer S. J., Meditationum et con- 
templationum S. Ignatii de L. -Punctä 1906, =^1909. 

Fr. Hettinger, Die Idee der Geistlidien Übungen 
hadi dem Plan des heiligen Ignatius von L. 1853. 

J. Nonell S. Ji, Los ejercicios espirituales de N. 
P.S. Ignacio 1896. 

Versdiiedene Bänddien der Sammlung von H. 
Watrigant S. J.: Collection de la Bibliotheque des 
Exercices 1906 ff. 

R. Handmann S. J., Geistlidie Übungen dies hei- 
ligen Ignatius von L. Mit Anmerkungen und Erklä- 
rungen des R. P, Joh. Roothaan 1904* 

Feuer kam idi zu senden. Gedanken über die 
Geistlidien Übungen des heiligen Ignatius von L., 
herausg'egeben von deutsdien Jesuiten 1918.; 

H. Bruders S. J., Exerzitien- Wahrheiten, akad. 
Vorträge n922. 



\ 



Anhang. 

Pliati der Lesung während der Exerzitienkurse/ 

L während achttägiger Exerzitien. 

-'...■ ■■'«•-•'. ■' • ■ .•■■■-' . ■'■ .'■ . - 

X. Tag: Vorbemerkungen: (S. 19 — 30). — Nachfolge 
Christi: I 20; HI 9, 10, 31. 

2. Tag : Zusätze (S. 52— 58) ; Regeln der Unter- 
Scheidung der Geister für die 1. Wodie (S. 142 — 148). 

— Nadifolge Christi: 1 21, 24; III 20; IV 7. 

3. Tag: Besondere und allgemeine Qewissenser- 
forsdiung (S. 32— ^1); Generalbeichte und hl Kom- 
munion (S. 41 — 42); Regelh der Untersdieidüng der 
Geister für die 2. Wociie (S. 148-152). — Nachfolge 
Christi: I 23, 25; li Iv . 

4. Tag: 5 Bemerkungen nach dem I. Tag der 
2. Wödie (S.69-71); drei Gebetsweisen (S. 109^115). 
-Nadifolge Christi: II 7, 8; 1115. 

5: Tag: Wahl (S. 83— 91). — Nachfolge Christi: 
11118, 19, 54, 55. 

6. Tag: Regeln für die Almosenverteilung (S. 152— 
155); — Bemerkungen über die Skrupeln (S. 155— 
158). — Nadifolge Christi: 111 15, 16, 23, 56. 

7. Tag: Bemerkungen zur 3. Woche (S. 96 — 97); 
Mäßigkeitsregeln (S. 100-102). r- Nadifolge Christi: 
IUI, 12; III 35. 

8. Tag: Bemerkungen zur 4. Wodie (S. 1Q4A106) ; 
Regeln über die kirchlidie Gesinnung (iS. 108 — 163). 

— Nadifolge Christi: 111^ 47, 48f, 49. 

2/während fünftägiger Exerzitien« 

I.Tag: wie oben. 
2. Tag: wie oben. 



Anhang 187 

3. Tag: Besondere und allgemeine Gewissenser- 
forsdiung, Generalbeichte und hl Kommunion (S. 32 — 
42); Regeln der Utitersdieidung der Geister für die 
2. Wodie (S. 148 - 152). — Nachfolge Christi: I 23, 
•26.;:.ir'l. ,-;,.■,-■;, :-■:'■ y-^'V - 

4. Tag: 5 Bemerkungen nach dem 1. Tag der 
2, Wodie (S. 6^-71); Wahl (S. 83- 91); drei Gebets- 
weiseh(S. 109-115). — Nachfolge Christi: IM, 7, 
8; in 5, 19. 

5. Tag : Bemerkungen zur 3. und 4. Woche (S. 96 1 
104^106); Mäßigkeitsregeln (S. 100— 102); Regeln 
über die kirdiiidie Gesinnung (S. 158—163). — Nach- 
folge Christi: II U, 12; III 47, 49. 

Anm. Bei 6 Tagen nehme man am 5. Tage alsl 
Lesung die drei Gebetsweisen (S; 109 — 1 15) und die 
Bemerkungen über die Skrupeln (S. 155— 158); aus 
der Nadifolge Christi III 16, 18, 19, 54, 55. Die 
Lesung am 6. Tage sei dieselbe wie die im vor- 
steheriden Plan am 5. Tage. 

3. während dreitägiger Exerzitien. 

1. Tag: Vorbemerkungen 1, 3, 5, 12- 14, 16, 20 
<S. 19 ff); Zusätze (S. 52-58). — Nadifolge Christi: 
I 20, II 1; 1119, 10, 31. 

2. Tag: Besondere und allgemeine Gewissenser- 
forschung, Generalbeichte und hl Kömmunion (S. 32— 
42); drei iGebetsweisen (S. 109—116). — Nachfolge 
Christi: I 21, 24; IIl 20; IV 7. 

3. Tag: Wahl (S. 83 - 91) ; Mäßigkeitsregeln (S. 100 
bis 102). — Niadifolge Christi: I 23; II 1, 7, 8; III 49. 



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Sadiverzeldintä. 



Absonderung 29 f 78 1 

Almosenverteilung 153 fif. 

Anhänglichkeit an Ge- 
schöpfe 26 77 ff 84 ff 
152 f: 

Anwendung der Sinne 68 
71 79 usw, ; 

Armut, wirkliche u. geist- 
liche 75 ff 83. . 

Aufmerksamkeit im Ge- 
bete 53 l^Ö 113. 

Beichte 28 158; s. Gene- 
ralbeichte. 

Bemerkungen zur ersten 
Woche 52 ff, zur zweiten' 
W. 69 ff 81 ff, zur dritten 
W. 96 ä; zur vierten W. 
104 ff, über die Skru- 
peln 155 ff, s. Regeln, 
Vorbemerkuhgen, Zu- 
sätze. 

Berufswahl s. Wahl. 

Beschauung 20 42 53 f 
176, sw Betrachtung. 

Betrachtung 20 42 53 176, 
Dauer 24 29, äußere 
Stellung 53, s* Gebet. 

Buße 55 ff, innere 55, 
äußere 55 ff 70. 

Christus : Sohn Gottes 49 
61 63, Erlöser 7 46 63, 
König 7 ff 59 ff 73 ff, 
Führer und Lehrer 7ff 



73 ff 104, Erkenntnis,: 
Liebe und Nachfolge 
Chr. 7 ff 61 ff 70 83 
usw.— Geheimri is s e 
aus dem Lehen Chir.9f 
29 70, im bes.: Ver- 
kündigung 63 ff 116/ 
Menschwerdung .62 ff, 
Heimsuchung Maria 81 
117, Geburt 65 ff 117, 
Hirten 81 118, Be- 
schn eidun g 81 11 8, D ie 
Drei Könige 81 .119, 
i) arstellun g im Tempel 
71 119, Flucht nach 
Ägypten 71 119, Rüclc- 
kehr aus Ägypten 120, 
Leben in Nazareth 72 

120, Auftreten im Tem- 
pel 72 121, Taufe 79 

121, Versuchung 80 122^ 
Berufung der Apostel 
80 122, Hochzeit zu 
Kanä 123, Reinigung 
des Tempels 123 j Berg- 
predigt 80 124, Stil- 
lung des Meeressturmes 
^0 124, Wandeln auf 
dem Meere 125, Aus- 
sendung der Apostel 
125, Bekehrung Mag- 
dalenas 126, Speisung 
der Fünftausend 127, 
Verklärung Christi 127, 



Sachverzeichiiis 



189 



• Auferweckung des La- 
zarus 81 128, Mahl in 
Bethanien 128, Pahii- 
sdnntäg 8i 129, Predigt 
im Tempel 81 129, 
Letztes Abendmahl 92 f 
129, Das Leiden 92 ff 
130 ff, Am Kreuze 134, 
Grablegung 135, Auf- 
erstehung 103 135, 
Erscheinungen 135 ff, 
Himmelfahrt 140. 

Dankbarkeit gegen Gott 
CChristus) 40 49 52 93 ff 
107 ff 

Demut 76 145 f 178; drei 
Alten 11 82 f. 

Ehestand 84 f 90 155. 

Eid 37 f. 

Engel: guter 142ff 148'ff, 
Fall der bösen E. 44f, 
s. Geister. 
- Erkenntnis : des Willens 
Gottes 72f 83 ff; seiner 
selbst 49 145^ der Welt 
49, Satans 73f 14äff, 
s. Christus» Geister. 

Essen, Venhalten beim 
lOOff 
; Exerzitand, ELatschläge u. 
Winke für 12 19ff; s. 
Bemerkungen. 

Exerzitien: Wesen 3 f 19, 
Eintieilung 20f 52, Dau- 
er 2() 81 9^ 105. 

Exerzitienbuch: Entsteh- 



ung 1 ff, Autbau / 3 ff, 
Überlieferung 12ff, Ein- 

' fluß 15f: ; 

Exerzitiehleiter, Winke ü- 
Ratschläge für 12 19 ff. 

Fahnen, Betrachtung über 

zwei 10 73 ff ■ J 
Fehler, Besserung von F. 

H2 ff. 
Feind,* böser 23 f 78 f 102 

142 ff 156 f, s. Geister. 
Fortschritt, geistlicher 23 

29f 91 142 149. 

Gebet: Dauer 24 29 llOff, 
um Gnaden 42f 46 f 50 
59 usw, Vorbereitungs-' 
gebet 43 53 63 üsw, 
Drei Gebetsweisen' 12 
. 109 ffj s. Betrachtung. 

Gebpte Gottes 27 40 109f 

Gedächtnis, Betätigung 
des G. 42ff. 

Gedanken, Verdienst und 
Sünden bei G. 36. 

Gehorsam 40 72, Gelübde 
des G. 25 159. - 

Geister, verschiedene 22 
27 87, s. Unterschei- 
dung der G. 

Gelübde 24 159. 

Gemütsbewegungen 20 48 
54 usw. 

Generalbeichte 12 41 f. 

Gericht der Seele 55 90 
153 175. 

Geschöpfe, Gebrauch der 



190 



Sachverzeichnis 



32, s. Anhänglichkeit. 

Gewissensängste s. Skru- 
peln. . . 

Gewissenserforschung 12 
27 f, besondere 32 ff 58 

aO 97 168, allgemeine 

^^ ff ''■■'• 

Gleichmut 6 26 32 84 f 
152f: 

Gnade: Notwendigkeit 
145f 162, außergewöhn- 
liche 86 14:5j Bitte um 
Gnade 42 f46i: 50 59 
usw. 

Gott: Eigenschaften 48 68 
109, Liebe 63 f 107 ff 
145, Barmherzigkeit 46 

, 48, Liebe zu Gott 11 
lÖ6ff, Dienst Gottes 4 
31f 38 78 82 .usw, 
Furcht Gottes 163. 

Großmut 21 30 61 f. 

Höllen 45 50 ff 174. 
Jungfräulichkeit 25 159; 

Kirche: Mutter 85 158 
161, kirchl. Gesinnung 
12 87 158 ff. 

Königtum Christi s. Reich 
Chr. 

Kommunion 12 28 41 158. 

Läuterung der Seele 32 ff, 

s. Selbstüberwindung. 
Leiden Christi 93 ff. 
LesuAg 62. 
Liebe s. Christus, Gott. 



Mäßigkeitsregeln 55 lOOff 

179. 
Maria; Verkündigung 

63 ff 117, Geburt Chr. 

65 ff 114, Heimsuchung 
81 117, schmerzhafte 
Mutter 99 135, Erschei- 
nung Christi 103 135, 
Gebet an Maria 49 65 
76 94 112 ff 

Menschenpaare, Betrach- 
tung von drei M. 10 77ff 

30 94 177. 
Menschwerdung Christi 

62ff 

Nächstenliebe im Urteil' 

31 39. 

Ordensstand 25 159. 
Ort, Veranschaulichüng 
des.o! 42f 50 59 63 

66 usw. 

Paradies : irdisches 45, 

himmlisches 54 97 106. \ 
Priestertum 8i5 90. ; - 
Punkte der Betrachtung 
20 105. 

Reform des Lebens s. 
Wahl. 

Regeln : für Almosen Ver- 
teilung 152ff; Maßig- 
keitsregeln 100 ff, für 
die Unterscheidung der 
Geister 142ff, S.Bemer- 
kungen, Zusätze. 

Reich Christi: 8 10 59 ff 

^ -73-ff ^ ■■ 



Sachverzeichnis 



191 



Reich Satans 10 7B ff: 
Reue 41 53 ff" 57 usw. 

Schwören 37 0". 
Seelenkräfte, Anwendung 

der drei 42 ff- 112. 
Selbstüberwindung 32ff" 
.56 ff 78: 
Sinne 112, s . Anwendung 

der S. 
Skrupeln 155 ff-, 
Stammeltern, Sünde der 

44f: 
Sünde: Natur 6f 47 f, 

schwere und läßliche S. 

36 ff", Sündetibetrach- 

tungen 42ff, Flucht der 

Sünde 32ff'49f 82 111 

156.' 

Tod 54 90 153 175. 

Tränen : als Gnade 143 
166, über eigene Sün- 
den 21 47 54 143, über 
Leiden Christi-95 143. 

Trost 22 ff- 49 57 143 ff- 
148 ff: . 

Trostlosigkeit 22 ff" 49 

143 ff: 

Unterscheidung der Gei- 
ster 23 27 142 ff-. 

Verstand, Betätigung des 

V. 20 42 ff" 87 ff: 
Vollkomniehheit : Streben 



nach V. 26 29 62 75 f, 
V: als Stand 11 25 72 
159. 
Vorbemerkungen zu di.en 
Exerzitien 19 ff: 

Wahl eines Standes 10 f 
72 81 83 ff; Reformwahl 
86 90 f, Wahlarten 8,7 ff; 
Wahlzeiten 86 f. 

Werke, Sünden bei W. 
40. 

Wiederholung der Übun- 
gen 49 62 67 71 usw. 

Wille, Betätigung des W. 
20 42 ff. ; 

Wochen als Teile der 
Exerzitien 20f 59fif 92 ff 
103ff. 

Worte, Verdienste und 
.Sünden bei W. 37 ff: 

Ziel des Menschen 5f 31 
82 84 ff- usw 168, der 
Geschöpfe 6, 32 84 ff. 

Zusätze izu den Wochen 
.52ff 70 96f iP5f 109, zur 
Gewissenserforschüng 
34 ff; s. Bemerkungien. 

Zwiegespräche mit Gott 
(Vater, Dreifaltigkeit) 
48f65 76 93,mit Chri- 
stus 46 49 51 6165 76 
94, mit Maria 49 65 76 
94 112. 



Von demselben Verfasser erschien: 

Im Verlag Jos. Kösel u. Friedr. Pustet, 

Regensburg: 

Lebenserinnerungen 
des hl Ignatius von Loyola. 

Nach dem spanisch- italienischen Urtext übertragen} 
eingeleitet und mit Anmerkungen versehen. Mit 

einem Titelbild, 
kl. 80. XII u. 140 Seiten. 1922. ' 



Aus dem Geistlichen Tagebuch 
des hl Ignatius von L#oyola. 

Nach dem spanischen Urtext übertragen, eing^eleitet 
und mit Anmerkungen versehen, 
kl. 8^ Vin u. 129 Seiten. 1922; 






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